Politik

Premier räumt Fehler ein Brüssel-Terrorist jobbte im EU-Parlament

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Der Selbstmordattentäter Laachraoui soll kurzzeitig im EU-Parlament geputzt haben.

(Foto: dpa)

Über die Brüssel-Attentäter kommt ein weiteres pikantes Detail ans Licht: Einer der Tatverdächtigen soll als Putzkraft im EU-Parlament ausgeholfen haben. Nach reichlich Kritik räumt die belgische Regierung nun Versäumnisse ein.

Einer der mutmaßlichen Brüssel-Attentäter hat vor Jahren kurzzeitig im Europaparlament gearbeitet. Das bestätigte ein Parlamentssprecher. Demnach habe einer der Verantwortlichen der Anschläge vor sechs und sieben Jahren jeweils einen Monat lang als Putzkraft im Parlament gejobbt.

EU-Kreisen zufolge handelt es sich um den 25-jährigen Belgier Najim Laachraoui, der sich nach Erkenntnissen der Behörden bei dem Anschlag vor gut zwei Wochen am Flughafen in Brüssel in die Luft sprengte. Er steht auch im Verdacht, die Sprengstoffgürtel für die Attentäter von Paris im November hergestellt zu haben. In Paris starben bei den Anschlägen 130 Menschen, in Brüssel 32.

Die Reinigungsfirma habe damals belegt, dass der Betreffende keine Vorstrafen aufgewiesen habe, so der Sprecher. Nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur "APA" hatte der mutmaßliche Attentäter als Student im Sommer 2009 und im Sommer 2010 einen Ferienjob im Machtzentrum der EU. Laut "Bild"-Zeitung hatte der Mann seinerzeit Zugang zu den Büros aller Abgeordneten. Die Putzkräfte vom EU-Parlament werden von einem privaten Dienstleister beschäftigt.  

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Charles Michel: Wir sind zurück auf dem Weg zur Normalität.

(Foto: imago/Reporters)

Derweil hat Belgiens Ministerpräsident Charles Michel in Zusammenhang mit den Attentaten Versäumnisse eingeräumt. Nach solchen Attentaten müsse zweifellos von einem "Scheitern der Sicherheitskräfte" gesprochen werden, so Michel. Belgien sei aber kein "gescheiterter Staat". Sein Land sieht der Regierungschef zwei Wochen nach den Anschlägen auf einem guten Weg zurück zur Normalität.

Festnahme nach wenigen Monaten

Michel verwies auch auf die Erfolge der belgischen Ermittler. Belgien habe nur "wenige Monate" gebraucht, um den mutmaßlichen Paris-Attentäter Salah Abdeslam zu fassen. "Ein gescheiterter Staat wäre dazu nicht in der Lage gewesen." Die Jagd nach Al-Kaida-Chef Osama bin Laden habe zehn Jahre gedauert.

Michel erinnerte daran, dass mehr als hundert Menschen im vergangenen Jahr wegen Terrorverdachts in Belgien verurteilt worden seien. In Belgien gebe es wie überall Erfolge und Niederlagen im Kampf gegen den Terrorismus.

Die Attentäter in Brüssel hatten am 22. März 32 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu den Attacken bekannte sich wie schon nach den Anschlägen in Paris am 13. November die Dschihadistenorganistaion "Islamischer Staat" (IS). Die Attentäter von Paris sollen die Anschläge in Brüssel vorbereitet haben. Die belgischen Ermittlungsbehörden wurden deswegen scharf kritisiert.

Belgien sei "ein kleines Land im Herzen Europas" und eine Drehscheibe für Attentäter, die Anschläge in anderen europäischen Ländern planen, sagte Michel. Er rief zu einer besseren Zusammenarbeit der europäischen Geheimdienste auf.

Das Leben in Belgien und in der Hauptstadt Brüssel normalisiere sich zwei Wochen nach den Anschlägen allmählich wieder, sagte Michel. Als sichtbarstes Zeichen dafür nannte er die schrittweise erfolgende Wiederaufnahme des Flugverkehrs in Brüssel und die bereits fast wieder vollständig funktionierende U-Bahn.

Quelle: ntv.de, kpi/AFP/dpa