Politik
Während Seehofer in Berlin die Jamaika-Koalition auslotet, sägt die Junge Union in der Heimat an seinem Stuhl.
Während Seehofer in Berlin die Jamaika-Koalition auslotet, sägt die Junge Union in der Heimat an seinem Stuhl.(Foto: dpa)
Samstag, 04. November 2017

Parteichef in der Kritik: CSU-Nachwuchs rebelliert gegen Seehofer

Ohne Parteichef Seehofer wertet Bayerns Junge Union in Erlangen das Wahldebakel im September aus. Die Schlussfolgerung des Parteinachwuchses ist deutlich und einmütig: Seehofer muss weg.

Die bayerische Junge Union stellt sich offen gegen CSU-Chef Horst Seehofer und fordert einen Rückzug des 68-Jährigen spätestens im kommenden Jahr. Ein Antrag, in dem mit Blick auf die Landtagswahl im Herbst 2018 ein "personeller Neuanfang" gefordert wird, wurde von einer Landesversammlung des CSU-Nachwuchses in Erlangen mit deutlicher Mehrheit angenommen.

"Für einen Erfolg bei der Landtagswahl im kommenden Jahr braucht es einen glaubwürdigen personellen Neuanfang", heißt es in dem Antrag der Jungen Union wörtlich. Und weiter: "Bei allen Verdiensten, die sich Horst Seehofer zweifellos in vielen Jahrzehnten für die CSU, Bayern und Deutschland erworben hat, muss er jetzt den Weg bahnen für einen geordneten Übergang an der Spitze der Staatsregierung."

Seehofer steht seit dem CSU-Fiasko bei der Bundestagswahl intern massiv unter Druck. Im September erhielt die Partei in Bayern nur 38,8 Prozent der Stimmen. Mehrere CSU-Bezirksvorstände forderten bereits, jeweils mit großer Mehrheit, einen "geordneten" personellen Übergang.

Seehofer sollte bei der Landesversammlung der Jungen Union eigentlich sprechen. Er sagte seinen Auftritt am Freitag aber ab. Dies trug ihm massive Kritik des Parteinachwuchses ein. Er entschuldigte sich am Samstag mit den Jamaika-Gesprächen. "Wissen Sie, ich bin hier in historisch bedeutsamen Verhandlungen", sagte er vor unionsinternen Beratungen in Berlin. "Da darf kein Fehler passieren. Da muss man sich sehr vorbereiten."

Auf die Frage, ob er nicht am Sonntag zum CSU-Nachwuchs nach Erlangen hätte fahren können, sagte er: "Am Sonntagvormittag haben sie ja einen Redner, den ich nicht verdrängen möchte - Sie kennen den Namen." Am Sonntag wird in Erlangen Bayerns Finanzminister Markus Söder als Redner erwartet. Er gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Seehofer-Nachfolge.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen