Politik
Anstoßen auf gute Beziehungen; Angela Merkel und der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto.
Anstoßen auf gute Beziehungen; Angela Merkel und der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto.(Foto: imago/Agencia EFE)
Samstag, 10. Juni 2017

Gegen Trumps Protektionismus: Deutschland und Mexiko rücken zusammen

Bei ihrer Lateinamerika-Reise sucht Kanzlerin Merkel nach Gleichgesinnten beim Thema Freihandel - und wird in Mexiko fündig. Präsident Nieto zeigt sich offen für ein neues Handelsabkommen mit der EU. Merkel gibt dafür Schützenhilfe beim Konflikt mit Trump.

Die beiden G20-Länder Deutschland und Mexiko haben sich zum Freihandel bekannt. Mexiko und die EU sollten möglichst noch in diesem Jahr ein überarbeitetes Handelsabkommen abschließen, sagte der mexikanische Präsident Enrique Pena Nieto nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Mexiko-Stadt. Hintergrund sind erhebliche Spannungen zwischen Mexiko und USA unter Präsident Donald Trump, der mit einer Aufkündigung des Nafta-Freihandelsabkommens für Nordamerika und dem Bau einer Mauer an der mexikanisch-amerikanischen Grenze gedroht hat.

Merkel rief bei dem Treffen Trump indirekt zu einer Abkehr von seiner protektionistischen Handelspolitik auf: "Wir leben in einer multipolaren Welt, und wir wollen in dieser Welt auch nicht nur einseitige Kontakte, sondern wir wollen vielseitige Kontakte." Sie glaube zudem, dass alle Länder ein Interesse daran hätten, dass die Vereinigten Staaten von Amerika und Mexiko vernünftig und gut miteinander zusammenarbeiten.

Sowohl Merkel als auch Nieto bezeichneten es als Chance, dass sich die USA, Kanada und Mexiko nun auf eine Neuverhandlung des Nafta-Abkommens geeinigt hätten. Dabei müssten aber auch die Interessen der in Mexiko vertretenen deutschen Unternehmen berücksichtigt werden, mahnte die CDU-Chefin. Gleichzeitig gebe es gute Gründe, dass Mexiko sich auch stark für den europäischen Markt interessiere, betonte die Kanzlerin.

Wichtiger Standort für deutsche Firmen

Mexiko mit seinen rund 130 Millionen Einwohnern ist für die deutsche Wirtschaft ein wichtiger Produktionsstandort, auch für Exporte von dort in die USA. In dem Land, das 2018 Partner der Hannover-Messe wird, sind 1900 deutsche Firmen tätig. 65 Prozent der Mitgliedsunternehmen der Außenhandelskammer Mexiko erwarten laut einer Umfrage in den kommenden Monaten trotz des Streits mit den USA bessere Geschäfte. 40 Prozent wollen danach mehr investieren. Der deutsch-mexikanische Handel belief sich 2016 auf 16,2 Milliarden Euro.

Laut Merkel und Nieto dienten die Gespräche auch der Vorbereitung des G20-Gipfels in Hamburg Anfang Juli. Beide sprachen die Differenzen mit US-Präsident Trump nur indirekt an. Merkel warnte wie schon zuvor bei ihrem Besuch in Argentinien vor einer Politik der Abschottung. "Mexiko bekennt sich uneingeschränkt zum Pariser Klimaschutzabkommen", sagte Nieto - ebenfalls in Abgrenzung zu Trump, der gerade den Ausstieg seines Landes aus dem Klimavertrag verkündet hat.

Quelle: n-tv.de