Politik

"Freund der Deutschen" Die Welt trauert um George H. W. Bush

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Bei einem Benefizkonzert nach einem Hurrikan in Texas helfen Bush junior, Clinton und Obama dem nun verstorbenen Georg W. H. Bush (l.) im Rollstuhl von der Bühne.

(Foto: REUTERS)

Nur wenige Monate nach der früheren First Lady Barbara verlieren die USA Ex-Präsident George Bush senior: Familie, Freunde und prominente Politiker nehmen öffentlich Abschied. Würdigungen kommen auch von deutschen Politikern.

Nach dem Tod von George Herbert Walker Bush haben seine Familie, Prominente und Politiker aus aller Welt öffentlich ihre Trauer bekundet und die Verdienste des 41. Präsidenten der USA gewürdigt. Der Patriarch einer politischen Familiendynastie genoss sowohl unter Republikanern, als auch unter Demokraten hohes Ansehen. Er starb im Alter von 94 Jahren.

Sein Sohn, der frühere US-Präsident George W. Bush, zeigte sich vom Tod seines Vaters und Amtsvorgängers im Weißen Haus tief getroffen: Er sei der beste Vater gewesen, den man sich als Sohn oder Tochter habe wünschen können, hieß es in einer Erklärung von Bush junior. Die gesamte Familie sei zutiefst dankbar für dessen Leben.

Sein Enkel George P. Bush, ein Politiker im US-Bundesstaat Texas, schrieb auf Twitter: "Mein Großvater war der großartigste Mann, den ich je kennengelernt habe." Dazu veröffentlichte er Bilder der beiden aus seiner Kindheit: Man sieht George H. W. Bush dabei, wie er mit seinem Enkel Baseball spielt und spazieren geht.

Trump: Inspiration für Generationen

US-Präsident Donald Trump würdigte seinen Vorgänger, der von 1989 bis 1993 im Weißen Haus saß, mit einer ausführlichen Stellungnahme: Durch seine Authentizität, seinen Witz und sein unerschütterliches Bekenntnis an Glaube, Familie und das Land habe er Generationen von Amerikanern zum öffentlichen Dienst inspiriert, hieß es in einer Mitteilung Trumps. Bush habe immer einen Weg gefunden, die Messlatte höher zu setzen.

"Mit einem zuverlässigen Urteilsvermögen, gesundem Menschenverstand und einer unerschütterlichen Führung brachte Präsident Bush unsere Nation und die Welt zu einem friedlichen und siegreichen Abschluss des Kalten Krieges", ließ Trump mitteilen. Bush habe die Grundlagen für einen jahrzehntelangen Wohlstand geschaffen. Bei allem, was er vollbracht habe, sei er stets demütig geblieben. Auch Trumps kontroverse Beraterin Kellyanne Conway dankte dem ehemaligen Präsidenten auf Twitter.

Der demokratische Ex-Präsident Barack Obama äußerte sich bestürzt über den Tod des Republikaners. Amerika habe einen "Patrioten und bescheidenen Diener" verloren, hieß es in einer Erklärung von Barack und Michelle Obama. "Während unsere Herzen heute schwer sind, sind sie auch voller Dankbarkeit." Bush habe sein Leben einem Land gewidmet, das er geliebt habe. Er hinterlasse ein Vermächtnis, das niemals erreicht werden könne, "auch wenn er gewollt hätte, dass wir alle es versuchen".

Ex-Präsident Bill Clinton, der sich im Präsidentschaftswahlkampf 1992 durchsetzte und Bush senior nach nur einer Amtszeit 1993 ablöste, bezeichnete die Freundschaft zu seinem verstorbenen Amtsvorgänger als eines der größten Geschenke seines Lebens. Dafür werde er immer dankbar sein, erklärte der Demokrat.

Von dem Moment an, als er Bush als jungen Gouverneur getroffen habe, sei er von dessen Freundlichkeit beeindruckt gewesen. Auch der Umgang Bushs mit Clintons damals noch jungen Tochter Chelsea werde er nie vergessen, hieß es. Clinton hob zudem Bushs aufrichtigen Anstand und dessen Zuneigung zu seiner Ehefrau Barbara hervor. Clinton erklärte weiter, er sei für jede Minute dankbar, die er mit Bush verbringen dufte.

Beileidbekundungen aus der ganzen Welt

Al Gore, der einst als Vizepräsident an Bill Clintons Seite dabei half Bush seniors Präsidentschaft zu beenden, betonte in einer Stellungnahme Bushs Integrität und Anmut. "Ich werde mich wegen seiner Güte und wegen der Liebe zu seinem Land an ihn erinnern", schrieb der Politiker und Umwelt-Aktivist.

