Politik

Keine Revolution ohne Rom Bischöfe auf dem steinigen Weg zur Reform

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Kardinal Marx macht sich keine Illusionen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Veränderung in der katholischen Kirche ist ein zäher Prozess. Trotzdem versuchen die Deutschen eine kleine Revolution: vom Zölibat bis zur Priesterweihe für Frauen. Nicht alle Brüder sind begeistert. Und auch Kardinal Marx glaubt nicht an einen Sonderweg ohne Rom.

Welche Rollen dürfen Frauen in der katholischen Kirche übernehmen und was passiert mit dem Zölibat? Das sind zwei der großen Fragen, mit denen sich die deutschen Bischöfe bei ihrer Herbstvollversammlung beschäftigt haben - angestoßen wurden die Reformwünsche von dem Skandal um sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche.

Auf dem langen und nicht unumstrittenen Weg, die Glaubensgemeinschaft in Deutschland zu reformieren, sind die Bischöfe auf ihrer Konferenz jetzt einen Schritt vorangekommen. Mit großer Mehrheit beschlossen sie in Fulda einen Satzungsentwurf. Damit sollen Vorbereitungen für den Anfang Dezember startenden Reformprozess - den "synodalen Weg" - getroffen werden. Der DBK-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, sprach zum Abschluss der Versammlung von einem "guten Ergebnis".

Zudem habe er sich der Rückendeckung seiner Mitbrüder versichert, den Weg gemeinsam zu bestreiten: "Alle Bischöfe haben gesagt: Ja, wir gehen mit", betonte Marx. Ihm sei aber nicht entgangen, dass es unterschiedliche Positionen in der Bischofskonferenz und Kritik vereinzelter Oberhirten gebe. Für Misstöne sorgte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Er erklärte, nur unter Vorbehalt mitmachen zu wollen. Auch beim Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki trifft das Vorgehen auf wenig Gegenliebe.

Nach dem Beschluss in Fulda muss der Regelwerk-Entwurf nun mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) abgestimmt und beschlossen werden. Die Laien-Organisation ist der Partner der Bischofskonferenz. "Der 'synodale Weg' ist aus meiner Sicht jedenfalls eine große Chance - ich hoffe, wir können sie nutzen", sagte die ZdK-Vizepräsidentin Claudia Lücking-Michel.

Ein Flickenteppich von Regelungen

Beim Reformprozess geht es um vier große Themen: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. Bis es allerdings zu Veränderungen in der katholischen Kirche kommen kann, wird es ein Hürdenlauf. Der Satzungsentwurf sieht vor: Beschlüsse werden erst angenommen, wenn sie nicht nur bei allen Teilnehmern, sondern auch explizit bei den Bischöfen eine Zwei-Drittel-Mehrheit erreichen. Und dann muss erst noch jede einzelne (Erz-)Diözese in Deutschland entscheiden, wie sie mit der neuen Errungenschaft umgeht. So wird der Flickenteppich von Regelungen in den Bistümern noch ein gutes Stück erweitert werden.

Marx erteilte allen Hoffnungen eine Absage, wonach es revolutionäre Umwälzungen geben könnte. Bei allen notwendigen Reform- und Veränderungsfragen müsse man "einen nüchternen Blick" wahren: "Es wird keinen deutschen Sonderweg ohne Rom bei weltkirchlich relevanten Fragen geben. Aber wir sind bereit, Diskussionsbeiträge für die Weltkirche zu liefern." Das heißt: Die Priesterweihe für Frauen - wie von einigen Organisationen gefordert - bleibt in weiter Ferne.

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) will die Hoffnung auf eine echte Erneuerung der Kirche dennoch nicht aufgeben. "Wir müssen weg von den verkrusteten Machtstrukturen, weg vom Ausschluss von Frauen und weg von der alten Sexualmoral", forderte Mechthild Heil, Vorsitzende des größten katholischen Frauenverbands in Deutschland. "Wir erwarten, dass es wie von Kardinal Marx angekündigt keinerlei Sprech- und Denkverbote geben wird."

Den Brief von Papst Franziskus zu den deutschen Reformplänen bezeichnete Marx als "Ermutigung und Orientierung" in der aufgeheizten Debatte. Darin kritisierte das Oberhaupt der Katholischen Kirche die Reformvorhaben der Glaubensbrüder in Deutschland ungewöhnlich scharf und sprach den deutschen Bischöfen die alleinige Entscheidungsgewalt über wichtige Themen ab. Dass ernsthaft in Erwägung gezogen worden sei, die deutsche Kirche könne sich gegen Rom stellen, sei "abenteuerlich", sagte Marx.

Entschädigungen je nach Schwere des Leids

Großes Thema bei der Konferenz in Fulda waren auch die finanziellen Entschädigungen für Missbrauchsopfer. Ihnen wird deutlich mehr Geld in Aussicht gestellt. Bisher gab es im Durchschnitt 5000 Euro. Nun könnten es entweder 300.000 Euro pauschal werden oder gestaffelt - je nach Schwere des Leids - zwischen 40.000 und 400.000 Euro. Aber Marx betonte: "Die Vollversammlung hat sich auf keinerlei finanzielle Summe festgelegt." Viele Fragen zum weiteren Verfahren stellten "eine große Herausforderung" dar.

Die Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch" bezeichnete die Bereitschaft bereits als "wichtige Wegmarke", wie Sprecher Matthias Katsch sagte. Die Reformgruppe "Wir sind Kirche" begrüßte den Fortschritt beim Reformvorhaben. Allerdings kritisierte sie mit Blick auf den Missbrauchsskandal: "Was immer noch fehlt, ist, dass sich bisher noch kein Bischof zur Vertuschung bekannt hat." Die katholische Kirche hatte vor einem Jahr eine Studie zu sexuellem Missbrauch vorgestellt. Demnach sollen zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben.

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa