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Sanierung des Bundeswehr-Schiffs Die "Gorch Fock" schwimmt wieder

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen kam zum Testlauf nach Bremerhaven.

(Foto: picture alliance/dpa)

Schon mehr als 70 Millionen Euro zahlt das Verteidigungsministerium, um die "Gorch Fock" wieder instand zu setzen. Nach über drei Jahren darf das Segelschulschiff nun endlich wieder aufs Wasser - zumindest für einen Testlauf. Denn wie es mit dem umstrittenen Projekt weitergeht, ist noch nicht entschieden.

Nach mehr als drei Jahren im Trockendock schwimmt die "Gorch Fock" wieder: Der Rumpf des Segelschulschiffs wurde für einen Testlauf zu Wasser gelassen. CDU-Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bezeichnete das Ausdocken in der Bredo-Werft in Bremerhaven als "ganz wichtigen Tag für die Marine". Das Ziel, die "Gorch Fock" wieder als Ausbildungsschiff auf hoher See einzusetzen, sei damit aber noch nicht erreicht.

Der Testlauf war erst durch eine Einigung am Donnerstag im Rechtsstreit zwischen der Bredo-Werft, in der sich das Segelschulschiff befindet, und dem Bundesverteidigungsministerium möglich geworden. Die Werft hatte das Schiff zunächst nicht ausdocken lassen wollen, weil sie noch Geld von der Regierung haben will.

Bei dem mehrstündigen Test am Freitag sollte die Schwimmfähigkeit des Schiffsrumpfs geprüft werden. Dafür sollte das Schiff bei so genannten Krängungsversuchen kontrolliert zur Seite gerollt werden. Der Ausgang der Tests soll mit darüber entscheiden, ob die "Gorch Fock" wie geplant zu Ende saniert und wieder als Segelschulschiff eingesetzt wird.

Von der Leyen ist zuversichtlich

"Die Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. "Wenn dieser Test bestanden wird, haben wir eine gute Chance weiterzumachen." Ministerin von der Leyen zeigte sich zuversichtlich: "Die Perspektive wird besser, dass die 'Gorch Fock' eines Tages wieder auf den Weltmeeren segeln kann." Mit dem Test sei nun ein "wichtiger Meilenstein bewältigt".

Die Opposition bekräftigte ihre Kritik an der Schiffssanierung. "Die Sanierung wurde ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Sinn und Verstand durchgeboxt", erklärte der Grünen-Verteidigungsexperte Tobias Lindner. "Dass die Herausgabe des Schiffsrumpfes, der gerade so schwimmen kann, als Erfolg im Ministerium gefeiert wird, macht das ganze Ausmaß des Desasters um die 'Gorch Fock' deutlich."

Linke kritisiert "Millionengrab"

Ähnlich äußerte sich Matthias Höhn, der sicherheitspolitische Sprecher der Linksfraktion. "Mit dem heutigen Ausdocken der 'Gorch Fock' ist das Trauerspiel um das Millionengrab des maroden Segelschulschiffs der Marine nicht beendet, sondern nur um eine Etappe reicher." Er forderte, die "Gorch Fock" außer Dienst zu stellen, bevor "weitere Millionen in ihr versenkt werden".

Die Bredo-Werft ist als ein Subunternehmer für die mit der Sanierung der "Gorch Fock" betrauten Elsflether Werft tätig. Diese ging zwischenzeitlich insolvent, befindet sich aber derzeit in einer Neustrukturierung. Die Instandsetzung des Schulschiffes sorgte wegen drastischer Kostensteigerungen für Wirbel: Statt geplanter 10 Millionen Euro sind bereits mehr als 70 Millionen Euro geflossen. Als Höchstrahmen sind 135 Millionen Euro festgelegt, für die der Steuerzahler aufkommen muss. Darüber hinaus ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft auch wegen des Verdachts auf Korruptions- und Untreuedelikten rund um die Arbeiten und die Elsflether Werft.

Quelle: n-tv.de, aeh/AFP/dpa

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