Politik

Wahlen in New York Clinton und Trump triumphieren

Selten hatten Vorwahlen in New York so eine Bedeutung wie dieses Mal. Clinton oder Sanders? Trump oder Cruz? Die Entscheidung fiel überraschend deutlich aus - und dank des Empire State Buildings bekamen sie auch alle mit.

Um kurz nach 21 Uhr erstrahlte die Spitze des Empire State Buildings in tiefem Rot - und alle Eingeweihten wussten: Donald Trump hat gewonnen. Bald darauf leuchtete der Wolkenkratzer in ebenso tiefem Blau: Hillary Clintons Farbe. Damit war klar: Der mit Spannung erwartete Wahlabend brachte zwei Favoriten-Siege. Und was für welche - mit klarem, zweistelligen Vorsprung haben die ehemalige New Yorker Senatorin und der Milliardär aus Manhattan ihre Gegner aus der Manege gefegt. Ted Cruz? Dritter, noch hinter dem farblosen John Kasich. Bernie Sanders? Mit zweistelligem Abstand verloren. Der Demokratin ist nun die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin kaum noch zu nehmen. Trump ist ebenfalls nicht mehr einzuholen - er muss aber noch den Nominierungsparteitag der Republikaner im Juli überstehen. Und die Partei fremdelt mit dem krawalligen Quereinsteiger aus New York.

Rund eine halbe Stunde nach der ersten Hochrechnung trat dieser ans Rednerpult in seinem "Trump Tower" an der Fifth Avenue. Umringt von Anhängern im Anzug und jungen Damen in Abendkleidern rief er seine Siegesbotschaft in die Stadt hinaus. "Die Menschen in New York haben Probleme wie die Menschen im ganzen Land", so der 69-Jährige. "Die Jobs werden aus dem Land gesaugt und wir werden das nicht weiter zulassen." Wie üblich sagte er nicht, wie er das hinkriegen wolle. Er versprach lediglich "unglaubliche Handelsabkommen", die die Arbeitsplätze zurück ins Land bringen sollen. Seine zweite Botschaft: Nur er könne Kandidat der Republikaner werden, weil er die meisten Stimmen hole. "Niemand kann uns die Wahl wieder wegnehmen!", rief er und meinte damit den Parteitag in drei Monaten. Das Wahlsystem schimpfte er "verlogen und manipuliert".

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Sanders steckt in seiner Heimatstadt eine klare Niederlage ein.

(Foto: AP)

Eine knappe Stunde später kämpfte sich eine strahlende Hillary Clinton in einem rotmelierten Kleid ans Mikrofon im Ballroom des Sheraton Hotels am Times Square. Hunderte Fans empfingen sie mit "Hillary"-Sprechchören, ihr Mann Bill und ihre Tochter Chelsea begleiteten sie. "Wir haben überall im Land gewonnen, im Norden, im Süden, im Osten und im Westen. Aber das ist hier ist persönlich!", rief sie ihren Anhängern zu, unter denen viele Frauen, Schwarze und Latinos waren. Nach einigen Dankesworten richtete sie sich an die Wähler ihres Rivalen Bernie Sanders: "Ich glaube, es gibt viel mehr, das uns eint, als uns trennt", so Clinton. Sie versprach, sich für mehr Beschäftigung, steigende Löhne und bessere Erziehung einzusetzen. Mit der Bemerkung: "Es reicht nicht, Probleme zu diagnostizieren. Man muss auch zeigen, wie man sie löst", dürfte sie auf Sanders und Trump gleichermaßen gezielt haben.

Wahlkampf bis zur letzten Minute

Bei den Demokraten hatten Clinton und Sanders bis Montagabend um die Stimmen gekämpft. Die ehemalige Außenministerin drehte einen Sketch mit dem Late-Night-Moderator Stephen Colbert, Sanders sprach noch einmal vor Tausenden Menschen im New Yorker Stadtteil Queens. Weder die 67-Jährige noch der 74 Jahre alte Senator von Vermont schienen müde zu werden, es ging aber auch um zu viel. Für beide war New York das große Symbol ihres Wahlkampfes. Sanders wurde dort geboren und wuchs in Brooklyn auf.

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Werden wohl miteinander um das Weiße Haus ringen: Clinton und Trump.

