Politik

Die große Ungleichheit Deutsche wollen eine andere Bildung

Schüler auf dem Weg zu ihrer Grundschule. Foto: Bernd Wüstneck/Archivbild

Eine Mehrheit der Deutschen ist dafür, dass Kinder sechs Jahre zur Grundschule gehen sollten.

(Foto: Bernd Wüstneck/dpa)

Chronischer Lehrermangel, altersschwache Technik, zu große Klassen – viele Landesregierungen in Deutschland scheinen Bildungspolitik eher nebenbei zu betreiben. Dabei entspricht das überhaupt nicht dem Willen ihrer Bürger, wie das neue Ifo-Bildungsbarometer belegt.

Beinahe alle Deutschen wollen bessere Bildungschancen für Lernschwache und Kinder aus armen Familien. 94 Prozent der Befragten sprechen sich im Bildungsbarometer 2019 dafür aus. Das Ifo-Institut hat 4000 Deutsche zur aktuellen Bildungspolitik befragt. 

Der Umfrage zufolge würden 71 Prozent der Deutschen mehr Steuergeld für die Bildung akzeptieren. Damit hätte die Politik beinahe die gesamte Bevölkerung hinter sich, um das Bildungssystem so zu verändern, dass gleiche Chancen für alle herrschen könnten. Seit Jahren wird Deutschland in internationalen Studien dafür kritisiert, dass die Bildungschancen unfair verteilt sind. In einer Erhebung aus dem Jahr 2018 hinkten die Mathematikleistungen von Schülern aus sozial schwachen Familien durchschnittlich etwa vier Schuljahre hinter den Leistungen aus sozial bessergestellten Familien hinterher.

86 Prozent der Deutschen finden, dass ungleiche Chancen für Kinder aus ärmeren Familien ein Problem seien. Noch stärker nehmen die Menschen den Missstand bei Einwandererkindern wahr. Hier sehen 91 Prozent schlechtere Bildungschancen als problematisch an.

Die Bevölkerung hat aber nicht nur ein Gespür für die nachgewiesen unfaire Chancenverteilung in Deutschland. Sie hat auch Willen zur Veränderung. So unterstützen 81 Prozent der Deutschen mehr Ausgaben für benachteiligte Schulen. 78 Prozent sind dafür, Kindergartenplätze ab dem Alter von vier Jahren grundsätzlich kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Ein solches Niveau erreichen schon jetzt einige Bundesländer wie etwa Berlin.

Die Mehrheit der Deutschen will eine Kitapflicht

Etwas weniger Menschen, 67 Prozent der Befragten, befürworten einen verpflichtenden Kitabesuch ab dem vierten Lebensjahr. Frühkindliche Bildung für alle gilt als ein zentraler Schlüssel für faire Chancen in der Schullaufbahn, allen voran zeigt das eine US-amerikanische Langzeitstudie. Die Untersuchung des Nationalen Instituts für Kindergesundheit belegt, dass eine gute Kita besonders nützlich ist für Nachwuchs, der zu Hause kaum angeregt wird. Zwei Drittel der Deutschen sehen das auch so. Die Forderung nach Kitapflicht ist allerdings rechtlich schwer umzusetzen – das garantierte Erziehungsrecht der Eltern steht dagegen. Zurzeit stehen deutschlandweit auch nicht genug Kitaplätze zur Verfügung.

Das "Gute Kita-Gesetz" der Bundesregierung, seit Januar in Kraft, kommt in der Bevölkerung sehr gut an. 83 Prozent der Befragten sprechen sich für das Gesetz aus, mit dem der Bund 5,5 Milliarden Euro in die Qualitätsverbesserung von Kitas investiert. Welche Maßnahmen die Länder mit dem Geld finanzieren, können sie selbst entscheiden. Unter den Befragten fanden neben verringerten Kitagebühren auch ein höheres Gehalt für Erzieher und kleinere Gruppen eine Mehrheit.

In der Grundschule erscheint den meisten Deutschen das Ganztagsschulsystem als eine gute Strategie, um Bildungschancen auch für benachteiligte Kinder zu erhöhen. 56 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, dass alle Kinder bis 15 Uhr zur Schule gehen sollten. 61 Prozent unterstützen die Idee, dass Kinder sechs statt wie meist üblich vier Jahre gemeinsam zur Grundschule gehen.

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Quelle: n-tv.de, fni

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