Politik
Die Dschihadisten "jagen jeden einzelnen", berichtet ein Iraker.
Die Dschihadisten "jagen jeden einzelnen", berichtet ein Iraker.(Foto: dpa)
Dienstag, 25. August 2015

Vom Dach gestoßen und gesteinigt: Der IS jagt Homosexuelle

Erstmals beschäftigt sich der UN-Sicherheitsrat mit einer bisher unbeachteten, vom IS verfolgten Gruppe von Menschen: Homosexuellen. Betroffene kommen zu Wort. Was sie zu berichten haben, ist erschreckend.

Der UN-Sicherheitsrat hat sich erstmals mit Gewalttaten der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gegen Homosexuelle befasst. Bei einem informellen Treffen schilderten Betroffene aus dem Irak und Syrien, wie sie wegen ihrer sexuellen Orientierung gejagt werden. In seiner Heimatstadt Idlib würden Schwule von Hausdächern gestoßen und von Anwohnern gesteinigt, berichtete Subhi Nahas, der aus Syrien in die USA fliehen konnte.

"Im IS-Gebiet werden Schwule die ganze Zeit gejagt und getötet", sagte Nahas. Die Leiterin der Internationalen Kommission für die Rechte von Schwulen und Lesben, Jessica Stern, sagte, die Extremisten hätten sich zur Enthauptung von mindestens 30 Menschen wegen "Unzucht" bekannt. Adnan, ein Iraker, der per Telefon zugeschaltet war, berichtete von brutalen Übergriffen der irakischen Sicherheitskräfte, bevor der IS die Kontrolle in seiner Heimatregion übernahm. Die Dschihadisten gingen noch professioneller vor: Sie lokalisierten die Homosexuellen gezielt und "jagen jeden einzelnen".

US-Botschafterin Samantha Power lobte das Treffen des Sicherheitsrats als "historisch". 70 Jahre nach Gründung des Gremiums sei es höchste Zeit, dass das Schicksal von Homo- und Transsexuellen ins Rampenlicht rücke, "die rund um die Welt um ihr Leben fürchten".

Das Treffen stand allen UN-Staaten offen, die nicht-ständigen Sicherheitsratsmitglieder Angola und Tschad schickten aber keine Vertreter in die Runde. Nahas nutzte die Gelegenheit, um die Regierungen zum Schutz von sexuellen Minderheiten aufzurufen - auch in der arabischen Krisenregion.

Quelle: n-tv.de