Politik

Weniger Wohnraum, höhere MietenDIW-Chef: Enteignung von Wohnungskonzernen wäre ein "Fehler"

27.08.2026, 08:25 Uhr
00:00 / 02:41
imago260673960
Berlin hat ein großes Wohnungsproblem. Enteignungen werden es laut Fratzscher nicht lösen. (Foto: IMAGO/Schöning)

Die Debatte um bezahlbaren Wohnraum gewinnt im Berliner Wahlkampf an Schärfe. Nun warnt ein prominenter Ökonom vor weitreichenden Folgen für Mieter, Neubau und die öffentlichen Finanzen – und nennt einen anderen Weg aus der Krise.

Nach Einschätzung von DIW-Chef Marcel Fratzscher wäre die Enteignung von Wohnungskonzernen in Berlin ein "schwerwiegender Fehler". Eine Vergesellschaftung würde letztlich die große Mehrheit der Mieten erhöhen und noch weniger Wohnraum schaffen, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Zudem würden die Kosten der Enteignung dazu führen, dass die Stadt Berlin noch weniger Geld für Investitionen in Schulen und gute Infrastruktur hat. Alle würden einen hohen Preis einer schlechteren Daseinsvorsorge bezahlen", erklärte der Ökonom.

Die Debatte ist ein großes Thema im Berliner Wahlkampf. Der Berliner Landesverband der Linkspartei hat sich zum Ziel gesetzt, große Wohnungskonzerne zu vergesellschaften. In einer jüngsten Forsa-Umfrage liegt die Partei vorn. Andere Parteien wie die CDU sind strikt gegen Enteignungen.

"Berlin hat ein großes Wohnungsproblem und die steigenden Mieten sind inakzeptabel", betont Fratzscher. Die Lösung liege aber in "kluger Regulierung und einer deutlichen Ausweitung des Wohnungsangebots", nicht in Enteignungen.

Auch der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Dieter Dombrowski, kritisierte die Forderung der Berliner Linken nach Enteignung von Wohnungskonzernen. "Was Verstaatlichung für Folgen hat, konnte man vor 1989 in ganz Osteuropa und der DDR sehen", sagte er dem RND. "Wohnungen gab es damals keine. Und wenn es welche gab, dann waren sie in einem jämmerlichen Zustand - mit Ausnahme der Neubauten. Deshalb ist die Forderung nach Verstaatlichung von Wohnungsgesellschaften auch aus historischen Gründen falsch. Die Lösung des Problems kann nur darin bestehen, Wohnungen zu bauen." Der Chef des Dachverbandes der DDR-Opferverbände fügte hinzu: "Verstaatlichungen sind der Weg zum Sozialismus. Er macht nicht alle gleich, aber alle gleich arm."

Quelle: ntv.de, mba

DIWBerlinMieteWohnung