Brandbrief von InsidernReparaturstau bei der Bundeswehr soll bedrohliche Ausmaße haben

Das Ziel der Politik ist es, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas zu machen. Der Weg dorthin ist allerdings lang. Sehr lang. Aktuell sind einem Bericht zufolge nicht mal stabile Lieferketten für viele Ersatzteile vorhanden. Mit Folgen für wichtige Waffensysteme.
Bei der Bundeswehr soll es einen Reparaturstau geben, der eine Gefahr für die Verteidigungsfähigkeit darstellen könnte. Der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), dem WDR und dem NDR wurde ein Bericht der Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL) zugespielt, in dem große Probleme aufgelistet sind - zum Beispiel fehlende Ersatzteile. Die HIL ist beispielsweise für die Wartung und Reparatur des Marder-Schützenpanzers oder der Panzerhaubitze 2000 zuständig.
Die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) schrieb unter Berufung auf eine Art Brandbrief von HIL-Führungskräften, es mangele unter anderem an Fachkräften und stabilen Lieferketten. Die HIL ist nicht für die Beschaffung von Ersatzteilen verantwortlich, sondern das Beschaffungsamt der Bundeswehr im Verteidigungsministerium. Dieses habe zwar viel neues Gerät gekauft, aber zu wenig für verlässliche Ersatzteillieferungen getan, so die Vorwürfe. Wichtige Bauteile für Panzerfahrzeuge seien oft nicht schnell genug oder in ausreichender Menge verfügbar.
Waffensysteme könnten durch die Probleme auf Dauer nur eingeschränkt einsatzbereit sein, hieß es weiter. Nach intensiven Übungen des Heeres sinke die Einsatzfähigkeit mancher Fahrzeugtypen auf rund 30 Prozent, werden HIL-Verantwortliche in dem Bericht zitiert. Im Mai sei nicht mal die Hälfte des Gesamtbestands der Panzerhaubitze 2000 einsetzbar gewesen. Auf eine Anfrage von SZ, WDR und NDR reagierte das Verteidigungsministerium nicht. Auch die HIL wollte sich öffentlich nicht äußern.
Die Bundeswehr wird angesichts der Bedrohung aus Russland in den nächsten Jahren massiv aufgerüstet. Deutschland muss verschärfte Nato-Vorgaben einhalten und seiner Führungsrolle innerhalb der Allianz gerecht werden. Probleme bei der Einsatzbereitschaft passen da nicht ins Bild. Viele Experten halten es für möglich, dass Russland in den nächsten Jahren die Verteidigungsfähigkeit der Nato mit einem Angriff testen wird.