Politik

Umfrage in gespaltenem Land Brexit hat Briten "wütender" gemacht

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Brexit-Gegner und -Befürworter stehen sich bei einer Demo vor dem britischen Parlament in Westminster gegenüber.

(Foto: REUTERS)

Seit anderthalb Jahren streiten die Briten darüber, ob und wie ihr Land aus der EU austreten soll. Das hat Spuren hinterlassen - nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich. Eine Umfrage zeigt nun, wie sehr sich das Klima nach dem Referendum verändert hat.

Einen Tag vorm zweiten Parlamentsvotum zum Brexit-Deal von Theresa May zeichnet eine neue Umfrage unter britischen Wählern das Bild eines tief gespaltenen Landes: Ein Großteil der Briten (69 Prozent) glaubt demnach, ihre Landsleute seien seit dem EU-Referendum im Jahr 2016 "wütender auf Politik und Gesellschaft" geworden. Vier von zehn Befragten halten es heute für wahrscheinlicher als zuvor, dass sich die vielen Unzufriedenen an gewalttätigen Protesten beteiligen könnten. Mehr als zwei Drittel der Briten (65 Prozent) sehen das eigene Land auf dem falschen Weg - darunter Unterstützer aus beiden Lagern. Vor allem das Vertrauen in politische Entscheidungsträger habe enormen Schaden genommen.

Unabhängig davon, ob sie für oder gegen einen EU-Austritt Großbritanniens gestimmt hätten, fühlten sich die meisten Briten laut dem "Edelman Trust Barometer" von der Politik nicht mehr gehört. Selbst unter den "Leave"-Wählern seien 43 Prozent unglücklich mit der Richtung, die das Land nach dem Referendum eingeschlagen habe. Von den sogenannten Remainern sagen 82 Prozent dasselbe. Auch an der Art und Weise, wie die britische Regierung den EU-Austritt bisher mit Brüssel verhandelt hat, kann die Mehrheit der Befragten nicht viel Positives finden. Nur einer von fünf Befragten attestiert Premierministerin May, diesbezüglich einen guten Job gemacht zu haben.

Vor allem die wirtschaftliche Unsicherheit, die ein Brexit - wie auch immer er nun aussehen mag - mit sich bringen könnte, bereitet vielen Briten Sorge. Auf die Frage, was sie als größte künftige Herausforderung für britische Firmen ansehen, nannten sechs von zehn Befragten den Brexit. Ökonomen warnen seit Monaten insbesondere vor den Risiken eines ungeregelten Austritts, der sowohl die britische als auch die europäische Wirtschaft belasten könnte. Einen neuen Anlauf, um das zu verhindern, startet May an diesem Dienstag. Dann soll das Parlament über ihren "Plan B" abstimmen. Den ursprünglichen Deal mit der EU hatten die Parlamentarier vergangene Woche mit großer Mehrheit abgelehnt.  

Brexit kennt bisher keinen Sieger

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Labour-Chef Jeremy Corbyn genießt das Vertrauen von lediglich 26 Prozent der Briten.

(Foto: REUTERS)

Profitieren kann von dem Dauerstreit bisher weder die konservative Regierungspartei noch die Opposition. Während sich 66 Prozent der Labour-Anhänger in ihren politischen Ansichten kaum noch vertreten fühlen, sind immerhin 43 Prozent der Befragten mit einer Nähe zu den Tories der gleichen Meinung. Entsprechend negativ fällt auch die Bewertung der beiden Parteichefs aus. Lediglich 35 Prozent der Briten trauen laut Umfrage Premierministerin May zu, das Richtige zu tun. Noch geringer ist das Vertrauen in den Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn. Nur jeder vierte Befragte glaubt, dass er den Brexit richtig anpacken würde.

Das Vertrauen der Briten - nicht nur in die Regierung, sondern in alle Institutionen - ist den Machern der Umfrage zufolge auf einem neuen Tiefstand angelangt. Auf die Frage, wer das Land am ehesten in eine bessere Zukunft führen könne - Regierung, Unternehmen, Medien oder NGOs - lautete die meistgegebene Antwort "Weiß nicht" (35 Prozent). Sogar aufs Privatleben vieler Briten hat sich der Brexit-Streit mittlerweile ausgewirkt. Einer von sechs Befragten gab an, deswegen mit Verwandten oder Freunden gebrochen zu haben.    

Grundlage ist eine Umfrage der Kommunikationsagentur Edelman unter 2000 Briten vom 18. Dezember 2018 bis zum 7. Januar 2019. Die Ansichten der Befragten wurden in 20-minütigen Online-Interviews ermittelt. Die Fehlertoleranz beträgt +/-2,2 Prozent.  

Quelle: n-tv.de, jug

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