Politik

Vorwurf militärischer Nutzung China nutzt massiv Daten aus Pränatal-Tests

234838657.jpg

Millionen Frauen nutzten den Pränatal-Test des chinesischen Unternehmens BGI.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Frauen, die ihr ungeborenes Kind auf Behinderungen untersuchen lassen, helfen damit offenbar der chinesischen Regierung. Ein Unternehmen wertet Daten aus Pränatal-Tests in großem Stil für Forschungszwecke aus - und soll mit dem Militär zusammenarbeiten.

Wer ein Baby erwartet, muss schon nach wenigen Wochen eine große Entscheidung treffen: Mache ich einen Pränatal-Test, der unter anderem klären soll, ob das Kind eine Trisomie hat? Diese Tests sind in Deutschland längst Standard. Wie bei vielen medizinischen Eingriffen können Frauen ihre Ergebnisse auch der Forschung zur Verfügung stellen. Wenn sie sich dafür entscheiden, denken aber wohl die wenigsten ans Militär.

Das chinesische Unternehmen BGI sammelt mit seinem nicht-invasiven Pränatal-Test "Nifty", bei dem Blut untersucht wird, genetische Daten von Millionen Frauen für Untersuchungen zu Bevölkerungsmerkmalen. Das ergab eine Recherche der Nachrichtenagentur Reuters. Ebenfalls brisant ist, dass das Unternehmen dabei Studien gemeinsam mit der Volksbefreiungsarmee durchgeführt haben soll. Der Test von BGI ist laut dem Bericht einer der beliebtesten der Welt und in mindestens 52 Ländern verkauft worden. Entsprechend alarmiert zeigte sich das Bundesgesundheitsministerium. "Das ist ein Vorgang, den wir ernst nehmen und dem wir nachgehen", sagte ein Sprecher. Man sei im Kontakt mit dem Innen- und Justizministerium sowie der EU-Kommission.

Der Pränatal-Test erfasst unter anderem genetische und persönliche Informationen über die Mutter, wie Größe oder Gewicht. In einer Studie des Unternehmens wurden laut dem Bericht zum Beispiel Daten solcher Tests ausgewertet, um bei tibetischen und uigurischen Minderheiten Verbindungen zwischen Genen und Eigenschaften zu finden. Auch nach Anzeichen für psychische Krankheiten bei chinesischen Frauen soll gesucht worden sein.

Unternehmen weist Vorwürfe zurück

Das Unternehmen wies den Bericht zurück: Behauptungen, dass BGI eine andere Motivation als bessere gesundheitliche Ergebnisse habe, seien falsch. "BGI wurde nie gebeten, Daten aus seinem Nifty-Test für Zwecke der nationalen Sicherheit oder der nationalen Verteidigung an chinesische Behörden weiterzugeben." Auch sei der Test nicht in Zusammenarbeit mit dem Militär entstanden, wie es Reuters berichtet hatte.

Andere Unternehmen, die Pränatal-Tests anbieten, nutzen ebenfalls Daten für die Forschung. Doch keines operiere in der Größenordnung von BGI oder habe so enge Verbindungen zu einer Regierung, sagten laut Reuters Wissenschaftler und Ethiker. Mehr als acht Millionen Frauen ließen demnach bislang einen Pränatal-Test von BGI durchführen, wie viele davon im Ausland, sei unklar. Doch auch DNA-Daten aus Tests außerhalb Chinas sollen in der staatlich finanzierten, von BGI betriebenen Gendatenbank gespeichert sein. Das Unternehmen wies auch das zurück.

Tests auch in Deutschland

Mehr zum Thema

In Deutschland werden die Tests ebenfalls durchgeführt. Laut dem verantwortlichen Labor in Gießen sollen die Daten aber nicht zu Forschungszwecken genutzt werden. Eluthia-Geschäftsführer Ramón Enríquez Schäfer erklärte gegenüber ntv.de, Patientinnen könnten gar nicht wie sonst üblich einer Nutzung zustimmen, denn sie würden gar nicht erst danach gefragt. Bei allen Proben, die an Partnerlabore ins Ausland gehen, werde außerdem aus Sicherheitsgründen explizit vermerkt, dass diese nicht für Forschungszwecke verwendet werden dürfen. Die Gießener vermitteln hierzulande die Durchführung von BGI-Tests.

Nach Ansicht von Beratern der US-Regierung könnte die Gendatenbank China wirtschaftliche und militärische Vorteile verschaffen, wie es in dem Bericht heißt. Das Reich der Mitte könne mit der Datenanalyse – die auch mithilfe künstlicher Intelligenz abläuft – in die Lage versetzt werden, die globale Pharmaindustrie zu dominieren. Eine weitere Gefahr sehen die Berater in manipulierten Krankheitserregern. Sie befürchten, dass diese auf die amerikanische Bevölkerung oder die Lebensmittelversorgung abzielen könnten.

Quelle: ntv.de, chl/rts

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.