Politik

Folgt Donald Trump auf Barack Obama? "Das wäre ein großer Unterschied"

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Am 8. November wählen die US-Amerikaner einen Nachfolger für Barack Obama.

(Foto: n-tv.de/dpa/AP)

Barack Obama hat die USA weltoffener gemacht. Das sagt jedenfalls der Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland, John B. Emerson. Obama habe Reformen angeschoben und die Wirtschaft zum Laufen gebracht. Im Interview mit n-tv erklärt Emerson, warum er einen möglichen Präsidenten Trump kritisch sieht.

n-tv: Sind Sie überrascht, dass Donald Trump tatsächlich das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner gewonnen hat?

John B. Emerson: Ja. Wenn Sie mich das vor einem Jahr gefragt hätten, dann hätte ich das nicht erwartet. Ich denke, das gilt auch für die meisten anderen amerikanischen Politiker. Ich denke, dass man sogar im Februar, als das alles angefangen hat, noch nicht damit gerechnet hat.

Woran liegt das?

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John B. Emerson, Jahrgang 1954, ist seit drei Jahren Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland.

(Foto: dpa)

Donald Trump hat sich wirklich mit sehr vielen Amerikanern verbünden können. Mit Amerikanern, die das Gefühl haben, dass sie nicht ernst genommen werden und dass sie in den letzten 10 bis 20 Jahren einfach zurückgelassen wurden. Das hat ihm geholfen, jetzt die Nominierung zu gewinnen.

Unabhängig davon, wer es nun wird – welche Arbeitsfelder hinterlässt Barack Obama seinem Nachfolger oder eben der Nachfolgerin?

Was er hinterlässt, ist eine sehr viel gesündere Wirtschaft als vor acht Jahren. Es gab während seiner Präsidentschaft die längste Phase der nachhaltigen Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. Obama hinterlässt auch ein positives Erbe im Bereich des Klimaschutzes. Und er hat wesentlich intensiver mit unseren Partnern zusammengearbeitet, wenn es darum geht, die weltweiten Herausforderungen anzugehen.

Gilt das auch für das deutsch-amerikanische Verhältnis?

Das gilt ganz besonders auch hier für Deutschland. Obama hinterlässt gute und starke persönliche Beziehungen zu unseren Verbündeten und Freunden.

Das sieht Donald Trump aber anders.

Ja. Interessant ist, dass die Vereinigten Staaten, die von Präsident Obama neu aufgestellt wurden, nicht in der Rede gestern Abend dargestellt wurden. Die Rede gestern Abend von Trump betraf vielmehr die negativen Sorgen, die viele Amerikaner haben. Es war nicht gerade eine optimistische Rede bei der Annahme der Nominierung.

Bei einem Präsidenten Trump würde sich ja sicherlich einiges verändern. Was würde das für die Projekte der Obama-Ära bedeuten, zum Beispiel für Obamacare?

Nun, Trump hat gesagt, dass er Obamacare abschaffen würde. Das ist ein sehr wichtiges Thema gewesen in der Politik der republikanischen Partei, eine ganze Weile schon. Trump würde sich wahrscheinlich auch von den Handelsabkommen entfernen, von denen einige schon seit 20 Jahren bestehen. Vielleicht würde er sich auch abwenden von dem Abkommen mit dem Iran über Atomwaffen. Es würde wahrscheinlich bedeuten, dass jemand im Weißen Haus sitzt, der nicht wirklich glaubt, dass die Erderwärmung ein Problem ist, der den Klimawandel nicht ernst nimmt. Und ganz besonders würde es bedeuten, dass Donald Trump für eine Abkehr von der langjährigen überparteilichen politischen Traditionen der USA wäre.

Würde sich die Rolle der USA im Weltgefüge verändern?

Die Interessen der Vereinigten Staaten sind auf einem Fundament aufgebaut, das starke Beziehungen zu Europa, ein Bekenntnis zur Nato und ein Bekenntnis zum internationalen Handel bedeutet. Um Wohlstand aufzubauen. Nicht nur bei uns, sondern auch woanders. Das ist natürlich eng mit unserer nationalen Sicherheit verbunden. Donald Trump – und das gilt auch für seine Unterstützer und auch für die von Bernie Sanders in den Vorwahlen der Demokraten – steht eher für isolationistische Tendenzen, die viele Amerikaner haben, die sich mehr auf das Land selbst konzentrieren wollen, anstatt offen nach außen zu sein und sich mehr in der Welt zu engagieren. Ich glaube, das wäre ein großer Unterschied.

Hat Donald Trump eine realistische Chance, die Präsidentschaftswahlen im November zu gewinnen?

Natürlich. Ich glaube, dass jeder Nominierte einer Partei in diesem Stadium eine realistische Chance hat. Wenn Sie sich die Umfragen ansehen, dann liegt Hillary Clinton zwar tatsächlich vorne. Aber dann gibt es ja einige Swing States und es gibt noch viele offene Fragen. Werden ihre Unterstützer sich durchsetzen oder wird Donald Trump es schaffen, neue Wähler für sich zu gewinnen, die vielleicht im Jahr 2012 nicht gewählt haben? Die nicht Mitt Romney gewählt haben, aber die ihn jetzt wählen werden? Ich habe das schon seit über einem Jahr gesagt: Das wird ein sehr enges Rennen. Ich glaube, dass das eine der spannendsten und interessantesten Wahlen seit Langem wird.

Quelle: ntv.de