Politik

Merkel mit geköpftem Schulz "Charlie Hebdo" kassiert erste Beschwerde

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Angela Merkel köpft Martin Schulz: Das fanden nicht alle Leser von "Charlie Hebdo" lustig.

(Foto: picture alliance / -/Charlie Heb)

Zum ersten Mal muss sich der Deutsche Presserat mit dem Satire-Magazin "Charlie Hebdo" befassen. Für eine Karikatur, die Kanzlerin Merkel mit dem geköpften Martin Schulz zeigt, kassiert die deutsche Redaktion eine Beschwerde. Doch Sanktionen drohen nicht.

Knapp drei Monate nach ihrem Start hat sich die deutsche Ausgabe der Satirezeitung "Charlie Hebdo" erstmals eine Beschwerde beim Deutschen Presserat eingehandelt. Wegen eines Covers, auf dem Bundeskanzlerin Angela Merkel den abgeschnittenen Kopf von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in der Hand hält, ging eine Beschwerde bei den Medienwächtern ein, wie Presseratsprecherin Edda Eick sagte. "Charlie Hebdo" wird demnach vorgeworfen, Merkel mit der Karikatur zu "diffamieren".

Ein Mann hält am 04.02.2017 bei einer Protestaktion vor der Trump Plaza in West Palm Beach, Florida ein Bild von US-Präsident Trump als Henker der Freiheitsstatue, wie es auch auf dem aktuellen Cover des des deutschen Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zu sehen ist. Foto: Michael Ares/Palm Beach Post via ZUMA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Trump-Titel des "Spiegel" hatte weltweit Aufsehen erregt.

(Foto: dpa)

Die aus Frankreich stammende Satirezeitung hatte auf ihrer Titelseite vom 9. Februar eine Zeichnung abgedruckt, auf der Merkel in einer Hand den abgetrennten Kopf von Schulz und in der anderen Hand ein blutverschmiertes Messer hält. Die Karikatur der bekannten Zeichnerin Coco war eine Antwort auf das aufsehenerregende "Spiegel"-Titelbild mit Donald Trump, der der Freiheitsstatue den Kopf abgetrennt hat - eine scharfe Kritik an der Politik des neuen US-Präsidenten.

Das "Spiegel"-Cover sorgte auch in den USA für lebhafte Diskussionen und wurde teils gelobt, teils heftig kritisiert. Mit der nachgestellten Titelseite wollte "Charlie Hebdo" dem "Spiegel" nach eigenen Angaben seine Solidarität und seinen Respekt ausdrücken. Der Presserat bat "Charlie Hebdo" nun um eine Stellungnahme zu dem Vorwurf, den Pressekodex verletzt zu haben. So mahnt Ziffer eins des Pressekodex die Achtung der Menschenwürde an, Ziffer neun den Schutz der Ehre.

21 Beschwerden gegen Trump-Titel

Ein Beschwerdeausschuss des Presserats wird sich am 23. März mit dem Fall befassen. Dann wird das Gremium auch die Beschwerden gegen den "Spiegel" wegen des Trump-Titels prüfen. Inzwischen sind 21 Beschwerden gegen das Nachrichtenmagazin eingegangen, wie Sprecherin Eick sagte. Der Presserat kann beispielsweise eine Rüge oder eine Missbilligung aussprechen, oder aber auf eine solche Maßnahme verzichten, wenn er die Beschwerde für unbegründet hält.

"Wir nehmen die Beschwerde ernst und werden selbstverständlich gemäß des Reglements des Deutschen Presserats darauf antworten", sagte die deutsche "Charlie Hebdo"-Chefredakteurin Minka Schneider. Die französische Satirezeitung, die Anfang Dezember eine deutsche Ausgabe gestartet hatte, ist bekannt für provokative und häufig derbe Karikaturen. Im Januar 2015 wurde die Redaktion in Paris Ziel eines islamistischen Anschlags mit zwölf Toten.

Quelle: ntv.de, jug/AFP