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Alle Daten, alle Infografiken Die Wahl in Hamburg im Überblick

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"Perle" an der Elbe: In der Hansestadt Hamburg gelten politisch ganz eigene Gesetzmäßigkeiten.

(Foto: picture alliance / Daniel Reinha)

Die Auszählungsergebnisse sind da, das vorläufige Ergebnis der Bürgerschaftswahl in Hamburg steht fest: Die Daten bestätigen den erwarteten rot-grünen Wahlsieg. Die CDU muss deutliche Verluste verkraften. Die AfD ist drin, die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde.

Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg hat die SPD mit großem Abstand gewonnen. Wie aus dem am zweiten Abend nach dem Wahltag vorläufigen amtlichen Ergebnis der ausführlichen Stimmauszählung hervorgeht, erreichten die Sozialdemokraten an der Elbe ein Ergebnis von 39,2 Prozent der abgegebenen Stimmen. Die SPD bleibt damit in Hamburg mit großem Abstand stärkste Kraft.

Die Grünen steigen in der Hansestadt mit deutlichen Zugewinnen und einem Ergebnis von 24,2 Prozent zur zweitstärksten Partei des Stadtstaats auf. Einer Fortsetzung der bisher regierendenden rot-grünen Koalition steht damit theoretisch nichts im Wege.

Die CDU, die in Hamburg traditionell einen eher schwachen Stand hat, stürzt bei der ersten Wahl auf Landesebene seit der Thüringen-Wahl vom vergangenen Herbst auf ihr bundesweit schlechtestes Landtagswahlergebnis seit fast 70 Jahren ab. Wie Landeswahlleiter Oliver Rudolf nach Auszählung der Landeslisten- und Wahlkreislisten-Stimmzettel in allen Wahlbezirken bestätigt, kommen die Christdemokraten bei der Wahl vom Sonntag auf 11,2 Prozent.

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Die Linke verbucht in Hamburg demnach 9,1 Prozent der Stimmen. Als fünfte Partei in der Bürgerschaft wird künftig auch wieder die AfD vertreten sein. Den Rechtspopulisten gelingt der Wiedereinzug - anders als in ersten Hochrechnungen prognostiziert - mit einem Ergebnis von 5,3 Prozent vergleichsweise deutlich.

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An der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind dagegen die Hamburger Liberalen: Nach der ausführlichen Auszählung aller Wahlscheine beider Listen liegt die FDP bei 4,9 Prozent. Damit steht damit fest, was die Partei spätestens seit dem Vorabend konkret befürchten musste. In der vereinfachten Schnellauszählung zu Ermittlung der voraussichtlichen Sitzverteilung waren die Liberalen bei exakt 5,0 Prozent gelandet - allerdings tauchten noch in der Nacht Hinweise auf, dass dieses Ergebnis wohl bald nach unten korrigiert werden muss.

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Gestützt auf das vorläufige amtliche Endergebnis erhärtet sich das Bild einer überaus komfortablen Lage für Rot-Grün: Das bisher in Hamburg regierende Parteienbündnis kommt demnach in der Bürgerschaft auf eine absolute Mehrheit von voraussichtlich 87 der insgesamt 121 Sitze - ein Sitz mehr als auf Basis der Daten aus der ersten Schnellauszählung (mehr dazu im ntv.de Koalitionsrechner).

Aber: Rein rechnerisch denkbar wäre auch ein alternatives Bündnis der SPD mit den Christdemokraten. Schwarz-Rot käme zusammen auf 69 Sitze - zwei Abgeordnete im Landesparlament mehr als zunächst berechnet. Die Schwelle zur Mehrheit liegt bei 61 Sitzen. Tatsächlich bleibt aber auch das noch längst nicht die einzig mögliche Alternative zur Regierungsbildung. Auch eine rot-rote Koalition wäre auf Basis dieser Mehrheitsverhältnisse zumindest machbar.

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Die Christdemokraten müssen an der Elbe tatsächlich ein historisch schwaches Wahlergebnis verkraften. Bei Wahlen auf Landesebene schnitt die CDU in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte sogar nur ein einziges Mal (1951 in Bremen) schlechter ab als aktuell in Hamburg.

