Politik

Von Schottland ins Unterhaus Black ist jüngste Abgeordnete seit 1667

328D500029C18E55.jpg8748253571176692981.jpg

Mhairi Black von den schottischen Nationalisten und der unterlegene Labour-Politiker Douglas Alexander.

(Foto: AP)

Es ist ein Triumph für Mhairi Black: Bei der britischen Unterhauswahl besiegt sie ausgerechnet den Wahlkampfmanager von Labour. Nun zieht sie ins Parlament ein - als jüngste Abgeordnete seit 350 Jahren.

Die schottische Nationalistin Mhairi Black ist bei der Wahl in Großbritannien zum jüngsten Mitglied des Unterhauses seit Jahrhunderten gewählt worden. Die 20-jährige Politikstudentin bezwang bei der Unterhauswahl im Wahlkreis Paisley and Renfrewshire South den Labour-Wahlkampfmanager Douglas Alexander. Sie wird damit das jüngste Mitglied des britischen Unterhauses seit 1667. Mit 23.548 zu 17.864 Stimmen fiel Blacks Wahlsieg über den 47-jährigen Labour-Politiker deutlich aus.

Durch ihre Wahl werde ihrem Wahlkreis und "ganz Schottland" in Westminister mehr Gehör verschafft als je zuvor, sagte Black nach Bekanntgabe ihres Siegs vor jubelnden Anhängern. "Ich denke, die Leute haben wirklich erkannt, dass dieses Westminster-Establishment ihnen nicht gedient hat."

"Ich verspreche, diese Stimme nicht nur für Verbesserungen in Schottland, sondern auch für fortschrittliche Politik zum Wohle der Menschen in ganz Großbritannien zu nutzen", sagte Black, die sich auch bei ihren Eltern und ihren Freunden bedankte. Die Sparpolitik der Regierung, die die Menschen im ganzen Land treffe, müsse beendet werden.

Sie selbst habe nicht kandidiert, um Karriere zu machen, versichert die junge Frau mit dem blonden Haar und dem offenen Lächeln. "Ich verabscheue diese Idee. Ich will nur helfen", sagte sie der Zeitung "The Times". Ihren Kritikern, die ihre mangelnde Erfahrung vorwerfen, entgegnet sie, dass sie immerhin alt genug sei, um Steuern zu zahlen und in den Krieg zu ziehen.

Gegen "Karrierepolitiker"

Vor der Abstimmung hatte die forsche Studentin den Außenpolitik-Experten Alexander einen "Karrierepolitiker" geschimpft - einen, der sich nie in seinem Wahlkreis nahe Glasgow habe sehen lassen. Darüber hätten die Menschen bei ihr im Wahlkampf geklagt. Sie selbst demonstrierte Heimatverbundenheit - auch über ihre Begeisterung für den Glasgower Fußballverein Partick Thistle.

Die Studentin der Glasgower Universität wuchs in einer Familie von Labour-Anhängern auf. Doch die Partei hat sich ihrer Meinung nach mittlerweile zu sehr von ihren linken Wurzeln und den Menschen entfernt. Dass es in ihrem Wahlkreis zahlreiche Probleme gibt, weiß Black eindringlich zu berichten. Seit Jahrzehnten befinde sich ihre Heimatstadt im Abstieg, erzählt die Studentin. Einer von fünf Einwohnern lebe mittlerweile unterhalb der Armutsgrenze, eine von drei Familien sei gezwungen, ihre Lebensmittel von Wohlfahrtsorganisationen zu beziehen.

Neuer Anlauf zur Unabhängigkeit?

Blacks Sieg ist symptomatisch für den Siegeszug der Schottischen Nationalpartei (SNP) und den Niedergang von Labour in Schottland bei diesem Urnengang. Die SNP, die nur in Schottland angetreten war, gewann dort laut BBC 56 der 59 zu vergebenen Sitze. Bislang hatte sie nur sechs Abgeordnete im britischen Unterhaus gestellt.

Ein derart starkes SNP-Ergebnis schürt in anderen Teilen Großbritanniens die Befürchtung, dass es in Schottland schon bald einen neuen Anlauf für ein Unabhängigkeitsreferendum geben könnte.

Die Labour-Partei von Oppositionsführer Ed Miliband schnitt bei der Wahl laut Prognosen deutlich schlechter ab als vor der Wahl vorhergesagt. Die Partei kam demnach auf 233 Sitze und unterlag damit deutlich den Tories von Premierminister David Cameron. Sie kamen auf 329 Sitze.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP

Mehr zum Thema