Politik

Scheuer stellt Aktionsplan vor Deutschland soll Drohnen-Vorreiter werden

Mittels Drohnen will die Bundesregierung gleich mehrere Probleme lösen. Flugtaxis sollen Staus überfliegen, Paketdrohnen den Lieferverkehr entlasten. Nun stellt Minister Scheuer einen Aktionsplan vor. Doch der hat auch Schattenseiten.

Pakete kommen mit Drohne, Arzneien werden auf dem Luftweg transportiert - und das Flugtaxi schwebt über den Stau: Das könnte schon bald Realität sein. Die Bundesregierung jedenfalls setzt große Hoffnungen in "unbemannte Luftfahrtsysteme" als neue Verkehrsträger. Mit einem Aktionsplan will sie die Entwicklung für einen Einsatz im Alltag vorantreiben. Deutschland soll international zum Vorreiter werden.

Verkehrsminister Andreas Scheuer meint, dass ein Versand von Paketen per Drohnen bereits in drei Jahren möglich sei, wie er bei der Vorstellung des Aktionsplans sagte. Allerdings sind noch viele Fragen offen, etwa zum rechtlichen Rahmen. Das Verkehrsministerium allerdings sprach bereits von einem "Abflug in die dritte Dimension", Scheuer ließ bei der Vorstellung des Aktionsplans im Garten des Ministeriums in Berlin eine Drohne fliegen - die in Tests medizinische Luftfracht befördert.

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Nein, das im Hintergrund ist kein Ufo, sondern eine Transportdrohne, deren Vorteile Verkehrsminister Scheuer in Berlin anpries.

(Foto: imago images/Christian Spicker)

Es sind ambitionierte Ziele: Vom bisherigen Probebetrieb will die Bundesregierung schnellstmöglich zu einer regulären Anwendung der "UAS" kommen, der unbemannten Luftfahrtsysteme - besser bekannt als Drohnen. Deutschland soll internationaler Leitmarkt werden, das Feld nicht der Konkurrenz aus Asien überlassen werden. Die Bundesregierung will hohe Sicherheitsstandards etablieren, personenbezogene Daten und die Privatsphäre sollen geschützt werden.

Schon 10.000 Beschäftigte in der Branche

Der Vorteil von Drohnen: Sie seien elektrisch, autonom, leise, kostengünstiger - und bringen etwa Arzneien schneller von A nach B, vor allem auf dem Land. Und statt dass Lieferfahrzeuge im Pakete-Boom in den Großstädten in zweiter oder dritter Reihe parken, wie Scheuer sagte, würde künftig eine Drohne kommen. Die Geräte hätten viele Anwendungsfelder: Sie könnten in der Landwirtschaft eingesetzt werden, etwa für den Pflanzenschutz. Bei Waldbränden oder Überschwemmungen könnten sie Lagebilder liefern, und sie könnten nachschauen, ob Windräder oder Hochspannungsleitungen kaputt sind.

Es geht auch um neue Geschäftsmodelle. Thomas Jarzombek, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, betonte, bereits heute seien in Deutschland bei knapp 400 Unternehmen in der Branche 10.000 Menschen beschäftigt. Deutsche Firmen sind auch in der Entwicklung von Flugtaxis aktiv - sie könnten künftig Staus überfliegen oder Flughäfen und Bahnhöfe besser miteinander verbinden. Allerdings dürfte dies ein Nischenmarkt sein. Im Aktionsplan geht die Bundesregierung davon aus, dass Flugtaxis kurz- bis mittelfristig kein Massenverkehrsmittel sein werden. Außerdem seien noch viele Fragen zu klären, bis tatsächlich ein Regelbetrieb vorstellbar sei - der am Ende autonom erfolgen soll, also ohne Pilot an Bord.

Schattenseiten gibt es auch

Die Wirtschaft begrüßte den Plan der Bundesregierung. "Drohnen-Technologie ist eine Schlüsseltechnologie für die Logistik und Mobilität der Zukunft", sagte der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom, Bernhard Rohleder. Der Verband Unbemannte Luftfahrt sprach von einem wichtigen Bekenntnis der Politik, um die zukunftsträchtige Technologie in den Markt zu bringen.

Die schöne neue Drohnen-Welt hat aber auch Schattenseiten. Drohnensichtungen haben wiederholt Flughäfen zeitweilig lahmgelegt. Und bis zur großen Drohnenfreiheit am deutschen Himmel ist es noch ein weiter Weg. Im Aktionsplan blieben viele Fragen zum Luftraummanagement oder Erlaubnisverfahren offen, kritisierte der FDP-Verkehrspolitiker Bernd Reuther. Eine ursprünglich für 2019 geplante EU-weite Drohnenverordnung wird voraussichtlich nicht vor Januar 2021 eingeführt, weil Deutschland wie auch weitere Staaten mit der Umsetzung in nationales Recht nicht schnell genug vorangekommen ist. Bis dahin gilt in Deutschland weiterhin die alte Drohnenverordnung aus dem Jahr 2017.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa