Politik

"Militärischer Wert ist enorm"Deutscher Nato-General schwärmt von Palantirs KI-System

16.05.2026, 17:12 Uhr
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General Rohrschneider kommandiert ein Logistik-Kommando der Nato. (Foto: picture alliance/dpa)

"Wer das nicht hat, hat auch keine Aussicht auf Erfolg", sagt der deutsche Sterne-General Rohrschneider. Er ist überzeugt: Kann ein Militär heutzutage seine Erkenntnisse nicht mit der Hilfe von KI verarbeiten, sei es verloren.

Der deutsche Nato-General Kai Rohrschneider hat die Software Maven Smart des umstrittenen US-Herstellers Palantir gelobt. In der "Schwäbischen Zeitung" nannte der Kommandeur des Nato-Mobilitätskommandos in Ulm (JSEC) den militärischen Wert solcher Systeme "enorm". Die Beschleunigung von Prozessen und die Verschlankung von Strukturen seien "signifikant".

Das KI-gestützte Programm unterstützt bei der Analyse von Daten aus Drohnen, Satelliten und Sensoren. So sollen militärische Ziele besser und vor allem schneller erfasst werden. Mitgegründet wurde das US-Unternehmen Palantir von Techmilliardär Peter Thiel. Er stammt aus Deutschland und ist ein wichtiger Unterstützer von US-Präsident Donald Trump.

Der Drei-Sterne-General Rohrschneider sagte zu der Software: "Obwohl wir noch dabei sind, Maven Smart einzuführen, ist jetzt schon zu sagen: Der militärische Wert solcher Systeme ist enorm." Der eigentliche Fortschritt bestehe darin, dass Menschen weniger Zeit mit dem Sammeln, Sortieren und Organisieren von Daten verbringen müssten. "Diese Systeme übernehmen große Teile dieser Organisation von Daten. Dadurch gewinnen Kommandos Zeit für Analyse, Bewertung und Entscheidungen."

Angst vor Abhängigkeit von US-Diensten wächst

Rohrschneider betonte, dass es eine Entscheidung der Nato gewesen sei, Maven Smart zu nutzen. Er habe als Kommandeur eines Nato-Kommandos keinen Einfluss auf solche Entscheidungen des Bündnisses. Das Militärbündnis setzt Maven Smart in seinen Kommandos für die Erstellung des militärischen Lagebildes, Logistik und Zielerfassung ein.

KI-gestützte Datenverarbeitung sei für die moderne Kriegsführung eine entscheidende Voraussetzung, so der General. Angesichts der Geschwindigkeit heutiger Konflikte sagte er: "Meine feste Überzeugung ist: Wer das nicht hat, hat auch keine Aussicht auf Erfolg auf der taktischen wie auf der operativen Ebene." Der Erfolg der Ukrainer im russischen Angriffskrieg beruhe zu einem großen Teil darauf, "dass sie so gut vernetzt sind und KI-gestützt Daten verarbeiten".

Kritik an Palantir kommt vor allem von Menschenrechtlern und Datenschützern. Sie hängt sich auch an dem christlich-fundamentalistischen Tech-Investor Thiel auf. Er wird unter anderem wegen der Aussage kritisiert, Freiheit und Demokratie seien unvereinbar. Auch wegen seiner zentralen Rolle bei der umstrittenen US-Abschiebebehörde ICE wächst Kritik an dem Unternehmen.

Palantir, für deren Analysetool "Gotham" sich Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg entschieden haben, betonen zwar stets, die vollständige Datenhoheit liege bei der jeweiligen Polizeibehörde. IT-Fachleute treibt angesichts von Spannungen im transatlantischen Verhältnis jedoch zunehmend die Sorge um, dass politischer Druck eines Tages auch mit gesperrten Zugängen zu den eigenen Daten, Datenabfluss oder einer Fernabschaltung von US-Software ausgeübt werden könnte. Der Vertrag der NRW-Polizei mit Palantir läuft im Oktober aus.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP/dpa

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