Politik

Oder doch ein Finne?EU soll Merkel oder Draghi für Gespräche mit Putin erwägen

20.05.2026, 08:09 Uhr
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Merkel und Draghi beim G20-Gipfel in Rom Ende 2021 und nur wenige Monate vor der Vollinvasion Russlands in der Ukraine. (Foto: picture alliance / abaca)

Die Europäische Union steht offenbar davor, eine führende Vermittlungsperson für direkte Gespräche mit dem russischen Präsidenten Putin zu wählen. Ein Bericht benennt mehrere Optionen. Auch der ukrainische Präsident Selenskyj soll einen Favoriten haben.

In der Europäischen Union laufen laut einem Bericht der "Financial Times" auf Regierungsebene Gespräche, ob die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, die Staatengemeinschaft in möglichen Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vertreten könnten. Die Zeitung beruft sich auf Insider. Außer Draghi und Merkel sind demnach von europäischen Regierungen auch Finnlands Präsident Alexander Stubb und sein Vorgänger Sauli Niinistö vorgeschlagen worden.

Die EU-Außenminister wollen demnach in der kommenden Woche bei einem Treffen auf Zypern besprechen, wer sich für solche Gespräche empfehlen würde, nachdem Washington und Kiew Unterstützung signalisiert hätten für solche Gespräche zwischen der EU und Putin, so die Quellen des Blattes.

Ein ukrainischer Offizieller sagte zudem, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj "jemanden wie Draghi" wolle oder ein "starkes derzeitiges Staatsoberhaupt". Es werde erwartet, dass Selenskyj die Angelegenheit noch in dieser Woche mit Frankreich, Deutschland und Großbritannien abstimmen werde. Draghi war nach seiner Zeit an der Spitze der EZB auch für etwas mehr als eineinhalb Jahre italienischer Ministerpräsident.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zuvor seine Bereitschaft signalisiert, mit europäischen Staaten über eine Beilegung des Ukraine-Kriegs zu verhandeln. Er selbst hatte Altkanzler Gerhard Schröder von der SPD als Vermittler ins Spiel gebracht. Der 82-jährige frühere SPD-Chef ist persönlicher Freund Putins und war auch nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für russische Energiefirmen tätig.

Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU hatte sich daraufhin Einmischungen von außen in der Frage der Benennung eines Vermittlers verbeten. "Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht. Niemand anders", sagte Merz vergangene Woche in seiner Rede bei der Verleihung des Internationalen Karlspreises in Aachen. Er zweifelte dabei daran, dass es auf russischer Seite tatsächlich Verhandlungsbereitschaft gebe.

Quelle: ntv.de, mpe/rts/AFP

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