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1904: Die 2. Marine-Feldkompanie vor dem Abmarsch in den Kampf gegen die Hereros.
1904: Die 2. Marine-Feldkompanie vor dem Abmarsch in den Kampf gegen die Hereros.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 27. April 2016

Verbrechen zu Kolonialzeiten: Berlin feilt an Entschuldigung für Namibia

Mehr als 30 Jahre lang ist das heutige Namibia eine deutsche Kolonie. Einen Aufstand von Stämmen schlagen Truppen brutal nieder. Es gibt Zehntausende Opfer. Das ist über Hundert Jahre her - doch erst jetzt soll es eine offizielle Entschuldigung geben.

Die Bundesregierung will sich offiziell für die deutschen Kolonialverbrechen im heutigen Namibia entschuldigen. Am Ende der Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit werde es "eine Entschuldigung von der deutschen Seite" für die Ereignisse ab 1904 geben, sagte der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz. Damals war ein Aufstand der Stämme Herero und Nama von den deutschen Kolonialtruppen brutal niedergeschlagen worden - mindestens 60.000 Herero und 10.000 Nama wurden getötet.

Delegationen beider Länder arbeiteten derzeit an einem Text, der von beiden Parlamenten verabschiedet werden solle, sagte Polenz. Er ist der Sonderbeauftragte der Regierung für die Aufarbeitung der gemeinsamen Kolonialvergangenheit.

Zudem äußerte er die Hoffnung, dass die Verhandlungen noch in diesem Jahr beendet werden könnten, damit das Parlament noch in der laufenden Legislaturperiode abstimmen könne. Besprochen würden auch "Projekte einer gemeinsamen Erinnerungskultur", hieß es weiter.

Vernichtung des Stammes angeordnet

Der frühere Botschafter Zedekia Ngavirue hielt sich nun mehrere Tage lang mit einer Delegation in Berlin auf. Dabei standen auch Gespräche mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundestagspräsident Norbert Lammert auf dem Programm.

Ngavirue sprach von einer "langen und schmerzhaften" gemeinsamen Geschichte, die Namibia und Deutschland verbinde. Nun sei es aber gelungen, auf der Basis freundschaftlicher Beziehungen einen Rahmen für einen umfassenden Verhandlungsprozess zur Aufarbeitung abzustecken.

Deutschland zählte das heutige Namibia von 1884 bis 1915 unter dem Namen Deutsch-Südwestafrika zu seinen Kolonien. Als die Herero 1904 einen Aufstand begannen und mehr als hundert Deutsche getötet wurden, ordnete General Lothar von Trotha die Vernichtung des Stammes an. Bundespräsident Lammert bezeichnete die Verbrechen im Juli 2015 als "Völkermord".

Quelle: n-tv.de

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