Politik

"Keine bedrohliche Diskussion" Corona-Leugner bei Kretschmer am Zaun

In Sachsen sieht sich Ministerpräsident Kretschmer mit einer Gruppe Corona-Leugnern konfrontiert - am eigenen Gartenzaun. Der CDU-Politiker redet 15 Minuten mit den Menschen, bis eine Frau eine Reichskriegsflagge als Mundschutz aufsetzt.

Eine Gruppe von etwa 30 Menschen hat am Sonntagmorgen vor dem Privatgrundstück des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer in Großschönau gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Nach Polizeiangaben sprach der CDU-Politiker mit ihnen am Gartenzaun. Nach etwa 15 Minuten endete die Debatte und alle Personen verließen den Ort.

"Es war für mich keine bedrohliche Situation. Es ist mir wichtig, mit den Menschen zu reden, in der Hoffnung, sie zu überzeugen", sagte Kretschmer. Als jedoch eine Frau demonstrativ ein Halstuch in den Farben der Reichskriegsflagge über ihren Mund zog, sei für ihn eine Grenze erreicht gewesen. "Dann habe ich das Gespräch abgebrochen. Das ging zu weit", sagte der 45-Jährige. Betroffen habe ihn bei dem Gespräch gemacht, dass die protestierenden Menschen vor seinem Haus einen "derartigen Unwillen zeigen, Realitäten zur Kenntnis zu nehmen".

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Eine Vielzahl der versammelten Menschen trug laut Polizei keinen Mund-Nasen-Schutz und hielt nur teilweise die erforderlichen Abstände ein. Die Beamten stellten die Identitäten der noch Anwesenden fest. Zudem wurde eine Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz gestellt.

Sachsen besonders betroffen

Kretschmer hatte am Wochenende Fehler in der Corona-Politik eingeräumt. Im Herbst sei die Landespolitik aufgrund der allgemeinen Stimmung zu zögerlich gewesen, mit harten Maßnahmen auf die Pandemie zu reagieren, sagte der CDU-Politiker der Chemnitzer "Freien Presse". In der Rückschau wäre es besser gewesen, das Land deutlich früher herunterzufahren, "auch wenn das bestimmt viel Unverständnis in der Bevölkerung ergeben hätte".

Sachsen verzeichnet weiter hohe Fallzahlen. Laut Robert-Koch-Institut liegen fünf der zehn am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Kreise in dem Bundesland. In den Landkreisen Bautzen und Meißen übertrifft die 7-Tage-Inzidenz klar die Marke von 500 Infizierten je 100.000 Einwohner. Auch im Landkreis Görlitz, wo Großschönau liegt, kämpfen die Behörde gegen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt hohe Werte. Dort wurden zuletzt 465 Infizierte je 100.000 Einwohner gemeldet. Für ganz Deutschland liegt die Sieben-Tage-Inzidienz laut RKI bei 167.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa