Politik

"Quote ist Krücke" Die FDP ringt mit der Frauenquote

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FDP-Spitzenpolitikerinnen Nicola Beer und Katja Suding.

(Foto: picture alliance / Maurizio Gamb)

Frauen sind in der FDP unterrepräsentiert: Nur drei von 18 Präsidiumsmitgliedern sind weiblich, nur eine Landesvorsitzende ist eine Frau. Vor dem Parteitag am Wochenende erzählen zwei FDP-Spitzenpolitikerinnen wie sie dieses Problem beheben wollen.

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer hat sich skeptisch zur Einführung einer Frauenquote in ihrer Partei geäußert. "Eine Quote ist immer eine Krücke", sagte Beer im ZDF-"Morgenmagazin". Sie reduziere die Frage, ob jemand eine Funktion ausübe, auf dessen Geschlecht. Zudem ersetze die Quote nicht die Ursachenforschung. Beer räumte ein, ihre Partei müsse angesichts des geringen Frauenanteils besser werden. "Da ist noch Luft nach oben."

Das FDP-Präsidium hat eine Arbeitsgruppe zu dem Thema eingerichtet und will "herausbekommen, was Frauen davon abhält, sich politisch zu engagieren", wie Beer sagte. Die Ergebnisse einer Onlineumfrage unter den weiblichen Parteimitgliedern sollen beim Parteitag in Berlin vorgestellt werden. Beer sagte, sie sei "guter Dinge, dass wir im nächsten halben Jahr ein schönes Maßnahmenpaket zusammen bekommen".

Auch FDP-Vorstandsmitglied Lina Teuteberg erklärte in diesem Zusammenhang gegenüber der "Welt": "Frauen sind keine förderungswürdigen Opfer, sie haben dem Liberalismus viel zu geben." Es reiche deshalb nicht aus, schnelle Einzelmaßnahmen zu beschließen. Eine Quote wollte die FDP-Vizechefin in Brandenburg dennoch nicht pauschal ausschließen. Allerdings bedürfe es einer "ehrlichen Analyse" dazu, warum die FDP bei Frauen an Attraktivität verloren habe.

Fairer Wettbewerb für "gute Frauen"

Seit dem Jahr 2000 hat die Partei sieben Initiativen angestoßen, um ihren Frauenanteil zu erhöhen. Dennoch ist er seitdem auf 21,9 Prozent gesunken. Nur drei der 18 Präsidiumsmitglieder sind Frauen. Unter dem 43-köpfigen Bundesvorstand befinden sich immerhin neun weibliche Mitglieder, das entspricht einer Quote von knapp 21 Prozent. Bei der vergangenen Bundestagswahl waren unter den 16 Spitzenkandidaten der Länder nur vier Frauen, nur jeder sechste Kreisverband wird von einer Frau geleitet. Nur eine von 16 Landesvorsitzenden ist eine Frau.

"Kläglich", nennt Teuteberg diese Zahlen und vermutet, dass die Abwesenheit von weiblichen Vorbildern an der Parteispitze Teil des Attraktivitätsproblems ist. Umso wichtiger sei es, einen Umgang in der Partei zu finden, in dem – ganz liberalem Grundgedanke – allein Leistung und Eignung zähle. Auch die Parteiarbeit müsse sich verändern. Statt "spätabendlicher Kungelei an der Bar" wünschten sich viele Frauen eine offene Auseinandersetzung in Gremien. "Wenn es einen fairen Wettbewerb gibt, dann wird es auch mehr gute Frauen geben, die sich durchsetzen", ist sich Teuteberg sicher.

Quelle: n-tv.de, lou/AFP

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