Politik

CSU-Klausur in Kloster Seeon Dobrindts Bewährungsprobe

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Im Fokus: der neue Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

(Foto: dpa)

Markus Söder ist nicht da, dafür Horst Seehofer, Viktor Orbán und Vitali Klitschko. Die CSU lädt zur traditionellen Winterklausur nach Seeon. Vor allem für einen ist das Treffen wichtig, um sich als möglicher neuer Parteichef zu profilieren.

Zwei wichtige Zutaten fehlen jetzt schon in Seeon bei der traditionellen Klausur der CSU-Landesgruppe, die heute beginnt. Gerda Hasselfeldt ist nicht dabei. Die langjährige Chefin der CSU im Bundestag ist in den Ruhestand gegangen. Und es liegt kein Schnee - was eigentlich noch viel wichtiger für die schönen Bilder zum Jahresanfang ist. Schnee, CSU und Bayern. Das muss ein harmonischer Dreiklang sein. Stattdessen gibt es diesmal matschige Wiesen und ein Chiemsee, der nur noch angefrorene Ränder hat.

Doch warten andere typische Zutaten. Die CSU will provozieren und hat illustre Gäste eingeladen. Und nun muss Alexander Dobrindt für Stimmung sorgen. Es ist seine erste Klausur als Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Und der bisherige Bundesverkehrsminister will weiterhin Kante zeigen. Die CSU geht mit mehreren Papieren in die Klausur, die Maximalforderungen beinhalten. Familiennachzug von Flüchtlingen oder Kooperationsverbot im Bildungsbereich - der Streit mit der SPD ist programmiert. Stellt sich die Frage: Geht es in Seeon um die bayerische Landtagswahl im Herbst oder setzt man rote Linien für Sondierungsgespräche mit der SPD und CDU?

Dobrindt ist ein enger Vertrauter von (Noch-)Ministerpräsident Horst Seehofer. Schon bei den Gesprächen für eine Jamaika-Regierung in Deutschland hat Dobrindt fleißig verbale Watsch'n an Grüne und FDP verteilt. Das sind starke Signale Richtung Bayern und Franken - und immer auch an Seehofer. Denn in Seeon geht es wie immer auch um das Fingerhakeln innerhalb der CSU.

"Ein CSU-Chef muss in Berlin sein"

Markus Söder, der Spitzenkandidat der CSU, ist in Seeon nicht eingeladen. Er kommt zumindest nicht. Dafür darf Michael Kretschmer, der neue Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, kommen. So ist es halt in der CSU. Niemand kann sich sicher sein. Genauso führt Horst Seehofer seit einigen Jahren als Parteichef die Christsozialen. Der Ministerpräsident schaut sich alles nun ganz genau an. Aber bald ist der Parteivorsitz neu zu vergeben. Und ein heißer Kandidat ist und bleibt Alexander Dobrindt.

"Ein CSU-Chef muss in Berlin sein", hat Seehofer mal gesagt. Und meinte damit sicherlich sich selbst. Seehofer hat es nun selber in der Hand. Er kann Minister in Berlin werden, wenn es zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommt. Und somit wird auch diese Klausurtagung in Seeon wieder wie eine Art Bewerbungsgespräch für Alexander Dobrindt sein. Er muss zeigen, dass er bestimmt und eloquent die Positionen der CSU nach außen verkaufen kann.

Das sollte Dobrindt gelingen. Flüchtlingsthemen kommen immer gut an. Da hilft es, dass der ungarische Ministerpräsident, Viktor Orbán, ebenfalls als Gast vorbei schaut. Weltgewandt kann man sich zeigen, wenn Ex-Boxer Vitali Klitschko - heute Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew - mit den Bundestagsabgeordneten diskutiert. Und damit ist Seeon dann doch wieder das traditionelle CSU-Treffen wie in allen Jahren zuvor. Prominente Gäste am Jahresanfang, wenn politisch in Deutschland meist nicht so viel los ist.

Quelle: n-tv.de

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