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Die Wahllokale schlossen am Sonntag Punkt 18.00 Uhr nach vollen zehn Stunden ihre Pforten, die vereinfachte Auszählung der abgegebenen Stimmen lief umgehend an. Zuvor hatten die 1283 Wahllokale in der Hansestadt seit dem frühen Morgen um 8.00 Uhr für die rund 1,3 Millionen wahlberechtigten Hamburger ab 16 Jahren geöffnet. Mehr als 300.000 hatten im Vorfeld ihre Briefwahlunterlagen beantragt.

Zur Wahl gestellt hatten sich in Hamburg 15 Parteien mit 348 Kandidaten auf der Landesliste. Weitere 564 Bewerber standen auf den Wahlkreislisten. Jeder Wähler konnte je Liste jeweils fünf Stimmen vergeben und diese dabei beliebig auf Parteien und Personen verteilen oder anhäufen.

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Das seit der Bürgerschaftswahl 2011 gültige System macht die Auszählung kompliziert: Der Landeswahlleiter konnte auf Basis der Schnellauszählung am Wahlabend lediglich die voraussichtliche Verteilung der 121 Sitze in der Bürgerschaft bekannt geben. Das vorläufige amtliche Endergebnis folgte dann erst - wie im Vorfeld angekündigt - fast 24 Stunden später am Montagabend.

Das endgültige Ergebnis der Bürgerschaftswahl kann der Landeswahlausschuss in Hamburg laut Plan erst in rund zweieinhalb Wochen vorstellen. Zuvor ist die gesetzlich vorgeschriebene Nachprüfung der Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken vorgesehen. Das offizielle Endergebnis soll dann am 11. März 2020 veröffentlicht werden. "Dann", so heißt es, "erfolgt auch die Benachrichtigung der gewählten Personen durch den Landeswahlleiter."

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Das starke Abschneiden der bisherigen Regierungspartner SPD und Grüne kommt alles andere als überraschend: Die in Hamburg regierende Koalition lag in den in den Umfragen aus den letzten Tagen vor dem Wahltermin bereits mit deutlichem Abstand vorn. In der Übersicht der Mainzer Forschungsgruppe Wahlen etwa kamen die Sozialdemokraten zuletzt auf 38 Prozent - was für die SPD ein im bundesweiten Vergleich herausragendes hohes Niveau darstellt.

Auch dass die Grünen als zweitstärkste Kraft in der Hansestadt aus der Wahl hervorgehen würden, zeichnete sich bereits im Vorfeld ab. In den jüngsten Erhebungen rangierte der kleinere Koalitionspartner mit deutlichen Stimmgewinnen deutlich jenseits der 20-Prozent-Marke.

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Für die CDU dagegen deutete dagegen bereits im Vorfeld alles auf ein mageres Abschneiden hin. In den Umfragen vor dem Wahltag lag sie zuletzt fast zwölf Prozentpunkte hinter den Grünen. Die Linke folgten in den Vorhersagen noch mit prognostizierten 8,5 Prozent, die AfD mit glatten sechs Prozent. Zittern mussten demnach noch die Liberalen: Ob sie nach diesem Wahltag noch in der Hamburger Bürgerschaft vertreten sein werden, galt bereits im Vorfeld als höchst unsicher. In den Umfragen kam die FDP zuletzt auf genau fünf Prozent - ein Ergebnis, dass sich durch die Daten vom Wahlabend bestätigte.

57 Prozent der Befragten fanden die aktuelle Regierungskoalition einer Befragung der Forschungsgruppe Wahlen zufolge gut, 22 Prozent beurteilen die Arbeit negativ. Insgesamt, heißt es, sei der Wahlausgang diesmal schwer abzuschätzen. Mit 39 Prozent der Wahlberechtigten, so die Wahlforscher, sei ein großer Anteil noch unentschieden, wen sie wollen - oder ob sie überhaupt ihre Stimme abgeben werden.

Als Spitzenkandidat der SPD trat in der Hansestadt Hamburg der amtierende Erste Bürgermeister Peter Tschentscher an. Der 54-Jährige war erst 2018 als Nachfolger seines Parteifreunds Olaf Scholz nachgerückt, der als Bundesfinanzminister nach Berlin wechselte. Davor war Tschentscher etwa sieben Jahre lang Hamburger Finanzsenator. Der gebürtige Bremer gilt als ähnlicher Politikertyp wie Scholz. Inhaltlich setzen er und die SPD darauf, dessen Kurs fortzuführen. Tschentscher arbeitete früher als Arzt, ist verheiratet und hat einen Sohn.

