Politik

Gehört der Islam zu Deutschland? Dobrindts "Mehrheit" liegt unter 50 Prozent

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Alexander Dobrindt im Gespräch mit Angela Merkel. Um den Islam geht es hier vermutlich nicht - das Bild wurde schon am 14. März aufgenommen.

imago/photothek

Seit die neue Bundesregierung im Amt ist, liefern sich die Unionsparteien einen Streit über die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört. Eine Forsa-Erhebung zeigt: Die Deutschen haben ihre Position zu dem Thema seit Jahren kaum verändert.

In der Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört, ist das Land genauso gespalten wie die Unionsparteien: Nach einem aktuellen RTL/n-tv Trendbarometer sind 47 Prozent der Befragten der Meinung, dass der Islam zu Deutschland gehört. 46 Prozent sagen, der Islam sei "nicht Teil der deutschen Gesellschaft".

Angestoßen wurde die seit Jahren immer wieder geführte Debatte aktuell von CSU-Chef Horst Seehofer. In seinem ersten Interview als Bundesinnenminister sagte er: "Der Islam gehört nicht zu Deutschland." CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt wählte ein paar Tage später eine noch härtere Formulierung: "Der Islam gehört in egal welcher Form nicht zu Deutschland." Im Bundestag fügte er hinzu, die überwiegende Mehrheit wolle, dass Deutschland ein christlich geprägtes Land mit seinem Wertesystem bleibe. "Und wir sind die Stimme dieser Menschen." Am 14. Oktober finden in Bayern Landtagswahlen statt.

Vor Dobrindts Rede hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Regierungserklärung gesagt, es stehe "völlig außer Frage, dass die historische Prägung unseres Landes christlich und jüdisch ist. Doch so richtig das ist, so richtig ist es auch, dass mit den 4,5 Millionen bei uns lebenden Muslimen ihre Religion, der Islam, inzwischen ein Teil Deutschlands geworden ist."

Sie wisse, "dass viele ein Problem damit haben, diesen Gedanken anzunehmen", fügte Merkel hinzu. "Das ist ihr gutes Recht." Die Bundesregierung habe jedoch die Verantwortung, Diskussionen so zu führen, dass "durch konkrete Entscheidungen der Zusammenhalt in unserem Land größer und nicht kleiner wird".

Die von Forsa erhobene Umfrage legt nahe, dass der Anteil jener, die "Probleme mit diesem Gedanken haben", wie Merkel es formulierte, nicht so groß ist wie vielfach vermutet. Auch unter den Anhängern der Unionsparteien ist mit 49 zu 44 Prozent eine Mehrheit der Auffassung, der Islam sei Bestandteil unserer Gesellschaft. Dass der Islam zu Deutschland gehört, meinen mehrheitlich auch die Anhänger der SPD (64 Prozent) und der Grünen (76 Prozent) sowie drei Viertel der 18- bis 29-Jährigen (75 Prozent). Mehrheitlich ablehnend sind die Ostdeutschen (62 Prozent), die über 60-Jährigen (53 Prozent) sowie die Anhänger der FDP (59 Prozent) und der AfD (87 Prozent).

Die Auffassung der Deutschen unterscheidet sich in der aktuellen Erhebung kaum von Umfragen in den Jahren 2012, 2014 und 2016. Vor sechs Jahren gaben 48 Prozent der Deutschen dem damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff Recht in seiner Einschätzung, der Islam gehöre zu Deutschland. Ebenso viele waren damals gegenteiliger Auffassung.

Der Aussage "Der Islam ist etwas, das einem Angst macht", stimmten im aktuellen RTL/n-tv Trendbarometer nur 28 Prozent der Befragten zu. 70 Prozent empfinden keine Angst. Im März 2004 hatten der Äußerung noch 35 Prozent zugestimmt, im Februar 2006 waren es 38 Prozent. Am ehesten finden laut aktueller Umfrage Ostdeutsche (42 Prozent) und AfD-Anhänger (56 Prozent) den Islam furchteinflößend.

Die Daten wurden am 20. und 21. März 2018 im Auftrag der Mediengruppe RTL von Forsa erhoben. Datenbasis: 1003 Befragte. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte.

Quelle: n-tv.de, hvo

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