Berichte von 217 TotenRegime im Iran versucht, Proteste herunterzuspielen
Bis auf staatliche Meldungen dringen momentan kaum Nachrichten über die Proteste im Iran nach außen. Während die Regierung versucht, die Proteste herunterzuspielen, spricht ein Arzt von Hunderten Toten, weil die Polizei inzwischen mit scharfer Munition auf die Demonstranten feuere.
Die iranische Führung hat die landesweiten Massenproteste heruntergespielt. In den meisten Städten des Landes habe Ruhe geherrscht, erklärte ein Sprecher im Staatsfernsehen, wie laut Übersetzung aus einem Video der Nachrichtenagentur des staatlichen iranischen Rundfunkverbundes, Iribnews, hervorgeht.
Weiter hieß es, laut Berichten aus dem Einsatzgebiet hätten "bewaffnete Terroristen" zwar erneut versucht, die öffentliche Sicherheit in verschiedenen Städten zu stören. Dank des Eintreffens der Sicherheitskräfte und der starken Präsenz der Bevölkerung sei es aber zu keinen bewaffneten Angriffen gekommen. In der Stadt Qazvin hätten Menschen die Aktionen "bewaffneter Terroristen" scharf verurteilt.
Vielerorts Demonstrationen
Seit Jahresende protestieren massenhaft Menschen in verschiedenen Großstädten des Landes wegen der drastischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage des Landes gegen die Regierung. Demonstrationen fanden unter anderem in den Millionenmetropolen Teheran und Maschhad statt. Viel geteilte Videos in den sozialen Medien zeigten Menschenansammlungen an zentralen Plätzen. Unabhängig verifizieren ließen sich die Aufnahmen zunächst nicht.
Das genaue Ausmaß der Demonstrationen bleibt unklar. Berichten zufolge haben sie sich bereits in allen 31 Provinzen des Landes ausgebreitet. Da die iranische Führung eine landesweite Internetsperre verhängt hat, dringen jedoch nur noch wenige Aufnahmen nach außen. Regierungsnahe Medien wie der staatliche Rundfunk sind von der Blockade des Internetzugangs nicht betroffen und verbreiten weiterhin ihre Berichte, etwa über den Messengerdienst Telegram.
Kein Kontakt zur Außenwelt
Die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks berichtete am Morgen auf X: "Es ist jetzt 8:00 Uhr (Ortszeit) morgens im #Iran, wo nach einer weiteren Nacht voller Proteste, die mit Repressionen beantwortet wurden, die Sonne aufgeht. Messungen zeigen, dass die landesweite Internet-Sperre seit 36 Stunden andauert und die Möglichkeiten der Iraner, sich über die Sicherheit ihrer Freunde und Angehörigen zu informieren, stark einschränkt."
Ein Nutzer schrieb, er habe seit 48 Stunden keinen Kontakt zu seiner Familie im Iran. Aufgrund der Internetsperre könne er nicht herausfinden, ob es ihnen gut gehe oder nicht. Eine Nutzerin kommentierte: "Eine weitere Nacht voller Proteste, eine weitere Nacht voller Unterdrückung – und die Iraner sind aufgrund der Internetsperre immer noch von ihren Angehörigen abgeschnitten."
Beobachtern zufolge versucht das Regime damit zum einen, die Organisation weiterer Proteste zu erschweren. Zum anderen soll die Veröffentlichung von Berichten, Fotos und Videos über die Unruhen und Repressalien unterdrückt werden.
Bericht von zahlreichen Toten
Einem Arzt aus Teheran zufolge hätten sechs Krankenhäuser der Hauptstadt am Freitag 217 Tote infolge der Demonstrationen gemeldet, nachdem die Polizei das Feuer auf sie eröffnet hatte, wie das "Time"-Magazin berichtet.
Obwohl die Zahlen nicht verifiziert werden können, ist bekannt, dass das Regime mit äußerster Härte gegen die Demonstranten vorgeht. Die Staatsanwaltschaft in Teheran drohte bereits mit der Todesstrafe, und ein Mitglied der Revolutionsgarde erklärte im Staatsfernsehen, dass sich die Demonstranten nicht beschweren sollten, wenn sie von einer Kugel getroffen würden. Vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump damit gedroht, militärisch gegen das Regime vorzugehen, sollte es anfangen, Demonstranten zu töten.
