Intrigen, Affären, SkandaleBill Clinton - das Stehaufmännchen der US-Politik wird 80

Bill Clinton hat etliche Niederlagen, Affären und Skandale überstanden. In den 90er Jahren prägt er als Präsident die USA. Doch auch 25 Jahre nach seinem Abschied aus dem Weißen Haus sorgt der Demokrat für Diskussionen. Nun feiert er seinen 80. Geburtstag.
"Ich bin immer noch jünger als Donald Trump": Mit dieser Feststellung hat Bill Clinton bereits vor zwei Jahren für Lacher gesorgt. Heute feiert der frühere Präsident seinen 80. Geburtstag, gut zwei Monate nach Trump. Das Weiße Haus hat der Demokrat zwar schon vor einem Vierteljahrhundert verlassen, Clinton macht aber immer noch Schlagzeilen.
"Bill Clinton hat die Sozialhilfe beendet und den Weg für Maga bereitet", titelte Ende Juli die "Washington Post". Sie erinnerte daran, dass Clinton vor 30 Jahren ein Wohlfahrtsprogramm aus dem "New Deal" der 1930er-Jahre abschaffte. Damit habe der Demokrat Trumps Sozialhilfekürzungen vorweggenommen, befand das Blatt.
Auch die Affäre um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein holte Clinton wieder ein. Fotos aus den kürzlich veröffentlichten Epstein-Akten zeigen ihn unter anderem in einem Pool neben Epstein-Komplizin Ghislaine Maxwell, die ihrem Freund jahrelang Minderjährige zugeführt hatte. Clinton musste deshalb zusammen mit seiner Frau Hillary eine Kongressanhörung über sich ergehen lassen. Er gab an, für seine politische Stiftung in Epsteins Privatflugzeug gereist zu sein, bestritt allerdings, von dessen Verbrechen gewusst zu haben.
Clintons politisches Leben ist begleitet von Gerüchten, Scharmützeln, Anwürfen, Intrigen und Skandalen. Er stolperte und stand wieder auf. Er gab sich selbst mal den Spitznamen "Comeback-Kid" - also jemand, der sich immer wieder zurückkämpft. Seine Frau Hillary wandte sich während seiner gesamten Laufbahn nie von ihm ab. Mehr noch: Die Clintons gelten als Power-Paar der Demokraten. Die "Washington Post" schrieb vor Monaten, dass das Ehepaar Clinton jahrzehntelange kritische Beobachtung und zahlreiche Verschwörungstheorien überstanden habe. "Oft sind es ihre Gegner, die am Ende den Kürzeren ziehen."
Deutlicher Sieg gegen George H.W. Bush
Geboren wurde William Jefferson Clinton am 19. August 1946 in der Kleinstadt Hope im Bundesstaat Arkansas. Seinen Vater sollte er nie kennenlernen, er starb nach einem Verkehrsunfall vor der Geburt seines Sohnes. Er wuchs er bei seiner Mutter und dem Stiefvater auf. Obwohl dieser Alkoholiker war, nahm Clinton seinen Nachnamen an. Bill Clinton spielte Saxofon in der Schulband, studierte Jura und lernte an der Eliteuniversität Yale Hillary Rodham kennen, beide brannten für Politik. Das Paar heiratete 1975.
Sein Charisma und sein Redetalent führten Bill Clinton in die Politik: Mit 32 Jahren wurde er der bis dato jüngste Gouverneur des südlichen Bundesstaates Arkansas, das Amt hatte er mehr als zehn Jahre inne. Nach seinem deutlichen Sieg gegen George H.W. Bush bei der Präsidentschaftswahl 1992 zog er mit nur 46 Jahren ins Weiße Haus ein. Zu den Erfolgen seiner beiden Amtszeiten von 1993 bis 2001 zählen Historiker ein starkes Wirtschafts- und Jobwachstum sowie das Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko (Nafta). Der Demokrat schaffte es, ein Riesenhaushaltsdefizit in einen Haushaltsüberschuss zu verwandeln. Kritiker werfen ihm einen Abbau der Sozialhilfe vor.
Lewinsky-Affäre führt zu Amtsenthebungsverfahren
Das wiedervereinte Deutschland bereiste Clinton als Präsident fünf Mal. Zu Bundeskanzler Helmut Kohl unterhielt der Südstaatler trotz des Altersunterschieds von gut 16 Jahren ein sehr enges Verhältnis. Bei der Trauerfeier für Kohl 2017 würdigte Clinton diesen als den "bedeutendsten europäischen Staatsmann seit dem Zweiten Weltkrieg". Er bekannte sogar emotional, er habe Kohl "geliebt".
Seine Liebe zu Frauen machte Clinton dagegen Probleme: Wiederholt geriet er wegen Affären und Vorwürfen sexueller Belästigung unter Druck. Beinahe das Amt kostete ihn die Affäre mit der Praktikantin Monica Lewinsky. Clintons Lüge, er habe "keine sexuelle Beziehung" zu der 27 jüngeren Frau gehabt, gipfelte 1998 in einem Amtsenthebungsverfahren des Repräsentantenhauses, der Senat sprach ihn jedoch frei. Sein Biograf Joe Klein sprach später von einem "Clinton-Dilemma": "Solide Politik und brillantes politisches Geschick wurden von seinem anstößigen Verhalten überschattet."
Trotz aller Skandale und Gerüchte hatte Clinton zum Ende seiner Präsidentschaft hohe Zustimmungswerte in der Bevölkerung. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt musste er sich 2004 am Herzen operieren lassen, vier Bypässe wurden gelegt. Dafür startete seine Frau Hillary durch. Sie arbeitete im US-Senat, wurde Außenministerin unter Barack Obama und peilte selbst das Weiße Haus an. Als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten unterlag sie jedoch 2016 gegen Trump.
Nach der verlorenen Wahl zogen sich die Clintons weitgehend ins Privatleben zurück und widmeten sich ihrer Tochter Chelsea und den drei Enkelkindern. Unter dem Titel "Citizen: Mein Leben nach dem Weißen Haus" erschienen nach Trumps erneutem Sieg bei den Präsidentschaftswahlen 2024 Bill Clintons Memoiren auf Deutsch. Darin kritisierte er Trump als Autokraten, sprach aber vor allem von seinem eigenen gesellschaftlichen Engagement.
Eine enge Freundschaft verbindet Bill Clinton mit einem anderen Republikaner: Altpräsident George W. Bush. Diesem gratulierte der Demokrat bereits am 6. Juli zum 80. Geburtstag. Die Freundschaft über Parteigrenzen hinweg sei ihm besonders wichtig, erklärte Clinton in einem Seitenhieb gegen Trump. "Unser Land ist stärker, wenn wir uns an das erinnern, was uns eint. Denn es ist größer als das, was uns trennt."
