Politik

Grenzverkehr kein Treiber EU stellt Quarantäne für Reisende infrage

136469456.jpg

Viele Länder fordern ein negatives Testergebnis bei der Einreise, doch nicht alle Tests sind überall akzeptiert.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Einreisebestimmungen der EU-Mitgliedstaaten gleichen derzeit einem Flickenteppich. Viele setzen für Ankömmlinge aus Risikogebieten eine zweiwöchige Quarantäne voraus. Die EU-Kommission sieht darin wenig Nutzen - vielmehr stehe das Vertrauen der Bürger auf dem Spiel.

Die EU-Kommission hat Zweifel am Nutzen von verpflichtenden Quarantäne-Regeln für Reisende in der aktuellen Lage der Corona-Pandemie geäußert. Nach Einschätzung der Behörde zur Bekämpfung von Krankheiten ECDC trügen "obligatorische Tests und die Quarantäne von Reisenden wenig zur Wirksamkeit unserer Maßnahmen bei", sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides bei einer Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister. Das Virus breite sich derzeit rasend schnell innerhalb der Gesellschaft aus, der Grenzverkehr trage da nur sehr wenig bei.

In jedem Fall sollten sich die Mitgliedstaaten untereinander besser absprechen, forderte die Kommissarin. "Ihre Positionen sind sehr unterschiedlich. Wir brauchen mehr Konsistenz und Berechenbarkeit, um das Vertrauen der Bürger zu gewinnen."

*Datenschutz

Wie zu Beginn der Pandemie im Frühjahr gehen die EU-Staaten derzeit unterschiedlich bei Reisebeschränkungen wegen des Coronavirus vor. Zwar einigten sich die 27 Länder zuletzt auf eine einheitliche farbliche Einstufung von Risikogebieten. Die daraus resultierenden Vorgaben für Reisende sind aber weiterhin höchst verschieden.

Manche Länder schreiben negative Tests für die Einreise vor - allerdings werden nicht alle Tests überall akzeptiert. In vielen Ländern müssen Ankömmlinge aus Risikogebieten in Quarantäne, wobei die zeitliche Dauer von Land zu Land variiert. Ungarn verweigert den meisten Reisenden aus anderen EU-Ländern weiterhin grundsätzlich die Einreise.

Kyriakides kündigte "einen europäischen Ansatz für Quarantänen-Regelungen" an. Die Kommission werde am 11. November "ein umfassendes Paket von Initiativen zur Beseitigung der strukturellen Schwachstellen vorlegen".

Quelle: ntv.de, mdi/AFP