Politik

CDU-Sieger Armin Laschet Der "Wackeldackel" hat gewonnen

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Armin Lauschet genießt den Wahlabend in Düsseldorf.

(Foto: REUTERS)

Noch vor einigen Wochen war Armin Laschet abgeschrieben: als schlechter Wahlkämpfer, als chancenloser Herausforderer von Hannelore Kraft. Am Wahlabend triumphiert der Mann aus Aachen.

Armin Laschet setzt an: "Wir haben zwei ….", sagt er. Keine Chance. Seine Stimme erstickt im Jubel in der nordrhein-westfälischen CDU-Zentrale. Laschet steht mit rotem Kopf da. Als der Lautstärkepegel es wieder zulässt, spricht er weiter: "Wir haben zwei Wahlziele gehabt: Rot-Grün beenden und stärkste Partei werden. Beides ist uns gelungen." Seine Anhänger rufen: "Armin, Armin, Armin". Der Gefeierte lacht und seine Augen schrumpfen zu kleinen Schlitzen. Breiter kann man nicht strahlen. Laschet kann es immer noch nicht ganz fassen, was da gerade geschieht. Die CDU ist stärkste Kraft und er der neue Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Er hat geschafft, was bis vor kurzem unmöglich schien, was ihm viele nicht zugetraut haben.

Zeitgleich tritt in diesen Minuten um kurz vor halb sieben die noch amtierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf die Bühne der SPD-Wahlparty. Nur dass von Party keine Rede sein kann. Die Sozialdemokraten haben an diesem Abend gut 30 Prozent geholt, es ist das schlechteste Ergebnis in NRW seit der Gründung des Bundeslandes. Kraft tritt mit gequältem Lächeln und feuchten Augen vor das Mikrofon. Sie gratuliert Laschet und wünscht ihm "eine gute Hand für unser Land". Kurz darauf kommen die Sätze, auf die an diesem Abend viele warten. Kraft übernimmt die persönliche Verantwortung. Sie erklärt ihren Rücktritt, vom Landesvorsitz und aus dem Vorstand der Bundes-SPD. Es ist wohl das politische Ende der Hannelore Kraft. Ihr Mandat will sie allerdings behalten.

Es ist erst ein paar Wochen her, da schien es, als sei die NRW-Wahl ein ungleiches Duell zwischen der übermächtigen Landesmutter Kraft und ihrem chancenlosen Herausforderer. Noch im März lag die SPD in Umfragen bei 40 Prozent, mehr als zehn Prozentpunkte vor der CDU. Bei der Direktwahl und den Popularitätswerten lag Kraft noch deutlicher vor ihrem Kontrahenten. Seit feststeht, dass Laschet die CDU als Spitzenkandidat in den Wahlkampf führen soll, wird er von Zweifeln begleitet. Auch in der eigenen Partei haben sie mit ihm gehadert. Zu brav, zu blass, nicht stark genug, um gegen die charismatische Kraft zu siegen - so war die Sorge vieler Unionspolitiker.

Applaus für den Neuen

Der SPD spielte das in die Karten. Im Landtagswahlkampf 2012 hatte Kraft gegen den schwachen CDU-Mann Norbert Röttgen gepunktet. Und nun also erneut ein schwacher Kandidat. Ähnlichkeiten ließen sich kaum übersehen. Wie Röttgen tat sich Laschet im Wahlkampf, in den Fußgängerzonen und auf den Marktplätzen im Rheinland und im Ruhrgebiet schwer. SPD-Politiker lästerten im Wahlkampf eifrig. Christian Lindner sei in den zurückliegenden fünf Jahren der wahre Oppositionsführer gewesen, ätzten sie. Wegen seiner angeblichen Sprunghaftigkeit verhöhnten sie Laschet als "Wackeldackel". Die SPD fühlte sich zu sicher. Ende April sah die erste Umfrage plötzlich SPD und CDU gleichauf. In den beiden jüngsten Umfragen lagen die Christdemokraten sogar vorn – und am Wahltag auch.

Laschet hat das Rennen gedreht. In der Union müssen sie ihm dankbar sein. In der Ära Merkel haben CDU und CSU bisher nur Ministerpräsidenten verloren. Jetzt gewinnen sie zwei innerhalb von nur einer Woche. Der Wahlsieg im größten deutschen Bundesland ist die bestmögliche Generalprobe für die Bundestagswahl. Die Wechselstimmung war groß genug, dass die CDU am Ende gar keinen herausragenden Wahlkämpfer gebraucht hat. Den Ausweis seiner Klasse muss Laschet noch erbringen. In fünf Jahren wird man vielleicht beurteilen können, ob er ein guter Ministerpräsident ist. Im besten Fall wird er sich möglicherweise weiterhin erlauben können, nur ein mittelmäßiger Wahlkämpfer zu sein.

Hannelore Kraft erlebt einen bitteren Abend. Um kurz vor sieben fährt ihre Limousine am Landtag vor. Gestresst hetzen sie und ihr Tross vorbei an Kameraleuten und Fotografen Richtung Landtag, wo in wenigen Minuten die Elefantenrunde der Spitzenkandidaten beginnen soll. Kaum hat Kraft das Gebäude betreten, hält erneut ein Auto vor dem Parlament. Laschet steigt aus. Einige klatschen. Laschet hat keine Eile. Er gibt noch ein Interview, bevor er erstmals als designierter Ministerpräsident den Landtag betritt. So schnell können sich die Dinge ändern.

Quelle: n-tv.de

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