(Foto: dpa)

Dort hatte Clinton wiederum ihr Hauptquartier für die gesamte Kampagne aufgeschlagen. Sie war acht Jahre Senatorin des Bundesstaates und lebt seit Jahren in einem Vorort von New York City. Sanders war zwar der Underdog, doch er klammerte sich an neueste Umfragen, die ihn nur noch knapp hinter Clinton sahen. Ob er dennoch mit einer Niederlage rechnete? Am Wahlabend hielt er schon eine Rede in Pennsylvania und flog anschließend nach Vermont zurück. Nur Clinton und Trump hatten Partys in New York City geplant.

247 Delegierte waren zu gewinnen, damit ist New York einer der wichtigsten Staaten des gesamten Wahlkampfes. Clinton lag schon vor der Wahl klar in Führung, weil sie auch die meisten Superdelegierten auf ihrer Seite weiß. Dabei handelt es sich um wichtige Parteimitglieder, die sich frei für einen Kandidaten entscheiden dürfen. Die allermeisten haben sich bereits für die ehemalige Außenministerin ausgesprochen. Sanders muss darauf hoffen, dass sie ihre Meinung ändern. Dieses Kunststück ist bereits vor acht Jahren Barack Obama gelungen – ausgeschlossen ist es also nicht. Nach Clintons überzeugendem Sieg ist es aber höchst unwahrscheinlich.

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Haben wir gewonnen oder was? Trump nimmt's lässig.

(Foto: AP)

Ihr Triumph wird allerdings durch das US-typische Wahlrecht geschmählert. Wer abstimmen wollte, musste sich bereits im Oktober 2015 als Demokrat oder Republikaner registrieren. Viele der von Sanders begeisterten jungen Wähler hatten dies womöglich nicht rechtzeitig getan und durften daher ihre Stimme nicht abgeben. Ein Teil der Energie der heißen Phase des Wahlkampfs könnte so einfach verpufft sein. Probleme wie diese sorgten noch am Wahlabend für Diskussionen.

Der nächste Super-Tuesday kommt bestimmt

Vom Wahlkampf der Republikaner hatten die Menschen in New York City kaum etwas mitbekommen. Cruz und Kasich ließen sich kaum am Big Apple blicken und versuchten ihr Glück lieber im Hinterland des Bundesstaates. Dem Senator aus Texas half das nicht viel. Er hatte sich selbst ins Bein geschossen, als er bei einer TV-Debatte der Republikaner über die New Yorker Werte schimpfte. Diese drehten sich bloß um Geld und Medien, behauptete er. Außerdem seien die Menschen in New York City für Abtreibung und Homo-Ehe – gleich zwei rote Tücher für Konservative. So punktete Cruz zwar in Iowa und anderswo, bei dieser Wahl wurde das Zitat dann zum Bumerang. Trump versuchte das auszunutzen. "Kein New Yorker kann Cruz wählen", forderte er noch am Montag bei einer Rede in Buffalo.

Ein Sieg war für den New Yorker Trump ebenso wichtig wie für Clinton und Sanders. Eine Schlappe in seinem Heimatstaat wäre besonders schmerzhaft gewesen. Dass er aber fast alle Delegierte gewinnen würde, kam dann doch überraschend. Zumal er zuvor einige Niederlagen einstecken musste. Cruz hatte zuletzt aufgeholt, siegte zum Beispiel in Wisconsin. Viele Republikaner hofften daraufhin, noch verhindern zu können, dass der Führende die nötigen 1237 Delegierten bis zum Nominierungsparteitag sammelt. Nun sieht es allerdings wieder bestens für Trump aus.

Doch vorbei ist das Rennen auch jetzt noch nicht. In einer Woche steht schon wieder ein kleiner "Super Tuesday" an – in Connecticut, Delaware, Pennsylvania, Rhode Island und Maryland wird gewählt. Eine Atempause dürfen sich Clinton und Trump zwar gönnen. Mehr aber nicht – aufgeben werden ihre Konkurrenten nicht. Ted Cruz versuchte am Wahlabend mit einer neuen Rede Schlagzeilen zu machen. Darin verwendete er erstmals einen Slogan, der vertraut klingt: "Yes, we will" lautete der. Er zitierte gar das "Yes, we can", mit dem Barack Obama seine Wahl gewonnen hatte

Quelle: ntv.de