Politik

Nach Verstoß gegen Auflagen Berliner Corona-Demo endet chaotisch

41417f8b5b1ae9048818a6a5a7366a96.jpg

Am Rande der Demo ging die Polizei gegen Teilnehmer vor.

(Foto: dpa)

Zu unübersichtlichen Szenen kommt es bei einem geplanten Corona-Protestmarsch in Berlin. Weil Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden, setzt die Polizei die Protestler fest. Einzelne Gruppen können sich dennoch in Bewegung setzen. Gegen andere geht die Polizei mit körperlichem Einsatz vor.

Aus Protest gegen die staatlichen Corona-Beschränkungen sind in der Hauptstadt erneut Demonstranten auf die Straße gegangen. Die Polizei sprach von rund 2000 Menschen, die sich auf dem Alexanderplatz in Berlin-Mitte versammelten. Die Situation war dort zeitweise unübersichtlich, weil Menschen aus der Menge ausbrachen. Die Polizei sprach von einer "dynamischen Lage". "Es wurde weitgehend weder der Mindestabstand noch die Pflicht zur Mund-Nase-Bedeckung eingehalten", twitterte die Polizei. Dies waren jedoch Auflagen gewesen.

429de53a26fbd05b8002d5870ec83495.jpg

Polizisten tragen einen Mann weg: Die Polizei sprach von einer "dynamischen Lage".

(Foto: dpa)

Ein Anlass für die Proteste war unter anderem die Gesundheitskonferenz "World Health Summit", die ursprünglich im Veranstaltungszentrum Kosmos geplant war. Wegen steigender Infektionszahlen findet die Veranstaltung, an der auch Vertreter des Robert-Koch-Instituts teilnehmen, online statt. Dennoch zogen Demonstranten am Nachmittag vor das Gebäude. Zu Festnahmen und möglicherweise Verletzten machte die Pressestelle der Polizei bislang keine Angaben. Sie verwies auf eine Bilanz am Montag.

Zunächst sollte am Abend am Großen Stern nahe der Siegessäule eine weitere Demonstration der Gruppe "Querdenken" gegen die Corona-Politik stattfinden. Diese war laut einer Polizeisprecherin jedoch kurzfristig abgesagt worden. Die Veranstaltung auf der Karl-Marx-Allee vor dem Veranstaltungshaus Kosmos wurde vom Anmelder am Nachmittag vorzeitig beendet. Polizisten kamen auf die Bühne. Die Teilnehmer sollten den Ort rasch verlassen, andernfalls wollte die Polizei mit Anzeigen reagieren. Die Initiative "Querdenken" hatte zu Protesten in Berlin gegen die Gesundheitskonferenz aufgerufen. Angaben der Veranstalter zur Zahl der Demonstranten liegen bislang nicht vor.

Polizei: Keine Abstände, keine Masken

Die Polizei war nach eigenen Angaben mit rund 600 Kräften im Einsatz. Auf dem Alexanderplatz und auf der Karl-Marx-Allee riefen Demonstranten unter anderem "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit raubt" und "Wir sind das Volk". Sie trugen teils rosafarbene Luftballons in Herzform und Protest-Transparente. Andere waren mit Trommeln und Trillerpfeifen unterwegs. Unter den Demonstrierenden waren auch Familien mit Kindern und ältere Menschen.

10b8ce0f2e442f4b15a286f2489530a7.jpg

"Wir sind das Volk" - Laut Polizei kamen etwa 2000 Demonstranten zu dem Corona-Protest.

(Foto: dpa)

Zum Auftakt der Proteste kam es zu unübersichtlichen Situationen. In Durchsagen der Polizei hieß es, die Demonstration könne nicht starten, weil sich Teilnehmende nicht an behördliche Anordnungen hielten. Die Teilnehmenden seien trotz mehrfacher Aufforderung nicht bereit, Abstände einzuhalten und eine Maske anzulegen. Demonstranten brachen daraufhin auf dem Platz aus der Menge aus. Sie liefen abseits des Alexanderplatzes ohne Polizeibegleitung umher.

Es war zu beobachten, dass Polizisten gegen Teilnehmer auch vorgingen - etwa sie am Boden fixierten oder wegtrugen. Schließlich zogen Hunderte Gegner der Corona-Maßnahmen gruppenweise durch die Stadt, ohne dass die Polizei es habe verhindern können, sagte eine Sprecherin.

Demonstranten versammelten sich schließlich am Veranstaltungshaus Kosmos in Berlin-Friedrichshain. Das Gebäude war mit Gittern abgesperrt, auch auf dem Dach waren Polizisten zu sehen. In der Nähe gab es auch eine Gegendemonstration: Teilnehmende, die meist schwarz gekleidet waren, riefen "Nazis raus".

Quelle: ntv.de, kst/dpa/AFP