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Inseln im Südchinesischen Meer Chinas Bomber machen Nachbarn Angst

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Ein chinesischer Bomber vom Typ H-6K ist auf dem Stützpunkt im Südchinesischen Meer gelandet.

(Foto: AP)

Erstmals landen chinesische Langstreckenbomber auf einer der künstlichen Inseln im Südchinesischen Meer. Es dürfte nicht das letzte Mal gewesen sein, dass China seine Macht demonstriert.

Als der chinesische Langstreckenbomber H-6K am Freitag auf die Landebahn aufsetzt, ist das mehr als die Landung eines Flugzeugs. Denn diese könnte eine neue Phase im Konflikt um die Herrschaft über das Südchinesische Meer eingeläutet haben. Es ist das erste Mal, dass solche Flugzeuge auf einer der Inseln landen. Laut dem Center for Strategic and International Studies in Washington dürfte der Bomber auf eine der Paracel-Inseln gelandet sein. China hat diese und die weiter südlich gelegenen Spratly-Inseln in den vergangenen Jahren mit Stützpunkten ausgebaut und die Riffe und Felsen mit künstlichen Aufschüttungen erweitert. Experten sprechen auch von einem "unsinkbaren Flugzeugträger". Die Zeitung der Kommunistischen Partei verbreitete auf Twitter ein Video der Landung eines Bombers.

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Satellitenbilder zeigen den chinesischen Baufortschritt einer Landebahn auf dem Fiery-Cross-Riff, das zu den Spratly-Inseln gehört.

(Foto: AP)

Bei den zwei Inselgruppen (siehe Karte unten) handelt es sich um eine Ansammlung von größtenteils winzigen Riffen, Sandbänken und Atollen. Die Paracel-Inseln liegen rund 330 Kilometer südöstlich von der chinesischen Insel Hainan. Die Spratly-Inseln erstrecken sich weiter südlich über eine Strecke von rund 1000 Kilometern und liegen deutlich näher an den Küsten der Philippinen, Vietnams und Malaysias als an der Chinas - doch Peking beruft sich auf uralte Ansprüche. Tatsächlich gehörten die Inseln mehrere Jahrhunderte lang nominell zum Reich der Mitte, waren aber bis ins 19. Jahrhundert nicht besiedelt. Bis heute leben kaum Menschen auf den beiden Inselgruppen. 

Seit Jahrzehnten führt der Streit um die Inseln zu Spannungen. 1988 wurde sogar scharf geschossen: Die chinesische Marine versenkte zwei vietnamesische Schiffe und besetzte einen Teil der Inseln. Seitdem ist es vergleichsweise ruhig geblieben. Vietnam beansprucht die Inselgruppe vor seiner Küste allerdings noch immer vollständig, die Philippinen und andere Länder betrachten die ihnen zugewandten Atolle und Formationen als Teil ihres Landes. 2014 begann China dann damit, Land aufzuschütten und baute mehrere Landebahnen in beiden Inselgruppen. Im April wurde bereits bekannt, dass China Marschflugkörper und Raketen ins Südchinesische Meer verlegt hatte.

Signal an die Nachbarn

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Doch wie kann eine Ansammlung von Felsen, Sandbänken und Atollen so einen Aufruhr verursachen? Die Inseln würden wohl nur ein paar Biologen und Rucksacktouristen interessieren, lägen sie nicht an einer strategisch so günstigen Stelle. Wichtige Schifffahrtsrouten führen dort entlang. Die riesigen, mit chinesischen Waren vollgestopften Frachter passieren die Gegend, um nach Europa zu gelangen. Überdies soll es in der Umgebung große Öl- und Gasvorkommen geben. Für die Ernährung der Anrainer spielen auch die Fischvorkommen eine wichtige Rolle.