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Für die Grünen zog die 42-jährige Spitzenkandidatin Katharina Fegebank in den Hamburger Wahlkampf. Erklärtermaßen strebt sie an, erste Regierungschefin in der Geschichte der Hansestadt zu werden. Dieses Ziel erscheint mit Blick auf die jüngsten Prognose vorerst nur schwer erreichbar.

Fegebank stammt aus dem schleswig-holsteinischen Umland von Hamburg. Zwischen 2008 und 2015 war die Mutter von etwa einjährigen Zwillingsmädchen Landesvorsitzende der Grünen, seither ist sie Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin, also Vize- Regierungschefin.

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Die CDU wurde im Wahlkampf von Spitzenkandidat Marcus Weinberg angeführt. Der 52-Jährige Weinberg kämpfte für einen Landesverband, der nach dem Höhenflug der Ära unter CDU-Bürgermeister Ole von Beust inzwischen wieder kleinere Brötchen backen muss und in Umfragen zuletzt nur noch bei 13 bis 14 Prozent lag.

Der gebürtige Hamburger gehört zu den profiliertesten CDU-Vertretern aus der Hansestadt. Der Ex-Lehrer ist seit 15 Jahren Bundestagsabgeordneter und gehört seit 2018 dem CDU-Bundesvorstand an. Von 2011 bis 2015 war der Vater zweier Kinder CDU-Landeschef. Er gehört zu dem großstädtisch-liberalen Flügel der Partei.

Auf dem ersten Platz der Landesliste der Hamburger Linken warb dagegen die 31-jährige Cansu Özdemir um Stimmen. Die Linkspartei war seit 2008 durchgehend in der Bürgerschaft vertreten und musste sich - gestützt auf die Umfragen - auch dieses Mal keine Sorgen um einen Wiedereinzug machen. Cansu Özdemir, gebürtige Hamburgerin mit kurdischen Wurzeln, ist eine von zwei gleichberechtigten Fraktionschefs der Linken in der Bürgerschaft, im Landesparlament sitzt sie schon seit 2011. Sie studierte Politikwissenschaft in Hamburg und hat ihre inhaltlichen Schwerpunkte in den Bereichen Soziales, Gleichstellung und Inklusion.

Für die AfD bemühte sich Dirk Nockemann an der Elbe um Aufmerksamkeit. Der 61-Jährige ist der Kopf des Wahlkampfs der Hamburger AfD, die seit der Wahl von 2015 in der Bürgerschaft vertreten ist. AfD-Fraktionschef Nockemann ist in der Hansestadt kein unbeschriebenes Blatt: Als führendes Mitglied der Partei "Rechtsstaatliche Offensive" von Ronald Schill war er 2003 und 2004 für mehrere Monate Innensenator. Nockemann stammt aus Nordrhein-Westfalen, ist Jurist und hoher Verwaltungsbeamter. Früher leitete er etwa die Ausländerbehörde von Mecklenburg-Vorpommern. Nach einem Ausflug zur Zentrumspartei ging er 2013 zur AfD. Nockemann muss mit seiner Partei nun fürchten, künftig in Hamburg keine parlamentarische Rolle mehr zu spielen.

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Die FDP steuerte in Hamburg in den vergangenen Wochen - wie bereits im vergangenen Herbst in Thüringen - auf ein denkbar knappes Ergebnis an der Fünf-Prozent-Hürde zu. Spitzenkandidatin Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein konnte sich zwar schließlich ein Direktmandat sichern, ihr Landesverband dürfte jedoch größtenteils leer ausgehen. Die 57-Jährige saß seit 2011 als Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft und führt die Fraktion der Liberalen seit 2017.

Für die FDP ist Hamburg ein wechselhaftes Pflaster, nicht immer war der Platz in die Bürgerschaft garantiert. Von Treuenfels-Frowein stammt aus Nordniedersachsen, ist Juristin, lebte mehrere Jahre lang in Brasilien und ist Mutter von drei Kindern. Ihren Weg in die Hamburger Politik fand sie 2009, als sie ein Bürgerbegehren zur Schulpolitik mitorganisierte, das die FDP unterstützte.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa