Politik

Wahlleiter bestätigt Zählpanne Hamburger FDP verliert Stimmen wieder

Die FDP könnte den Wiedereinzug in die Hamburger Bürgerschaft doch noch verpassen. Durch eine Verwechslung im einem Bezirk wurde dort das Ergebnis der Grünen versehentlich den Liberalen zugeteilt. Parteichef Lindner tritt sichtlich angeschlagen vor die Presse.

Für die FDP bleibt die Hamburg-Wahl eine nervenaufreibende Zitterpartie: Die Liberalen müssen weiterhin um einen Wiedereinzug in das Landesparlament in der Hansestadt bangen. Grund ist ein Auszählungsfehler in einem einzelnen Wahlbezirk.

Durch eine Verwechslung im Bezirk Langenhorn im Norden des Stadtstaats wurden dort die 22,4 Prozent der Grünen versehentlich den Liberalen zugeteilt, wie der zuständige Bezirkswahlleiter Tom Oelrichs bestätigte. Die Grünen kamen dort zunächst nur auf 5,1 Prozent. Landesweit fiel das Ergebnis umgekehrt aus.

Noch in der Nacht war mit Blick auf die deutlich aus der Reihe fallenden Zahlen aus Hamburg-Langenhorn von einer "Auffälligkeit" und einer möglichen Verwechslung die Rede. "Auffällig ist das auf jeden Fall", hatte Landeswahlleiter Oliver Rudolf in der Nacht erklärt. Er habe den Hinweis auf diesen offenkundigen Ausreißer bereits weitergegeben. Er zeigte sich zuversichtlich, dass sich der Fall bei der anstehenden Endauszählung der abgegebenen Stimmen schnell aufklären würde.

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Für die FDP droht es durch die fällige Korrektur in Hamburg-Langenhorn eng zu werden: Die Liberalen lagen in der vorläufigen Schnellauszählung landesweit nur wenige Stimmen über der Fünf-Prozent-Hürde. Der fragliche Stimmbezirk ist Teil des Hamburger Wahlkreises "Fuhlsbüttel - Alsterdorf - Langenhorn" und liegt im Norden der Hansestadt nahe des Flughafens.

Wackelergebnis für die FDP

Von den genauen Zahlen hängt für die Partei unter Spitzenkandidatin Anna-Elisabeth von Treuenfels-Frowein damit ab, ob sie künftig in der Bürgerschaft vertreten ist oder nicht. Laut den bisher vorliegenden Ergebnissen liegt die FDP in der Hansestadt bei exakt 5,0 Prozent. Damit würden sechs der insgesamt 121 Sitze in der Bürgerschaft auf FDP-Abgeordnete entfallen.

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Ohne das irrtümlich entstandene Ergebnis aus Hamburg-Langenhorn dürften auf die FDP früheren Berechnungen zufolge insgesamt 423 Stimmen weniger entfallen als bisher angenommen. Da die Partei nach den vorläufigen Zahlen nur um 121 Stimmen über der Fünf-Prozent-Hürde liegt, könnte dies dazu führen, dass sie den Einzug ins Stadtparlament doch noch verpasst. "Das kann durchaus ausschlaggebend sein", hieß es dazu am Morgen aus den Büros des Landeswahlleiters. Der Nervenkrieg für die Liberalen könnte noch Stunden andauern: Mit dem vorläufigen amtlichen Endergebnis aus der Hamburger Bürgerschaftswahl wird erst gegen Abend gerechnet.

FDP-Chef Christian Lindner stellte sich jedenfalls kurz nach Bekanntwerden der Panne sichtlich bedrückt der Presse. "Wir bedauern als Bundespartei sehr das unbefriedigende Abschneiden der Partei in Hamburg", sagte er. Zugleich sah er vor allem einen Grund für das schlechte Abschneiden: Die Ereignisse in Thüringen, wo sich FDP-Mann Thomas Kemmmerich mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen ließ, hätten zu "großen Irritationen" geführt. Als Beleg führte er eine Umfrage an, bei der 20 Prozent ehemaliger FDP-Wähler dies angegeben hätten.

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Lindner kündigte zugleich an, dass die Liberalen ihr Leitbild überarbeiten. Die FDP wolle sehen, wo sich was verändert habe, auf dem Parteitag solle dann über ein Update debattiert werden. Angesichts der Situation sei es "umso notwendiger", dass sich die FDP mit ihrem Leitbild und politischen Kompass beschäftige.

Quelle: ntv.de, mmo/ghö/dpa