Politik

Mertens bei Lanz Booster-Impfungen für alle kommen in Kürze

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STIKO-Chef Mertens räumte bei Lanz ein, man hätte im Sommer lauter warnen müssen.

(Foto: imago images/IPON)

Die Diskussion um eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen nimmt an Fahrt auf. Mit Alexander Graf Lambsdorff befürwortet nun auch ein FDP-Politiker bei Markus Lanz eine Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeheimen. Außerdem kündigt STIKO-Chef Mertens eine neue Empfehlung für Auffrischungsimpfungen an.

Die Corona-Lage in Deutschland wird immer dramatischer - und das liegt vor allem an jenen, die ohne immunisierende Spritze durch die Pandemie kommen wollen. So liegt zum Beispiel in Sachsen die Inzidenz bei Ungeimpften aktuell bei etwa 1.800, bei Geimpften bei etwas über 60. Es sei nicht gelungen, eine ausreichende Impfquote zu erreichen, sagt der Chef der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, bei Markus Lanz im ZDF. Nach neuesten Erkenntnissen wäre eine Quote von 90 Prozent nötig, um Herdenimmunität zu erreichen. "Je höher, desto besser", so der Wissenschaftler. Aktuell liegt die Impfquote in Deutschland ungefähr bei 70 Prozent.

In diesem Zusammenhang nimmt die Diskussion um eine Impfpflicht weiter an Fahrt auf. In mehreren Umfragen hatte sich eine Mehrheit der Bundesbürger zuletzt dafür ausgesprochen. Die Politiker der geschäftsführenden und der möglichen neuen Bundesregierung sind sich uneinig. Im Moment wird über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen diskutiert.

Bei Markus Lanz hat sich nun Alexander Graf Lambsdorff als erster Politiker der FDP zu diesem Thema geäußert - und sich für eine Impfpflicht von Beschäftigten in der Altenpflege ausgesprochen. "Wir müssen über eine einrichtungsbezogene Impfpflicht diskutieren", sagte Lambsdorff. Er selber sei dafür offen, sagte er - und meinte die Impfpflicht, nicht die Diskussion. "Die Impfpflicht bedeutet in Alten- und Pflegeheimen keine unzumutbare Verschärfung der Arbeitsschutz- und Hygienevorschriften", so der FDP-Außenpolitiker. Allerdings sei im Moment eine Testpflicht für Beschäftigte und Besucher von Pflegeheimen wichtiger.

STIKO-Chef: "Hätten lauter auf Gefahren hinweisen müssen"

Daran, dass es zu der aktuellen dramatischen Situation im Gesundheitswesen gekommen ist, war die STIKO möglicherweise nicht ganz unschuldig. Wissenschaftler wie Christian Drosten hätten bereits im Januar vor der aktuellen Situation gewarnt, räumte STIKO-Chef Mertens ein. Die STIKO selber habe im Juli die ersten Warnungen geäußert. Aber: "Aus der Sicht von heute hätte man das damals lauter sagen müssen", so Mertens. Er habe ein paarmal mit Gesundheitsminister Jens Spahn telefoniert, so zwischen fünf und zehn Mal. Dass die Corona-Lage dramatisch werden würde, habe er Spahn damals so nicht gesagt. Der hätte die Daten selber kennen müssen. "Spahn hat auf mich immer den Eindruck gemacht, dass er sehr bemüht darum war, sich über die Fakten zu informieren", sagte der Wissenschaftler.

Bald neue Empfehlung zu Boosterimpfungen

Und wo Mertens schon mal selbstkritisch war, räumte er auch gleich ein Kommunikationsproblem zwischen der STIKO und der Gesundheitsministerkonferenz ein. Letztere hatte Boosterimpfungen für all jene empfohlen, deren Impfungen ein halbes Jahr oder länger zurückliege. Die STIKO empfahl Impfungen für Menschen über 70 Jahren, Menschen in Pflegeheimen und für pflegerisches und medizinisches Personal. Gemeint gewesen sei das Gleiche, so Mertens.

Diese Aussage wird aber ohnehin bald hinfällig sein. Denn Mertens versprach: In den nächsten Tagen solle eine neue Boosterempfehlung von der STIKO kommen. Danach sollten sich dann alle Bundesbürger ab 18 Jahren um eine dritte Impfung bemühen.

Quelle: ntv.de

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