CNN zufolge können die chinesischen Langstreckenbomber von Woody aus ganz Südostasien erreichen. Mit der Verlegung der Flugzeuge und der anschließenden Manöver solle die Schlagkraft der Armee verbessert und die Mobilisierungsgeschwindigkeit erhöht werden, zitiert CNN die Volksbefreiungsarmee. Länder wie die Philippinen und Vietnam wären damit in Reichweite und dürften entsprechend alarmiert sein.

Die offensive Politik Chinas gilt aber auch dem großen Player in der Region, den USA, die mit ihrer Pazifikflotte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die ostasiatischen Meere dominieren. Insbesondere mit ihren Flugzeugträgern verfügen sie über eine gewaltige Militärmacht, die unter anderem den Schutz der Verbündeten Südkorea und Japan sicherstellt. Mit dem Flottenstützpunkt in Guam und dem Heimathafen auf Hawaii (Pearl Harbour) befinden sich die Schiffe stets relativ nah am Einsatzgebiet.

Auch die USA wollen den Herrschaftsanspruch Pekings im Südchinesischen Meer nicht einfach so hinnehmen. Denn es ist unklar, ob China bloß die Inseln oder auch das Gewässer drumherum beansprucht. Das wiederum würde gegen den weltweit geltenden Grundsatz der Freiheit der Meere verstoßen. Der sieht vor, dass alle Schiffe die Weltmeere ungehindert befahren dürfen und sich nur ein Streifen von zwölf Seemeilen vor den Küsten unter der Hoheit der angrenzenden Staaten befindet.

US-Amerikaner ignorieren Ansprüche

Diesen Anspruch untermauern die USA mit Operationen im Rahmen des Programms "Freiheit des Navigierens". Immer wieder fahren Kriegsschiffe der Navy durch die von China beanspruchten Zonen. Vor einem Jahr kreuzte der Zerstörer USS Dewey demonstrativ durch das Gebiet um das zu den Inseln gehörende Mischief-Riff. Im Dezember 2015 protestierte China, als B-52-Bomber der Airforce den Spratly-Inseln zu nahe gekommen seien und die höchste Alarmstufe ausgelöst hätten. Diese Strategie wird auch seit dem Amtsantritt Donald Trumps als US-Präsident fortgeführt. "Wir sind uns der Militarisierung Chinas im Südchinesischen Meer bewusst", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, Anfang Mai dieses Jahres. Zu möglichen Konsequenzen äußerte sie sich nicht.

Wie die Fachzeitschrift "Foreign Policy" berichtet, führt die chinesische Außenpolitik aber dazu, dass die Anrainerstaaten gewissermaßen zurück in die Arme der USA fliehen. So willigte Indonesien in eine strategische Partnerschaft mit den Amerikanern ein. Malaysia erhob auf diplomatischem Parkett die Stimme gegen die chinesischen Ansprüche und das wie China offiziell kommunistische Vietnam schloss einen Verteidigungspakt mit Japan und Indoniesen. Am bemerkenswertesten ist aber wohl, dass die USA unter US-Präsident Barack Obama das Waffenembargo gegen Vietnam aufhoben. Im November 2017 besuchte sein Nachfolger Trump dann das Land. 43 Jahre nach dem Ende des Vietnamkriegs legte im März dieses Jahres gar der US-Flugzeugträger Carl Vinson in der vietnamesischen Hafenstadt Danang an. Der enge US-Verbündete Japan schenkte zudem den Philippinen im März fünf Aufklärungsflugzeuge, um die chinesischen Aktivitäten zu überwachen.

In naher Zukunft ist wohl keine Eskalation im Streit um die Spratly-Inseln zu befürchten. Zurzeit richten sich die Augen auf den Fall Nordkorea und dessen mit Atomwaffen drohenden Diktator Kim Jong Un. Auch der Handelsstreit zwischen China und den USA dürfte Priorität haben. Doch das heißt nicht, dass angesichts des Aufrüstens im Südchinesischen Meer keine Gefahr bestünde. Dort könnte gerade der nächste große Konfliktherd entstehen.

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Quelle: n-tv.de

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