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Petersberger Dialog gestartet Deutschland blamiert sich mit Klimazielen

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In Deutschland wird aus Sicht von Umweltschützern noch zu viel Strom aus Braunkohle gewonnen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Deutschland wird sein Ziel, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, deutlich verfehlen. Die Bundesregierung hat auf internationalem Parkett schon längst nicht mehr viel Gewicht und rutscht noch weiter im Europa-Ranking ab.

Den unangenehmen Teil ihrer Rede zum Klimaschutz brachte Svenja Schulze gleich hinter sich: "Es ist bitter für mich, Ihnen sagen zu müssen, dass wir unsere selbstgesteckten Ziele für 2020 verfehlen werden", sagte die Bundesumweltministerin vor ihren Gästen aus China, Frankreich, Russland, den USA und rund 30 anderen Ländern. Diese sind für Klima-Gespräche nach Berlin gereist und wissen wohl längst, dass Deutschland beim CO2-Sparen hinterherhinkt. Beim Petersberger Klimadialog sprechen sie über die ganz konkrete Umsetzung des Klimaabkommens von Paris und die Probleme im Klimaschutz.

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Umweltministerin Svenja Schulze

(Foto: picture alliance/dpa)

Dass Deutschland trotz seiner Energiewende ein Braunkohle-Land ist und auch der Verkehr heute nicht weniger, sondern mehr CO2 ausstößt als 1990, das ist international mehr als eine Randnotiz. Bereits jetzt geht die Bundesregierung davon aus, dass Deutschland sein Ziel, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken, deutlich verfehlen wird. Im Klimaschutzbericht wird nur noch von minus 32 Prozent ausgegangen. In der "Süddeutschen Zeitung" sagte Schulze nun, es könne "sogar noch schlimmer kommen", denn bisher eingeleitete Maßnahmen "reichen schlicht nicht".

Deutschland sei einmal Klimaschutz-Vorreiter gewesen, doch "wir sind zu lange stehen geblieben", bekannte sie selbstkritisch. Jahrelang galt die Bundesrepublik als Vorbild. 36 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne, das sei ein großer Erfolg, sagte Schulze nun zur Begrüßung beim Klimadialog. Und sie gab zu: Um die Abkehr von der Kohle habe man sich "nicht im gleichen Maße" gekümmert. "Weil es eben häufig schwieriger ist, sich vom Alten zu trennen als Neues aufzubauen."

"Nur sozial gerechter Wandel wird erfolgreich"

Umso schöner für die Bundesregierung, dass der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) die neue Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" lobte, die sich um den Kohleausstieg kümmern soll. "Das kann ein Modell für andere Länder sein", sagte Samantha Smith, die in der Vertretung von mehr als 200 Millionen Arbeitnehmern weltweit für "Gerechten Wandel" (Just Transition) zuständig ist.

Die Kommission soll bis Ende des Jahres einen Ausstiegspfad aus der Stromgewinnung aus Kohle vorschlagen, Enddatum inklusive. Politik, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Umweltverbände sitzen zusammen am Tisch. "Hier gehen über 300 Jahre stolze Braunkohle-Bergbautradition absehbar zu Ende", sagte SPD-Politikerin Schulze. "Nur ein sozial gerechter Wandel wird erfolgreich sein." Das gelte nicht nur innerhalb der Staaten, sondern auch zwischen den Staaten.

Neue finanzielle Zusagen kann Schulze keine machen, das dürfte - wenn überhaupt - Sache von Kanzlerin Angela Merkel sein, die am Dienstag sprechen soll. Immerhin erneuerte Schulze das deutsche Versprechen, bis 2020 vier Milliarden Euro für die "Klimafinanzierung" aufzubringen. Sie wies darauf hin, dass allein der durch die Erderwärmung ausgelöste Anstieg des Meeresspiegels bis Ende dieses Jahrhunderts die Lebensräume von hunderten Millionen Menschen bedrohen werde.

Die Sozialdemokratin bekräftigte zudem die Ankündigung der Industrieländer, ab 2020 zusammen 100 Milliarden Euro aus öffentlichen und privaten Mitteln für Klimaschutz und -anpassung in ärmeren Ländern zu geben. Geld ist ein Dauer-Streitthema in der Klimadiplomatie. Unter der Erderwärmung und ihren Folgen, etwa einem steigenden Meeresspiegel und extremen Wetterlagen, leiden vor allem die armen Länder.

Merkel trifft Macron

Der Petersberger Klimadialog, den Merkel erstmals 2010 auf dem Petersberg bei Bonn ausrichtete, dient auch der Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels. Die Verhandlungen im Dezember im polnischen Kattowitz werden kompliziert, aber wichtig: Die Staaten müssen drei Jahre nach der Verabschiedung des Klimaabkommens Regeln für seine Umsetzung festlegen. Parallel laufen Gespräche darüber, wie die nationalen Klimaschutzziele ehrgeiziger werden können. "Wir müssen Antworten geben, die detailliert genug, aber nicht zu kompliziert sind", sagte der designierte Präsident des UN-Gipfels, Michal Kurtyka.

Auf die Vorbereitungen der polnischen Regierung schauen Klimaschützer mit einem gewissen Misstrauen. Am Montag erst belegte Polen in einem Klimaschutz-Ranking der EU-Länder beim Klimaschutz-Netzwerk CAN den letzten Platz. Zufrieden kann aber auch Deutschland mit seinem achten Platz nicht sein. Den ersten Platz ließen die CAN-Aktivisten leer - die Ansprüche dafür erfüllt aus ihrer Sicht derzeit kein EU-Staat.

Klimaschützer werden daher auch genau auf das Treffen von Merkel mit Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron am Dienstag schauen, obwohl derzeit eher die Asylpolitik im Fokus steht: "Ziehen sie beim Klimaschutz und der Energiewende an einem Strang, können sie Europa in die richtige Richtung bewegen und verhindern, dass die EU zurückfällt", sagte Michael Schäfer, Leiter Klimaschutz beim WWF Deutschland.

Dass Deutschland mittlerweile "eine kohlrabenschwarze Klimaschutzbilanz hat", sei "ein klimapolitischer Totalschaden", erklärte indes der klimapolitische Sprecher der deutschen Linkspartei, Lorenz Gösta Beutin. Er forderte einen "Ruck" beim Kohleausstieg. Die Grünen-Klimaexpertin Lisa Badum warf besonders Wirtschaftsminister Peter Altmaier vor, er streue beim Klimaschutz "Sand ins Getriebe".

Quelle: n-tv.de, fzö/dpa/AFP

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