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Mittwoch, 13. Juni 2018

Giftstoff Rizin gefunden?: Bundesanwalt ermittelt gegen Tunesier

In einer Kölner Wohnung finden Spezialkräfte offenbar giftige Substanzen. Ein Tunesier und seine Frau werden festgenommen, der Generalbundesanwalt nimmt Ermittlungen auf. Medienberichten zufolge handelt es sich beim Giftfund um Rizin.

Nach dem Fund von möglicherweise giftigen Stoffen in einer Kölner Wohnung ermittelt der Generalbundesanwalt wegen des Verdachts einer "schweren staatsgefährdenden Gewalttat". Das sagte eine Karlsruher Behördensprecherin in Köln. Wegen der "besonderen Bedeutung des Falls" habe man die Ermittlungen gegen einen verdächtigen 29-jährigen Tunesier an sich gezogen. Ein terroristischer Hintergrund sei "in Erwägung zu ziehen". Spezialkräfte hatten in der Nacht zuvor die Wohnung in einem Hochhaus gestürmt und unter anderem verdächtige Substanzen sichergestellt.

Medienberichten zufolge könnte es sich bei den Substanzen um das hochgiftige Rizin handeln. Dies schreiben zumindest die Zeitungen "Express" und "Kölner Stadt-Anzeiger" unter Berufung auf Ermittlerkreise. Rizin ist eine extrem toxische Substanz, die bereits in kleinsten Mengen tödlich ist. Der "Spiegel" schreibt, der Tatverdächtige habe möglicherweise das Rizin für den Bau eines Sprengsatzes nutzen wollen. Dabei habe er sich an einer Anleitung des IS zur Herstellung einer Rizin-Bombe orientiert.

Laut der Sprecherin der Karlsruher Behörde ist noch unklar, um welche Substanz es sich genau handelt. "Wir werten jetzt alle Beweismittel aus", sagte sie. "Wir müssen jetzt vor allem die Auswertung der Wissenschaftler abwarten." Auch zur Menge der beschlagnahmten Mittel machte die Behörde noch keine Angaben. "Ob sie in dieser Ausformung überhaupt ausreichend gewesen wären, um eine negative Auswirkung zu haben", müsse noch untersucht werden.

Einsatz mit Atemmasken

Ob die Beweise ausreichen, um einen Haftbefehl gegen den 29-Jährigen zu beantragen, ist ebenfalls noch offen. Die Frau des Tunesiers, die ersten Angaben zufolge ebenfalls festgenommen worden war, wird nicht beschuldigt, betonte die Bundesanwaltschaft. Die Stadt Köln verwies darauf, dass sie die Kinder des Ehepaares nicht unter ihre Obhut genommen habe, wie die Polizei zuvor berichtet hatte. Es treffe nicht zu, dass das Jugendamt involviert sei, erklärte eine Sprecherin.

Polizei und Feuerwehr hatten am späten Dienstagabend im Stadtteil Köln-Chorweiler teils mit Atemschutzmasken die Wohnung der Familie durchsucht. Spezialisten in Dekontaminationsanzügen hatten die unbekannten Mittel sichergestellt und erste Analysen durchgeführt. Auch heute waren Einsatzkräfte vor Ort, am Hochhaus blieb es bei den Absperrungen.

Quelle: n-tv.de