Politik

Hakkani stirbt bei IS-Anschlag Bombe in Beinprothese tötet führenden Taliban-Geistlichen

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Taliban patrouillieren nach einem Anschlag in Kabul.

(Foto: IMAGO/Xinhua)

In Afghanistan ist der einflussreiche Geistliche Rahimullah Hakkani der militant-islamistischen Taliban bei einem IS-Selbstmordanschlag getötet worden. Nach Angaben der Taliban, die von einem "feigen Angriff von Feinden" sprechen, soll ein Mann in seiner Beinprothese Sprengstoff versteckt haben.

Bei einem Selbstmordanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist einer der führenden Geistlichen der radikal-islamischen Taliban, Scheich Rahimullah Hakkani, ums Leben gekommen. Abdul Rahman, der Chef des Geheimdienstes im Bezirk Kabul, bestätigte den Tod des Geistlichen, der nicht zu verwechseln ist mit dem Taliban-Führer Anas Hakkani.

"Wir sind sehr traurig darüber, dass der geachtete Geistliche (Scheich Rahimullah Hakkani) bei einem feigen Angriff von Feinden ums Leben gekommen ist", sagte Bilal Karimi, ein Sprecher der Taliban-Regierung. Bei dem Attentat wurden dem Polizeisprecher zufolge vier weitere Menschen verletzt. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich Stunden nach dem Angriff im Online-Dienst Telegram zu dem Attentat. Hakkani war bekannt für Brandreden gegen den IS. Die Miliz hatte sich seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 zu mehreren Anschlägen in Afghanistan bekannt.

Aus Kreisen der Taliban erfuhr Reuters, dass der Angriff in einem Religionsseminar stattgefunden habe. Ein beinamputierter Mann habe in seiner Prothese Sprengstoff versteckt und ihn dann gezündet. Die Taliban erklärten, das Attentat werde untersucht. "Wir untersuchen, wer diese [...] Person war und wer sie an diesen wichtigen Ort gebracht hat, um das persönliche Büro von Scheich Rahimullah Hakkani zu betreten. Das ist ein sehr großer Verlust für das islamische Emirat Afghanistan", sagte ein hochrangiger Taliban-Beamter des Innenministeriums und bezog sich dabei auf die Bezeichnung der Taliban für ihre Verwaltung.

Hakkani war ein prominenter Geistlicher der Taliban, wenngleich ohne offizielles Amt, der frühere Anschläge überlebt hatte. Darunter eine große Explosion in der nordpakistanischen Stadt Peshawar im Jahr 2020, zu der sich der Islamische Staat bekannte und bei der mindestens sieben Menschen getötet wurden. In den vergangenen Monaten hatte Hakkani sich für das Recht von Mädchen auf Schulunterricht ausgesprochen. Im islamischen Recht gebe es "keine Rechtfertigung dafür, die Erziehung von Mädchen und Frauen als illegal zu bezeichnen", sagte Hakkani im Mai dem britischen Rundfunksender BBC.

Vor einem Jahr haben die Taliban nach dem überstürzten Abzug der internationalen Truppen die Herrschaft in Afghanistan wieder übernommen. Seither ist es immer wieder zu Anschlägen mit zahlreichen Opfern gekommen. Mehrfach bekannte sich die radikal-islamische IS-Miliz dazu. Experten befürchten seit längerem, dass es wegen der Rivalität zwischen Taliban und anderen Extremistengruppen zu weiterer Gewalt kommen könnte.

Quelle: ntv.de, dbe/rts

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