Politik

Hoffnung auf die "blaue Welle" Die Demokraten kommen Trump näher

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Balderson mit Trump bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt am vergangenen Wochenende.

(Foto: REUTERS)

Ein von US-Präsident Trump unterstützter Kandidat gewinnt eine viel beachtete Nachwahl für den US-Kongress. Doch die geht so knapp aus, dass sich auch die Demokraten freuen können. Sie hoffen auf eine "blaue Welle" bei den Zwischenwahlen.

Ein Sieg ist ein Sieg, und sei er noch so knapp. Deshalb zieht der Republikaner Troy Balderson voraussichtlich in das Repräsentantenhaus der USA ein, auch wenn er bei einer außerplanmäßigen Nachwahl im Bundesstaat Ohio seinen demokratischen Konkurrenten Danny O'Connor nach derzeitigem Stand mit nicht mal einem Prozentpunkt Vorsprung geschlagen hat. Das sind weniger als 2000 Stimmen.

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Der Demokrat O'Connor unterliegt nur knapp.

(Foto: dpa)

Und doch ist diese Wahl ein Achtungserfolg für die Demokraten und eine Klatsche für Präsident Donald Trump, der Balderson unterstützt hatte. Nicht nur, weil der 31-jährige O'Connor ein Neuling auf dem politischen Parkett ist, im Gegensatz zum 56-jährigen Balderson. Sondern auch, weil der 12. Kongresswahlbezirk von Ohio, in dem die Nachwahl stattfand, seit 1982 fest in republikanischer Hand ist.

Zwar gilt Ohio als Swing State, in dem sich Republikaner und Demokraten bei Präsidentschaftswahlen oft besonders knappe Rennen liefern. Doch der 12. Wahlbezirk galt bei Experten nicht als umkämpft. Jahrelang wurde der Bezirk vom jetzigen Gouverneur John Kasich im Kongress vertreten, ihm folgte 16 Jahre lang Pat Tiberi, ein gemäßigter Republikaner, der Anfang des Jahres zurücktrat und die Nachwahl nötig machte.

Ein "großartiger Sieg"

Noch bevor nun alle Stimmen ausgezählt sind, twitterte Trump, dass Balderson einen "großartigen Sieg" in diesem "sehr besonderen und wichtigen Rennen" errungen habe. Mehr noch: Trump schrieb sich den Triumph selbst auf die Fahne: Sein Wahlkampfauftritt am vergangenen Wochenende habe eine Wende zum Besseren gebracht, twitterte er.

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Allerdings hatte Balderson noch im Juni in Umfragen mit zehn Prozentpunkten vor dem erst 31-jährigen O'Connor gelegen. In den Wochen vor der Wahl schmolzen diese dahin. Und die Demokraten schöpften Hoffnung, auch angesichts der sinkenden Umfragewerte des Präsidenten. Der knappe Ausgang der Nachwahl könnte nun in die Zukunft weisen, denn das Rennen im dem Wahlbezirk gilt als landesweit beachteter Gradmesser für die Kongresswahlen am 6. November, bei der Balderson und O'Connor erneut gegeneinander antreten werden.

Nach mehreren überraschenden Siegen und einigen knappen Niederlagen träumen die Demokraten in Anlehnung an die Farbe der Partei von einer "blauen Welle", die die sogenannten Zwischenwahlen bestimmen könnte. Das Ziel ist die Eroberung der Mehrheit im Kongress, die dem Präsidenten das Regieren erheblich erschweren dürfte. Dieser reagierte bei seinem Wahlkampfauftritt mit Balderson entsprechend gereizt. Er glaube nicht an die "blaue Welle", sagte Trump da. "Ich denke, es könnte eine rote Welle sein", sagte er in Anlehnung an die Farbe der Republikaner.

Kandidat des Parteiestablishments

Ganz Unrecht hat er nicht: Von ihm unterstützte Kandidaten haben zuletzt bei Nachwahlen immer wieder Siege davongetragen. Und Balderson wurde zwar von ihm unterstützt, gilt aber gleichzeitig als Vertrauter von Gouverneur Kasich und dem bisherigen Abgeordneten Tiberi, zwei innerparteilichen Gegenspielern von Trump.

Balderson sei von Beginn an als Kandidat des Parteiestablishments gesehen worden, schrieb der Politikwissenschaftler Paul Sracic bei CNN. Dies setzte ihm bereits bei den republikanischen Vorwahlen zu, die er nur hauchdünn gegen die Vertreterin des radikalen Parteiflügels gewann. Dieser Trump-treue Flügel könnte ihm nun die Unterstützung versagt haben, schreibt Sracic.

Gleichzeitig verweist der Experte jedoch darauf, dass man vorsichtig sein sollte mit Schlussfolgerungen aus dieser Nachwahl. Eine Wahl im August sei nicht dasselbe wie die Kongresswahlen im November. Diese könnten schon wieder ganz anders ausgehen. Allzu sicher dürfen sich die Demokraten also nicht sein, dass sie auf einer "blauen Welle" zur Kongressmehrheit surfen werden. Knappe Niederlagen helfen ihnen dann nicht weiter. Dann zählen nur Siege.

Quelle: ntv.de