Politik

"Bauen ein besseres Britannien" Briten spekulieren über Mays Kabinett

d16871a4a85885e2072b76fc94c03687.jpg

May wird überraschend schnell den Posten Camerons übernehmen.

(Foto: dpa)

Innenministerin Theresa May warb im Brexit-Wahlkampf für den Verbleib in der EU. Jetzt wird sie Premierministerin und muss den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union managen. In Deutschland wird erwartet, dass sie sich dabei nicht zu viel Zeit lässt.

Noch ist die neue britische Premierministerin Theresa May nicht offiziell im Amt - schon sprießen Spekulationen über ihre Kabinettsliste. Wie der "Guardian" schreibt, gilt der bisherige Außenminister Philip Hammond als ein Favorit für den Chefposten im Finanzministerium. Schatzkanzler George Osborne könnte dann ins Außenamt wechseln - allerdings sähe das Brexit-Lager es ungern, wenn Osborne als Mann des Pro-EU-Lagers künftig Austrittsgespräche mit der EU führen müsse. Auch Chris Grayling, prominenter Brexit-Befürworter im Parlament und enger Vertrauter Mays, käme für einen wichtigen Posten in Frage, schreibt die Zeitung.

Hoffnungen machen dürfe sich auch Andrea Leadsom, bis zu ihrem Rückzug am Montag Mays schärfste Rivalin im Kampf um die Nachfolge von Premier David Cameron. Zugleich wurden aus dem Umkreis Mays Forderungen nach raschen Neuwahlen zurückgewiesen. Dies stehe nicht zur Debatte, hieß es.

"Brexit bedeutet Brexit - und wir werden einen Erfolg daraus machen", sagte May in London. Kurz zuvor hatte der noch amtierende Premier David Cameron seinen Rücktritt für diesen Mittwoch angekündigt. Unnmittelbar danach soll May die Regierung übernehmen. "Wir werden ein besseres Britannien bauen", versprach die 59-jährige bisherige Innenministerin. Das Land müsse geeint werden.

May hatte während des Brexit-Wahlkampfs für den Verbleib in der EU plädiert, sich aber mit ihrer Meinung geschickt zurückgehalten - jetzt präsentiert sie sich als Versöhnerin, die die tief zerstrittene Partei einigen könne. May tritt aber auch für Änderungen beim Thema Einwanderung ein - in der Frage gilt sie als Hardlinerin. Kürzlich hatte sie signalisiert, sich mit offiziellen EU-Austrittsverhandlungen Zeit zu lassen. Sie werde den Antrag auf Austritt aus der Europäischen Union nicht vor Jahresende stellen - zum Ärger der EU-Staaten, die eine schnelle Lösung wollen.

Merkel: EU wird Zäsur verkraften

Das machte Bundeskanzlerin Angela Merkel noch einmal deutlich. "Das Vereinigte Königreich wird rasch klären müssen, wie es denn in Zukunft sein Verhältnis zur EU gestalten will." Es liege nun an London, den Austrittswunsch offiziell mitzuteilen. Merkel betonte erneut, dass für einen freien Zugang zum EU-Binnenmarkt auch die Personenfreizügigkeit zu akzeptieren sei. Für Deutschland bleibe Großbritannien ein wichtiger Partner. Mit Blick auf das Brexit-Votum bekräftigte die Kanzlerin: "Das ist ein herber Einschnitt. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass die Europäische Union stark genug ist, um auch diese Zäsur zu verkraften." Auf Mays anstehenden Amtsantritt ging Merkel in ihrer Rede nicht ein.

Der Führungswechsel an der Spitze von Großbritanniens Konservativen Partei und der Regierung vollzieht sich nun deutlich schneller als geplant. Dies wurde möglich durch den unerwarteten Verzicht von Mays Konkurrentin, Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom. Ursprünglich war geplant, dass beide zu einer Urwahl der Tory-Basis antreten. Die politische Arbeit von Partei und Regierung wäre damit über Wochen blockiert gewesen.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

Mehr zum Thema