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Al-Kaida verurteilt IS-Anschläge Bruderkampf der Terroristen erreicht Jemen

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Ein Mann trägt ein verletztes Mädchen in Sanaa. Unter der Konkurrenz der Terroristen leiden vor allem Unschuldige.

(Foto: REUTERS)

Der Islamische Staat verübt erstmals Anschläge im Jemen. Damit ist das selbsternannte Kalifat ins Herzland der konkurrierenden Al-Kaida vorgedrungen. Ein weiterer Konflikt in einem ohnehin geschundenen Land bahnt sich an.

Den zahlreichen Konflikten im Jemen fügen die jüngsten Anschläge auf schiitische Moscheen eine weitere blutige Dimension hinzu. Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) übernahm die Verantwortung für die Selbstmordanschläge mit mehr als 100 Todesopfern und damit erstmals für Taten im Jemen. Die "Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel" antwortete nach wenigen Stunden mit einer Erklärung, die die Attacken verurteilte.

Der Jemen ist bislang eine Hochburg von Al-Kaida, die in einigen Regionen nahezu offen die Kontrolle übernommen hat. Westliche Geheimdienste vermuten viele hochrangige Al-Kaida-Mitglieder im Jemen. Die USA haben bereits mehrere mutmaßliche Terroristen dort mit Drohnenangriffen getötet.

Zunächst hatten sich am Mittag die extremistischen Sunniten des Islamische Staates gerühmt, dass sich fünf seiner "Ritter" in als "Nestern" der schiitischen Huthis bezeichneten Moscheen mit Sprengstoffgürteln in die Luft gesprengt und dabei dutzende Menschen in den Tot gerissen hatten. Die konkurrierenden Extremisten der Al-Kaida verbreiteten am Nachmittag über Twitter eine Erklärung, in der sie sich von den Taten distanzierten.

Die "Provinz Sanaa" erwacht

Die Botschaft betonte, dass Al-Kaida-Anführer Aiman Al-Sawahiri angeordnet habe Moscheen oder Märkte zu schonen um der "Seelen unschuldiger Muslime" willen. Auch Al-Kaida ist eine sunnitische Gruppe und tatsächlich haben ihre Anführer in der Vergangenheit oft Gewalt gegen Schiiten gepredigt. Zuletzt hatte Al-Sawahiri sich allerdings mehrfach von Gewaltakten des IS abzugrenzen versucht.

Der Islamische Staat beherrscht vor allem in Syrien und im Irak große Landstriche und verfügt zudem in Libyen, Nigeria und Ägypten über Ableger. Als selbsternannter "Kalif" erhebt IS-Chef Mustafa Al-Baghdadi einen Führungsanspruch über alle Muslime. Die aktuelle Bekennerbotschaft droht nicht nur mit weiteren Anschlägen, dort ist auch von einer "Provinz Sanaa" des "Kalifats" die Rede. Die wurde zwar schon vor Monaten in IS-Statements erwähnt, trat nun aber das erste Mal mit Taten in Erscheinung.  

Das lässt befürchten, dass es auch im Jemen blutige Auseinandersetzungen zwischen den beiden konkurrierenden sunnitischen Terrorgruppen geben könnte. Vor allem in Syrien kam es bereits zu heftigen Kämpfen zwischen IS-Kämpfern und Angehörigen von örtlichen Al-Kaida-Ablegern.

Luftangriffe auf den Präsidenten

Nicht nur die schnelle Reaktion auf die IS-Botschaft lässt vermuten, dass Al-Kaida ihre Hochburg Jemen dem IS nicht widerstandslos überlassen wird. Die Gefolgsleute Al-Sawahiris sind derzeit dabei, das Bürgerkriegschaos im Land auszunutzen und weitere Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Berichten zufolge überrannten Al-Kaida-Truppen am Freitag Al-Hauta, die Hauptstadt der südlichen Provinz Lahdsch.

Der international anerkannte Präsident des Jemen, Abd Rabbo Mansur Al-Hadi, hat die Kontrolle über das Land praktisch verloren. Vor den schiitischen Huthi-Rebellen ist er in die südliche Hafenstadt Aden geflohen. Die Rebellen kontrollieren - wie vor allem die sunnitischen Golfmonarchien vermuten - mit iranischer Hilfe den Norden des Jemen und die Hauptstadt Sanaa.

Al-Hadis Ausweichquartier in Aden wurde in den vergangenen Tagen mehr von Kampfflugzeugen bombardiert. Teile der Sicherheitskräfte, die immer noch loyal zu Al-Hadis Vorgänger Ali Abdallah Salih stehen, sollen sich mit den Huthis verbündet haben - obgleich schon zu Sahihs Zeiten ein blutiger Konflikt zwischen Militär und den Rebellen ausgetragen wurde.

Quelle: n-tv.de

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