Politik

Stadt beklagt Flüchtlingskrise Calais fordert Entschädigung

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Szenen am Kanal: Flüchtlinge in Calais versuchen, durch den Eurotunnel Richtung Großbritannien zu kommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Wirtschaft der Stadt Calais leidet nach Angaben der Bürgermeisterin seit Jahrzehnten unter den vielen Flüchtlingen, die nach Großbritannien wollen. Jetzt sollen Paris und London dafür aufkommen. Die schicken erstmal mehr Polizei.

Die Bürgermeisterin der nordfranzösischen Stadt Calais eine Entschädigung in Höhe von 50 Millionen Euro von Frankreich und Großbritannien gefordert. "Es ist unerlässlich, von ihnen ab morgen finanzielle Entschädigungen zu fordern, um die wirtschaftlichen Nachteile abzumildern", sagte Bürgermeisterin Natacha Bouchart bei einer Pressekonferenz mit Blick auf das Treffen der Innenminister der beiden Länder, Bernard Cazeneuve und Theresa May, in Calais.

"Ich fordere 50 Millionen, weil es schwierig ist, den wirtschaftlichen Schaden, den wir seit 15 Jahren erleiden, zu beziffern", führte Bouchart aus. Wenn Geld für Sicherheit und humanitäre Hilfe bereitgestellt werde, müsse auch Geld für die Wirtschaft übrig sein. Falls die Regierungen in Paris und London nicht auf ihre Forderung eingingen, sähe sie sich "in der Pflicht anzugreifen, Klage einzureichen gegen die Regierung, gegen die französisch-britischen Staatsbehörden, um Entschädigungsurteile herbeizuführen", drohte die Kommunalpolitikerin.

Neues Polizeirevier soll Abhilfe schaffen

Die Regierungen in London und Paris wollen zunächst ihre Polizeipräsenz am Eurotunnel massiv aufstocken, um Flüchtlinge am Versuch zu hindern, durch den Tunnel nach Großbritannien zu gelangen. Das britische Innenministerium gab in der Nacht die Bildung eines gemeinsamen Einsatzzentrums in Calais bekannt. Die Innenminister beider Länder wollen die Arbeit des von ranghohen Polizisten beider Länder geleiteten Zentrums am Vormittag gemeinsam erläutern.

Tausende Flüchtlinge versuchen seit Wochen, über den Tunneleingang in Calais auf die britische Insel zu gelangen. Beim Versuch, auf Lastwagen und Züge zu springen, die unter dem Ärmelkanal nach Großbritannien fahren, starben bereits zahlreiche Menschen. Um die französische Stadt Calais gibt es mehrere Lager, in denen sich Flüchtlinge versammeln, die den Weg nach Großbritannien wagen wollen. Der Fracht- und Personenverkehr durch den Kanaltunnel ist durch die Zwischenfälle erheblich beeinträchtigt.

Quelle: ntv.de, dka/rts/AFP