Politik

Viele Serben begrüßen Angriff "Das Böse hat die Grenzen Russlands erreicht"

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Gehen in Belgrad gerade wie geschnitten Brot über die Theke - T-Shirts mit Putins Konterfei.

(Foto: AP)

In Serbien haben viele Bürger eine klare Haltung zum Angriff Russlands auf die Ukraine - sie unterstützen sie: "Die Russen, unsere Brüder, befreien das Land - und hoffentlich auch die Welt," so der Tenor. Andere schämen sich aber auch. Und Präsident Vucic bleibt schwammig.

"Serben und Russen, Brüder für immer", riefen die Demonstranten. Während sich in anderen europäischen Städten Hunderttausende mit der Ukraine solidarisieren, unterstützen viele Serben den russischen Angriff auf das Nachbarland. Die Regierung in Belgrad, wo Bundesaußenministerin Annalena Baerbock an diesem Freitag zu einem Besuch erwartet wird, bringt dies in ein Dilemma.

Der Demonstrant Marko Vezmar befürwortet den Krieg Wladimir Putins - und das zeigt er auch allen: Auf seinem T-Shirt ist der russische Präsident samt Gewehr abgebildet. "Das Böse hat die Grenzen Russlands erreicht und ohne die Invasion hätte es einen Weltkrieg gegeben", rechtfertigt er den Angriff.

"Ich schäme mich!"

Putin-Shirts sind in Belgrader Geschäften gerade der Renner. "In den vergangenen Wochen haben sich diese T-Shirts mit Abstand am besten verkauft", sagt ein Kioskbetreiber. Die Historikerin Dubravka Stojanovic ist entsetzt: "Ich schäme mich, dass mein Land sich nicht dem Rest der Welt angeschlossen hat, der die Invasion verurteilt." Seit Jahrhunderten sind Serbien und Russland eng verbunden, durch das gemeinsame slawische und orthodoxe Erbe bis hin zu ihrer Allianz während der beiden Weltkriege. Der Einfluss Moskaus ist noch immer groß, nicht zuletzt wegen des russischen Öls und Gases, die Serbien versorgen.

Der Angriff auf die Ukraine scheint für viele Serben kein Grund, vom Freund und Gönner Russland abzurücken. Die regierungsnahen Medien verbreiten seit Wochen die Botschaften des Kreml. "Sie haben Putin in Serbien zu einem Rockstar gemacht", sagt der Politikwissenschaftler Vuk Vuksanovic

Präsident Aleksandar Vucic scheut derweil eine klare Haltung. Bei den Vereinten Nationen verurteilte Serbien den russischen Angriff, den EU-Sanktionen will sich das Land jedoch nicht anschließen. Anfang April sind Parlaments- und Präsidentschaftswahlen, da will Vucic keine pro-russischen Wähler abschrecken. Andererseits will Serbien der EU beitreten. "Ich bin in den letzten drei Tagen um zehn Jahre gealtert", sagte Vucic in einer Radiosendung. "Unser Land hat eine Position und solange wir können, werden wir sie bewahren."

Ehrenbürger Putin

"Was die Regierung am meisten fürchtet, ist das interne Chaos, das ausbrechen würde, wenn Serbien sich für eine Seite entscheidet", sagt Politikwissenschaftler Vuksanovic. "Sie hat Angst, nicht nur die pro-russischen Teile der Wählerschaft zu verprellen, sondern auch die Kirche, die Armee und den Geheimdienst."

Moskau ist Belgrads engster Verbündeter beim Anspruch auf die abtrünnige Provinz Kosovo, weil es die Unabhängigkeit des Gebiets bei der UNO blockiert. In einer Umfrage des Institute for European Affairs aus dem Jahr 2021 betrachteten 83 Prozent der serbischen Befragten Moskau als "Freund". Putin wurde in rund einem Dutzend serbischer Städte zum Ehrenbürger ernannt.

Die meisten Serben teilen auch die tief sitzende Feindseligkeit Russlands gegenüber der NATO. Sie haben die Bombenangriffe der Allianz während des Jugoslawienkriegs 1999 nicht vergessen. Bei den pro-russischen Demonstrationen in Belgrad riefen sie Parolen gegen die NATO. "Die Ukraine wird von den Neonazis befreit", sagt der 22 Jahre alte Nikola Babic, einer der Demonstranten. "Die Russen, unsere Brüder, befreien das Land - und hoffentlich auch die Welt."

Quelle: ntv.de, Miodrag Sovilj, AFP

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