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In der Colonia Dignidad wurden zahlreiche Kinder missbraucht.
In der Colonia Dignidad wurden zahlreiche Kinder missbraucht.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 09. November 2018

Bundesregierung plant Hilfsfond: Colonia-Dignidad-Opfer werden entschädigt

Als landwirtschaftliches Projekt in Chile gegründet, erlangte die deutsche Sektensiedlung Colonia Dignidad wegen ihrer Verbrechen an Kindern traurige Berühmtheit. Nun bietet Deutschland den Opfern Unterstützung an.

Die Bundesregierung will die Opfer der ehemaligen deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad entschädigen. Dafür sind im Bundeshaushalt eine Million Euro eingeplant. Die Mittel wurden vom Haushaltsausschuss in die Vorlage von Finanzminister Olaf Scholz eingearbeitet.

Die Colonia Dignidad war 1961 von dem aus Deutschland geflohenen ehemaligen Wehrmachtsgefreiten und Laienprediger Paul Schäfer in Chile gegründet worden. Zur Zeit der Militärdiktatur von Augusto Pinochet wurden dort bis 1990 zahlreiche Menschen gefoltert, vergewaltigt und getötet. Sektenchef Schäfer wurde 2006 wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Haftstrafe verurteilt. 

Kommission entscheidet über Hilfsfond

Bundeskanzlerin Merkel hatte im Oktober mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera bei dessen Besuch in Berlin eine Aufarbeitung der Vorgänge abgesprochen. In Deutschland wurde eine gemeinsame Kommission von Vertretern des Kanzleramts und mehrerer Ministerien sowie acht Bundestagsabgeordneten eingesetzt.

Die nun zugunsten der Opfer eingeplanten Mittel sind vorerst mit einer Sperre versehen, bis sich die Kommission auf ein Konzept für einen Hilfsfonds verständigt hat. Dieses soll bis zum kommenden Sommer vorliegen. "Gut, dass wir einen Schritt weiter gekommen sind", zeigte sich Grünen-Politikerin Renate Künast zufrieden. "Es geht langsam", aber immerhin seien jetzt "Dinge auf den Weg gebracht" worden.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand erklärte, die Opfer der Colonia Dignidad seien schon zu lange ignoriert worden. Die Entscheidung zugunsten der Gelder für den Hilfsfonds sei nun "ein wichtiger Schritt, denn die Opfer von Zwangsarbeit, Folter und Missbrauch brauchen konkrete Unterstützung". Brand wies darauf hin, dass nun noch im November und Dezember zwei Anhörungen mit Opferverbänden und Experten in Berlin angesetzt seien.

Quelle: n-tv.de