Politik

Söder attackiert EU-Kommission Drosten hält Impfstreit für verfehlt

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"Es läuft genau so, wie es geplant war", sagte Jens Spahn "RTL Aktuell".

(Foto: imago images/Michael Schick)

Der Streit um die Verantwortung für die Impfstoffknappheit in Deutschland geht weiter. Bayerns Ministerpräsident Söder sieht schwere Versäumnisse in Brüssel. Virologe Drosten dagegen hält es für unmöglich, die Bestellpolitik im Nachhinein überhaupt zu bewerten.

In der Debatte, ob zu spät und zu wenig Impfstoff bestellt wurde, hat auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die EU-Kommission angegriffen, die europaweit für die Beschaffung zuständig war. Die Kommission habe zu wenig bestellt und auf die falschen Hersteller gesetzt. "Es ist schwer zu erklären, dass ein sehr guter Impfstoff in Deutschland entwickelt, aber woanders schneller verimpft wird", sagte er mit Blick auf die Mainzer Firma Biontech. "Alle Verfahren müssen massiv beschleunigt werden: die Bestellung und Produktion von Impfstoff auch mit nationalen Kapazitäten. Zudem die schnellere und trotzdem gründlich geprüfte Zulassung von neuen Impfstoffen ähnlich wie in Großbritannien."

Der Virologe Christian Drosten hält es allerdings für "praktisch unmöglich, das im Nachhinein zu bewerten", wie er der "Berliner Morgenpost" sagte. "Das ist so eine komplexe Angelegenheit. Man musste den Impfstoff mit Monaten Vorlauf bestellen - und wusste zu dem Zeitpunkt gar nicht, ob der betreffende Impfstoff auch funktionieren würde." Aber auch er empfiehlt, beim Impfstoff von Astrazeneca schnell hinterherzukommen, der in Großbritannien bereits eine Notfallzulassung hat - weil dieser Impfstoff nicht so stark gekühlt werden muss, und daher in normalen Arztpraxen viel leichter geimpft werden kann.

Auch der CDU-Vorsitzkandidat Norbert Röttgen wies Kritik daran zurück, dass Deutschland sich nicht an der EU vorbei im Alleingang Impfstoffe gesichert hat. "Ich finde es richtig, dass die deutsche Politik einem Impf-Nationalismus eine klare Absage erteilt hat", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte Vorwürfe gegen die Regierung wegen des Mangels an Impfstoff erneut zurückgewiesen. "Es läuft genau so, wie es geplant war", sagte der CDU-Politiker "RTL Aktuell". 1,3 Millionen Dosen Impfstoff seien bis Jahresende an die Bundesländer ausgeliefert worden, bis Ende Januar würden es insgesamt 4 Millionen sein - genau wie er seit Wochen angekündigt habe "mit dem Hinweis, dass es am Anfang knapp sein würde und wir deshalb priorisieren müssen". Spahn versprach, dass im Januar alle Pflegeheim-Bewohner geimpft werden könnten.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa