Politik

Müller im "ntv Frühstart" "Deutsche Hilfe ist unglaublich willkommen"

Das Coronavirus ist auch in Entwicklungsländern in Lateinamerika und Afrika angekommen und wütet dort mit dramatischen Folgen für die Menschen. Um zumindest die akute Not zu lindern, schickt das Bundesentwicklungsministerium nun Experten und Test-Kits in die betroffenen Länder.

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie schickt Deutschland gezielt Ärzte und Labormaterial in Länder, die Hilfe bei der Bekämpfung des Virus brauchen. Nach Angaben von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller fragten derzeit über zehn Länder nach akuter Hilfe, darunter Togo und Peru. Die nächsten Einsätze der sogenannten "Schnell Einsetzbaren Expertengruppe Gesundheit" (SEEG) seien in circa einer Woche geplant. "Unsere Sondereinsatzgruppe, ich nenne sie Weißhelme, sind Ärzte und Laborwissenschaftler, die mit Test-Kits unser Wissen in diese Länder bringen und Soforthilfe leisten", sagte Müller im "ntv Frühstart".

Der Bedarf in diesen Ländern sei riesig, so Müller weiter. "Diese Länder haben praktisch null Testkapazitäten, kaum Laborkapazitäten und hier sind wir als Expertenteam mit unseren Leuten willkommen." Pro Einsatz reisen etwa zwei bis sechs Experten für zwei Wochen in die entsprechenden Länder. Die Experten kämen aus der Forschung (Robert-Koch-Institut), der Medizin (Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin) sowie dem EZ-Traineeprogramm der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Aktuell seien auch Experten von der Charité mit an Bord.

Derzeit bereite man auch einen Einsatz im brasilianischen Manaus vor, wo sich die Lage täglich verschlechtert. "Nachdem sich die Krise in Europa etwas entspannt, gibt es auch Kapazitäten", so Müller. "Der nächste Schritt wird sein, dass wir Beatmungsgeräte liefern und damit zum Überleben beitragen." Bis jetzt seien schon über 240.000 Corona-Test-Kits an Partnerländer übergeben worden. Nach Angaben des Ministeriums sei die "SEEG" nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der weltweit zweitgrößte Verteiler von Tests. "Sie glauben nicht, wie willkommen deutsche Hilfe ist", sagte Müller.

"Haben es mit dramatischer Hungerkrise zu tun"

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Der Minister betonte auch, wie dramatisch die wirtschaftliche Lage wegen der Coronavirus-Pandemie in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern sei. "Durch das Zusammenbrechen der Wirtschaft haben wir es mit einer dramatischen Hungerkrise in afrikanischen, aber auch in lateinamerikanischen Ländern zu tun." Die meisten Menschen vor Ort seien nicht in festen Beschäftigungsverhältnissen angestellt und müssten täglich auf die Straße gehen, um ihr Geld zu verdienen. "Das geht jetzt alles nicht mehr", erklärte Müller. "In Guatemala hängen weiße Fahnen aus den Fenstern. Das heißt nicht, dass das Virus angekommen ist, sondern der Hungertod."

Mit Blick auf die gesundheitlichen Auswirkungen des Virus könne man in Afrika die vorsichtige Hoffnung haben, dass die Länder aufgrund ihrer jungen Bevölkerung und aufgrund des Klimas nicht so "dramatisch getroffen werden wie Spanien oder Italien. Sonst gäbe es Millionen von Toten", sagte Müller. Zur sich täglich verschlechternden Lage in Brasilien sagte der Minister, dies sei die Folge, "wenn die Regierenden sagen, es [das Virus] ist keine Gefahr, und die ganzen Vorsichtsmaßnahmen nicht umgesetzt werden."

Quelle: ntv.de, psa