Der französische Präsident Emmanuel Macron würdigte den Verstorbenen als "großen Anführer". Er habe die Allianz mit Europa immer unterstützt, schrieb Macron auf Twitter. "Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und den Menschen, die ihm nahe standen."

Die britische Premierministerin Theresa May und Ex-Premierminister Tony Blair haben den ehemaligen US-Präsidenten als Freund ihres Landes und als Friedensstifter gewürdigt. "Präsident Bush war ein echter Freund Großbritanniens und das zuverlässige Gegenüber und der Vertraute zweier Premierminister. Sein staatsmännisches Können, seine Weisheit und seine Freundschaft werden sehr vermisst werden", schrieb May auf Twitter. "Präsident Bush war ein außergewöhnlicher Staatsdiener, ein Mann der sich seinem Land verschrieben hatte, den höchsten Werten, für die es steht und dafür, die Welt besser zu machen, stabiler und friedlicher", teilte Blair mit.

Auch der frühere sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow sprach den USA sein Beileid zum Tod von George H. W. Bush aus. Er habe mit Bush in einer "dramatischen Zeit" zusammengearbeitet, sagte der 87-Jährige. "Das Ergebnis war die Beendigung des Kaltes Krieges und des Rüstungswettlaufs". Bush sei ein "echter Partner" gewesen, sagte Gorbatschow der Agentur Interfax. Bush und Gorbatschow setzten in den 1980er-Jahren die schon unter Präsident Ronald Reagan begonnene Abrüstung fort. Sie ermöglichten nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 die deutsche Wiedervereinigung. Gorbatschow sagte, er und seine Frau Raissa (gestorben 1999) hätten immer die wohlwollende Freundlichkeit der Familie von George und Barbara Bush genossen.

"Architekt der deutschen Einheit"

Die deutsche Bundesregierung würdigte Bush als "Freund der Deutschen". "Seinen Beitrag zu unserer Wiedervereinigung werden wir nie vergessen", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter. Außerdem äußerten sich einige deutsche Politiker zum Tod des 41. US-Präsidenten: Deutschland ist nach den Worten von SPD-Außenminister Heiko Maas dem verstorbenen Ex-US-Präsidenten für immer zu Dank verpflichtet. "Auch er ist Architekt der deutschen Einheit. Ohne Vorbehalte unterstützte er sie von Beginn. Das werden wir nie vergessen", erklärte Maas. "Wir trauern um einen großen Staatsmann und einen Freund Deutschlands", fügte Maas hinzu. "1989 in der Stunde des Umbruchs, der Probe, als die Blöcke wankten und die jahrzehntelange Konfrontation zu bröckeln begann, ergriff er mutig die Chance zur Beendigung des Kalten Krieges."

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Bush als einen "wahren Freund" Deutschlands. In einem Kondolenzschreiben an US-Präsident Donald Trump betonte Steinmeier, Bush habe einen der großen Umbrüche der Weltpolitik entscheidend geprägt. "Ohne das Vertrauen und die Freundschaft der Vereinigten Staaten und ihres Präsidenten wäre die deutsche Einheit nicht möglich gewesen." Deutschland werde Bush ein ehrendes Andenken bewahren.

Alexander Graf Lambsdorff, Vize-Vorsitzender der FDP, erklärte: "Man konnte ahnen, dass er seine Barbara nicht zu lange alleine lassen würde." Barbara Bush, mit der Georg H. W. Bush 73 Jahre lang verheiratet war, war im April 2018 im Alter von 92 Jahren gestorben.

"In die Arme der Liebe seines Lebens"

Neben seiner Familie und Politikern äußerten sich auch verschiedene Prominente zum Tod des Republikaners, darunter Arnold Schwarzenegger, der frühere Gouverneur von Kalifornien. "Präsident Bush hat uns verlassen, aber sein Ziel ist nicht unbekannt", verkündet der Republikaner und gebürtige Österreicher. "Er fliegt in die Arme der Liebe seines Lebens, Barbara."

US-Moderatorin Ellen DeGeneres erinnert sich auf Twitter an ein besonders einprägsames Erlebnis mit dem Verstorbenen: "Ich werde nie vergessen, wie George H. W.  Bush und Präsident Clinton mich in meiner alten Heimatstadt New Orleans trafen, um Unterstützung nach dem Hurrikan Katrina zu zeigen und Geld dafür zu sammeln. Ich sende heute Nacht meine Liebe an seine Familie."

Kondolenzgrüße kamen auch aus der Wirtschaft: Apple-Chef Tim Cook schrieb, dass der Ex-Präsident allen Menschen "Führungsqualitäten, Aufopferung und Anstand" beigebracht hätte. Auch zahlreiche andere Prominente, darunter Schauspielerin Goldie Hawn, bekundeten ihre Trauer um den verstorbenen George W. H. Bush über die sozialen Medien.

Quelle: ntv.de, agr/dpa/AFP