Politik

Gedenkstättenchef entlassen Berlin und Bund wehren sich im Fall Knabe

8a1de7cb6b1bb3c9ea81f906bab87ead.jpg

Knabe genoss für seine Arbeit in der Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen weithin Anerkennung.

(Foto: imago/IPON)

Der Leiter der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte, Knabe, wird entlassen. Weil er als Kritiker der Linken galt, wittern frühere Bürgerrechtler, CDU-Politiker und die AfD ein Komplott des Linke-Senators Lederer. Der wehrt sich - mit Unterstützung aus der CDU.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Berlins Kultursenator Klaus Lederer haben den Vorwurf zurückgewiesen, der entlassene Chef der Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, sei einer Intrige zum Opfer gefallen. "Alle Mutmaßungen, hinter der Kündigung des Direktors stünden parteipolitische oder ideologische Erwägungen, entbehren jeder Grundlage", heißt es in einem Informationspapier der Berliner CDU-Landesvorsitzenden Grütters an die Bundestagsabgeordneten. Ähnlich äußerte sich einem Bericht des "Tagesspiegels" zufolge der Linke-Politiker Lederer in einem sechsseitigen Schreiben an den Stiftungsbeirat der Gedenkstätte.

Knabe war vorgeworfen worden, die Klagen von Frauen über sexuelle Belästigung durch seinen Stellvertreter nicht ernst genug genommen zu haben. Der Stiftungsrat hatte den Direktor deshalb einstimmig von seinen Aufgaben entbunden. Der Stellvertreter wurde ebenfalls entlassen.

Grütters betont fehlendes Vertrauen

Vier Vertreterinnen des Stiftungsbeirats äußerten daraufhin den Verdacht, es handele sich um eine Strafaktion für Knabes "politische Unangepasstheit". Sie forderten in einem offenen Brief, den Schritt rückgängig zu machen. Der Berliner AfD-Fraktionschef Georg Pazderski verglich den Vorgang mit "kommunistischen Säuberungen in der DDR". Knabe hatte in der Vergangenheit immer wieder auch die Linke angegriffen, die aus der PDS als Nachfolgerin der DDR-Staatspartei SED hervorgegangen war.

Grütters betont dagegen in ihrer Information an die Abgeordneten, entscheidend sei das verloren gegangene Vertrauen in Knabes Führungskraft gewesen. "Der Stiftungsrat hat einmütig den Eindruck gewonnen, dass Herr Dr. Knabe über Jahre Missstände in seinem Haus geduldet und durch seinen Führungsstil und eigenes Verhalten sogar befördert hat."

Auch bei ostdeutschen CDU-Abgeordneten hatte Knabes Entlassung Unmut ausgelöst. Sie hatten vergangene Woche in einem Brief an Grütters nachdrücklich Aufklärung gefordert. Der Brief sei von ihr gründlich beantwortet worden, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa

Mehr zum Thema