Politik
Polizisten vor der inzwischen geschlossenen Fussilet-Moschee
Polizisten vor der inzwischen geschlossenen Fussilet-Moschee(Foto: picture alliance / Gregor Fische)
Freitag, 09. November 2018

Attentat auf Breitscheidplatz: Berliner Polizei droht V-Mann-Skandal

In der bald zwei Jahre währenden Aufarbeitung des Anschlags auf einen Weihnachtsmarkt gibt es neue Ungereimtheiten. Anders als bislang behauptet könnten Berliner Ermittler doch eine Vertrauensperson im Umfeld des Attentäters Amri geführt haben.

Auch das Berliner Landeskriminalamt (LKA) hat einem Medienbericht zufolge in der Fussilet-Moschee, die der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz besucht hat, einen Informanten gehabt. Nach Informationen von RBB, "Berliner Morgenpost" und dem Politikmagazin "Kontraste" führte eine Anti-Terror-Dienststelle des LKA die V-Person in der mittlerweile geschlossenen Moschee.

Deren Existenz ergebe sich aus einem Schreiben der Polizei an die Innenverwaltung vom 9. Januar 2017, so die Medien. Ob und inwieweit diese Person Kontakt zu dem Attentäter Anis Amri hatte, ist unklar.

Ein Sprecher der Berliner Innenverwaltung wollte sich nach dem Bericht "zu möglichen Vertrauenspersonen" nicht äußern. Auch die Berliner Polizei erteilte demnach dazu keine Auskunft. Bekannt ist, dass V-Leute des LKAs Nordrhein-Westfalen, des Bundeskriminalamts und des Bundesamts für Verfassungsschutz in der Moschee verkehrten.

Auch BfV soll V-Mann geführt haben

Am Freitag werden im Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses der damalige Polizeipräsident Klaus Kandt und der noch amtierende LKA-Leiter Christian Steiof vernommen. Die Grünen-Fraktion kündigte dem Bericht zufolge an, diese auch zu der bisher unbekannten V-Person zu befragen. Bislang sei der Untersuchungsausschuss nicht über die Existenz der V-Person des LKA informiert worden.

Der islamistische Attentäter Amri war im Dezember 2016 mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gerast, hatte zwölf Menschen getötet und Dutzende verletzt. Es war der bislang schwerste islamistische Anschlag in Deutschland. Er wurde später auf der Flucht in Italien von der Polizei erschossen.

Erst Ende August war bekannt geworden, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz versucht haben soll, einen V-Mann im Umfeld von Amri zu verheimlichen. Der geschasste Amtspräsident Maaßen habe ein Treffen mit Berlins SPD-Innensenator Andreas Geisel im März 2017 dazu nutzen wollen, Landespolitiker von der Notwendigkeit zur Geheimhaltung des V-Manns zu überzeugen, hieß es in einem Medienbericht.

Quelle: n-tv.de