Politik

Drohnenstratege Robert Browdi Der Kommandeur, der Russen das Fürchten lehrt

11.06.2026, 12:28 Uhr
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Browdi, hier in seinem geheimen Bunker, hat ein Ziel: Mehr russische Soldaten töten, als Moskau mobilisieren kann. (Foto: AFP)

Er ist einer der wichtigsten Ukrainer im Krieg: Robert Browdi, Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte. Selbst russische Militäranalysten zollen ihm widerwillig Respekt. Er habe "die effektivste Formation ihrer Art" geschaffen, heißt es.

Nur einige wenige dürfen wissen, wo Robert Browdi sich aufhält. Der Weg zu seinem unterirdischen Posten irgendwo in der Ukraine muss deshalb in einem Auto mit abgedunkelten Scheiben zurückgelegt werden. Browdi ist für Kiew einer der wichtigsten Männer im Krieg: Er kommandiert die ukrainischen Drohnenstreitkräfte, die den russischen Angreifern schwer zusetzen.

Die Wände in seinem Kommandobunker hängen voller blinkender Bildschirme. Jeder Angriff wird aufgenommen und analysiert, um die Strategien für den Drohnenkampf weiterzuentwickeln. Schon jetzt ist die Ukraine damit ziemlich erfolgreich. Vergangene Woche sorgten Attacken in St. Petersburg für Aufsehen - just in dem Moment, als der russische Präsident Wladimir Putin dort einen internationalen Wirtschaftsgipfel ausrichtete. Weitere Angriffe mit den unbemannten Fluggeräten entfachten Brände in Ölanlagen Hunderte Kilometer hinter der Front.

Russische Militäranalysten zollen widerwillig Anerkennung. Andrej Medwedew, Blogger und Reporter für russische Staatsmedien, nennt Browdi "einen gefährlichen, überzeugten und professionellen Feind". Der Betreiber des Telegram-Kanals Rybar attestiert ihm, "die effektivste Formation ihrer Art" geschaffen zu haben. Browdis Drohnenstreitkräfte behaupten, für 30 bis 35 Prozent aller zerstörten russischen Ziele verantwortlich zu sein - obwohl sie nur zwei Prozent der ukrainischen Armee ausmachen.

In der Ukraine ist Browdi besser bekannt unter seinem Kampfnamen "Madyar" - eine Anspielung auf seine Zugehörigkeit zur ungarischen Minderheit. Bis zum Februar 2022 hatte Browdi nichts mit dem Militär zu tun. Vor der russischen Vollinvasion verdiente er gutes Geld als Getreidehändler.

Gründete eigene Drohnenstaffel

Doch dann meldete er sich freiwillig zum Kampf und gründete im Mai 2022 seine eigene Drohnenstaffel "Madyars Vögel" - lange bevor die meisten die volle Bedeutung dieser Technologie erkannten. Zwei Jahre später schuf die Ukraine die weltweit erste Einheit für unbemannte Kampfsysteme, zu deren Kommandeur Präsident Wolodymyr Selenskyj Browdi vergangenes Jahr ernannte.

Browdis Aufstieg ist ein Beispiel dafür, wie sich die Ukraine mit Innovation der zahlenmäßig überlegenen russischen Armee entgegenstellt. "Ich habe mein Buchhaltungssystem einfach an den Krieg angepasst", berichtet er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben die Namen der Getreidesorten in der Tabelle durch Drohnen- und Munitionstypen ersetzt."

Im fensterlosen Bunker klingelt ständig Browdis Telefon, er läuft von einem Team zu nächsten. Eigentlich möge er keine Interviews, grummelt der 50-Jährige in seinen langen grauen Vollbart. Doch als er auf Mathematik und Krieg zu sprechen kommt, hellt sich sein Gesicht auf. "Zahlen sind die Grundlage des Krieges. Damit fängt alles an. Wer das nicht beachtet, kann dieses Spiel nicht spielen", sagt er. Mehr russische Soldaten zu töten, als Moskau mobilisieren kann, ist seine Strategie für den Sieg.

Daten aus Videos ausgewertet

Um die Wirksamkeit der Angriffe zu verbessern, stützt sich Browdi auf Daten aus den Videos von den Angriffen. Sie zeigen ukrainische Drohnen, die fliehende russische Truppen durch Felder und Wälder nahe der Front jagen, bis die Übertragung beim Aufprall abbricht. Einige der Aufnahmen veröffentlicht er, unterlegt mit Musik und spöttischen Kommentaren, in seinen Social-Media-Kanälen, wo ihm Hunderttausende folgen. Manche in der Ukraine finden die Videos moralisch fragwürdig. Rechtsexperten zufolge könnten sie als Kriegsverbrechen gemäß der Genfer Konvention gewertet werden.

Vor dem Krieg leitete Browdi eine Kunststiftung in seiner Heimatregion Transkarpatien. Jetzt hat er den Bunker mit Werken renommierter ukrainischer Maler dekoriert. "Kunst erdet uns und lenkt uns von den Umständen ab, die uns hierher gebracht haben", sagt er. Die Bilder vermittelten ihm ein Gefühl von Heimat, in die er aus Sicherheitsgründen nicht mehr zurückkehren kann.

Seine Frau meldete sich drei Monate nach ihm zum Militär und arbeitet ebenfalls für "Madyars Vögel". Die Erfolge seiner Einheit würden die persönlichen Opfer aufwiegen, sagt der Vater von zwei Kindern. "Es gibt diesen kurzen Moment der Genugtuung, wenn man die Rache selbst in die Hand nimmt, zum Controller greift, und das Ergebnis seiner Arbeit mit eigenen Augen sieht."

Quelle: ntv.de, Barbara Wojazer, AFP

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