Politik

Wegen Ausladung von KZ-Gedenken Belarus bestellt deutschen Botschafter ein

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Kränze liegen in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar vor einer Gedenkfeier zur Befreiung des einstigen NS-Konzentrationslagers vor 77 Jahren.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zu einer Gedenkfeier im ehemaligen NS-Konzentrationslager Buchenwald werden Vertreter aus Belarus ausgeladen. Das belarussische Regime reagiert pikiert. Es zitiert den deutschen Botschafter in Minsk ins Außenministerium.

Wegen der Ausladung offizieller belarussischer Vertreter zu einer Gedenkfeier im ehemaligen NS-Konzentrationslager Buchenwald hat das Außenministerium der autoritär geführten Republik den deutschen Botschafter einberufen. Manfred Huterer sei am Montag eine Protestnote übergeben worden, teilte die Behörde in Minsk mit. "Die Missachtung der Opfer des belarussischen Volkes in den Jahren des Zweiten Weltkriegs ist unzumutbar", hieß es.

In dem früheren Konzentrationslager bei Weimar wurde am Sonntag an den 77. Jahrestag der Befreiung erinnert. Wegen Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, der teilweise auch von belarussischem Boden aus geführt wird, waren offizielle Vertreter aus Russland und aus Belarus nicht erwünscht. Vertreter der belarussischen Opposition und der in Russland verbotenen Menschenrechtsorganisation "Memorial" nahmen hingegen teil.

An der Gedenkfeier nahmen auch 16 KZ-Überlebende teil - unter ihnen die 96-jährige Anastasia Gulej aus der Ukraine. Die Überlebende der Lager Auschwitz, Buchenwald und Bergen-Belsen war nach dem russischen Angriff auf ihre Heimat nach Deutschland geflohen, sie lebt jetzt in Sachsen-Anhalt.

Buchenwald-Überlebende starb bei russischem Angriff

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, bezeichnete es in seiner Rede als eine "Schande", dass "ausgerechnet auch Überlebende der Shoa am Ende ihres schweren Lebens jetzt erneut so leiden müssen". Der Buchenwald-Überlebende Boris Romantschenko war im März bei einem russischen Bombenangriff auf Charkiw getötet worden.

"Unser Gedenken ist mit dem Versprechen verbunden, zu heutigem Unrecht nicht zu schweigen", betonte Schuster, dessen Vater und Großvater einige Zeit selbst in Buchenwald inhaftiert waren, später aber freikamen und emigrieren konnten. Auch heute sei in der Welt wieder zu sehen, wozu der Mensch fähig sei - "und derzeit nicht weit von uns entfernt".

Quelle: ntv.de, lve/dpa

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