Politik

Deutliches TrendbarometerDeutsche mehrheitlich gegen eigene Atomwaffen

03.02.2026, 14:27 Uhr
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Russland verfügt über ein großes Atomwaffenarsenal, hier eine mobile Rakete vom Typ Yars. Braucht Deutschland das jetzt auch? (Foto: picture alliance/dpa/Russisches Verteidigungsministerium/AP)

Atomwaffen sind so etwas wie die Lebensversicherung der internationalen Politik. Wer sie hat, schreckt Drohungen glaubhaft ab. Zugleich ist es die tödlichste, verheerendste Waffe, die es gibt. Braucht Deutschland sie in der neuen Weltordnung?

Spätestens seit US-Präsident Donald Trump mit der Annexion Grönlands drohte, läuft die Debatte: Kann man sich noch auf die Nato verlassen? Gilt das gegenseitige Beistandsversprechen noch? Das betrifft insbesondere den Schutz Deutschlands durch US-Atomwaffen. Seitdem Russland vom einigermaßen friedlichen Gaslieferanten zur aggressiven Gefahr wurde, ist die Frage wieder hochaktuell.

Was bedeuten die Nato-Zweifel für Deutschland? Braucht das Land nun eigene Atomwaffen? Die große Mehrheit der Menschen im Land beantwortet diese Frage mit nein. In einem aktuellen Trendbarometer von Forsa für RTL und ntv lehnen 68 Prozent deutsche Nuklearraketen oder -bomben ab. In Ostdeutschland ist die Ablehnung noch größer: 77 Prozent sind dagegen, im Westen sind es 66.

Quer durch die Parteienlandschaft können sich nur wenige mit deutschen Atomwaffen anfreunden. Am größten ist die Zustimmung noch bei CDU und CSU (39 Prozent) und in der AfD-Anhängerschaft (28 Prozent). Bei den Wählern von SPD, Grüne und Linken finden sich nur wenige, die dem etwas abgewinnen können. Die Zustimmung liegt bei 20 Prozent oder weniger.

Zustimmung vor einem Jahr größer

Bereits in den vergangenen beiden Jahren stellte Forsa diese Frage. Die Ablehnung eigener Atomwaffen bewegte sich jedes Mal auf dem gleichen hohen Niveau. Im vergangenen März gab es allerdings einige Befürworter mehr. Damals waren 31 Prozent dafür und "nur" 64 Prozent dagegen.

Eine Rede von US-Vizepräsident JD Vance auf der Münchener Sicherheitskonferenz hatte viele in Deutschland schockiert. Der Republikaner hatte Europa scharf kritisiert und eine angeblich bedrohte Meinungsfreiheit zum Vorwurf gemacht.

Ende Februar waren Vance und Trump im Weißen Haus mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor laufenden Kameras in Streit geraten. Selenskyj musste seinen Washington-Besuch daraufhin abbrechen. Beide Ereignisse führten zu einer Debatte, ob das Ende der Nato bevorstehe.

Derzeit sind Atomwaffen für Deutschland laut Kriegswaffenkontrollgesetz verboten. Im Atomwaffensperrvertrag verpflichtete sich die Bundesregierung 1975 auf Atomwaffen zu verzichten, was bis heute gilt. Deutschland verfügt aber über die "nukleare Teilhabe" im Verbund mit den Vereinigten Staaten. Verkürzt bedeutet das, dass deutsche Flugzeuge US-Atombomben transportieren und abwerfen dürfen. Deswegen lagern US-Atombomben seit dem Kalten Krieg in Deutschland.

Quelle: ntv.de, vpe/lst

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