Politik

Todesstrafe für Homosexuelle Berlin bestellt Botschafterin von Brunei ein

RTS1M4ZF.jpg

Sultan Hassanal Bolkiah will härtere Gesetzte der Scharia durchsetzen.

(Foto: REUTERS)

Der asiatische Kleinstaat Brunei will die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex einführen. Diese Nachricht löst weltweit Proteste aus. Berlin sucht nun das direkte Gespräch über Bruneis Botschafterin. Auch George Clooney meldet sich erneut zu Wort.

Aus Protest gegen die mögliche Todesstrafe gegen Homosexuelle in Brunei hat die Bundesregierung die Botschafterin des südostasiatischen Landes einbestellt. Bei dem Gespräch habe man an das Sultanat appelliert, "bestehende internationale Menschenrechtsverpflichtungen einzuhalten", hieß es aus dem Auswärtigen Amt. "Dabei haben wir unsere Sorge im Zusammenhang mit der Einführung des Scharia-Strafrechts zum Ausdruck gebracht."

In dem Kleinstaat auf der Insel Borneo treten an diesem Mittwoch härtere Gesetze in Kraft. Grundlage dafür ist die Scharia, die im weiten Sinne die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt. Bei gleichgeschlechtlichem Sex droht künftig im schlimmsten Fall die Todesstrafe durch Steinigung. Bislang standen auf Homosexualität in Brunei zehn Jahre Haft.

Hollywood-Star George Clooney legt bei seinem Boykott-Aufruf gegen die Luxus-Hotels des Sultans von Brunei nach. In einem Beitrag für das Online-Portal "Deadline" warnte der US-Schauspieler davor, dass die geplante Einführung von Steinigungen in Brunei für gleichgeschlechtlichen Sex in anderen Ländern Schule machen könnte. "Das Gefährlichste sind Bruneis Nachbarn", schrieb der 57-Jährige. "Wenn Brunei keinen lauten und kräftigen Widerstand bekommt, dann ist alles möglich."

Sultan Hassanal Bolkiah gehören verschiedene Luxushotels rund um die Welt, darunter das "Beverly Hills" und das "Bel Air" in Los Angeles. Clooney hatte vergangene Woche dazu aufgerufen, sie zu boykottieren. Andere Prominente wie Elton John schlossen sich an.

Steinigung nicht zu erwarten

In Brunei sind konservative islamische Kräfte schon seit einigen Jahren auf dem Vormarsch - wie zum Beispiel auch beim großen Nachbarn Indonesien, mit mehr als 200 Millionen Gläubigen das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Dass Schwule oder Lesben tatsächlich demnächst zu Tode gesteinigt werden, ist trotzdem nicht zu erwarten.

Zwar gab es in Brunei auch in jüngerer Zeit Todesurteile, hingerichtet wurde aber seit Jahrzehnten niemand mehr. Seit Einführung der neuen Scharia-Strafgesetze in 2014 wurde auch noch nie jemand öffentlich mit dem Stock gezüchtigt. Bislang hat die Androhung von Strafen eher erzieherischen Charakter. Es gibt im dortigen Rechtssystem auch Wege, sie zu umgehen.

Manche Experten halten es jedoch für möglich, dass demnächst einmal an einem gleichgeschlechtlichen Paar ein Exempel statuiert werden könnte - nicht durch eine Steinigung, aber durch eine öffentliche Züchtigung. Die Bestrafung von Homosexualität ist allerdings auch kein Alleinstellungsmerkmal von muslimischen Ländern. In Brunei - einem ehemaligen britischen Protektorat - war gleichgeschlechtlicher Sex auch schon zu Kolonialzeiten gesetzlich verboten. Wie im britischen Mutterland und vielen anderen europäischen Staaten vor nicht allzu langer Zeit auch noch.

Quelle: n-tv.de, vck/dpa

Mehr zum Thema